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Wirtschaft

Conti will Rodinger Werk 2024 schließen

Conti-Vertreter erklärten ihre Pläne bei der Betriebsversammlung in Roding. Die Mitarbeiter drohen nun mit Arbeitskampf.
Von Christoph Klöckner und Bastian Schreiner

Die Conti-Mitarbeiter zogen am Dienstag nach der Betriebsversammlung und der Schließungsankündigung für 2024 gemeinsam vor die Tore des Continental-Werkes in Roding. Sie seien bereit, um die Arbeitsplätze zu kämpfen, so Betriebsratschefin Claudia Hecht. Foto: Klöckner
Die Conti-Mitarbeiter zogen am Dienstag nach der Betriebsversammlung und der Schließungsankündigung für 2024 gemeinsam vor die Tore des Continental-Werkes in Roding. Sie seien bereit, um die Arbeitsplätze zu kämpfen, so Betriebsratschefin Claudia Hecht. Foto: Klöckner

Roding.Die Gesichter der Conti-Belegschaft, die am Dienstagnachmittag aus der Betriebsversammlung in Roding kamen, ließen nichts Gutes erahnen. Und so war es auch: Obwohl der Aufsichtsrat des Continental-Konzerns noch nicht einmal über die Schließung des Rodinger Standorts abgestimmt hat, machten die Conti-Vertreter bei der Versammlung deutlich, dass sie ein Ende des Rodinger Standorts 2024 wollen. Und das, obwohl der Rodinger Betriebsrat wie auch die IG Metall-Vertretung Entgegenkommen signalisiert hatten und zu Abstrichen bereit waren, um die Arbeitsplätze zu erhalten.

Die Rodinger Conti-Betriebsratschefin Claudia Hecht machte den Conti-Vertretern klar, was das bedeuten wird: „Wir sind kampfbereit!“ Am Ende der Sitzung rief sie alle Mitarbeiter dazu auf, in einem langen Demonstrationszug vor die Tore des Werks dem Konzern zu zeigen, dass man nicht aufgebe: „Wir demonstrieren Geschlossenheit!“

„Ich verstehe nicht, warum man uns keine Chance geben will.“

Betriebsratschefin Claudia Hecht

Sie warf der Führung Managementfehler vor und wies darauf hin, dass die Rodinger Mitarbeiter auch für neue Antriebstechnologien längst vorbereitet und fortgebildet seien, im Gegensatz zu anderen Conti-Werken. „Ich verstehe nicht, warum man uns keine Chance geben will. Warum? Wir verstehen das alles nicht!“ Hecht machte auch deutlich, dass es hier eine soziale Verantwortung gebe, viele junge Familien hätten gerade gebaut, seien froh gewesen, bei einem solch namhaften Unternehmen wie Continental beschäftigt zu sein.

Conti gibt Standort Roding 2024 auf

Die Conti-Vertreter in der Versammlung gaben zu, dass es auch Managementfehler gab, jedoch die Marktlage und der Wettbewerb ihr Übriges zur aktuellen Lage beigetragen hätten. Er fühle sich für den Standort verantwortlich, jedoch auch für andere, deshalb könne er die Absolutheit, wie hier für Roding gesprochen werde, nicht mittragen: Man müsse das große Ganze im Auge haben, meinte der Conti-Manager.

Betriebsratschefin Claudia Hecht rief zur Geschlossenheit gegen die Pläne auf. Foto: Schreiner
Betriebsratschefin Claudia Hecht rief zur Geschlossenheit gegen die Pläne auf. Foto: Schreiner

IG Metall-Vertreterin Olga Redda, die auch bei der letzten Krise am Rodinger Standort mit der Führung von Conti verhandelt hatte und am Dienstag ihren ersten Arbeitstag nach ihrer Baby-Pause beging, forderte Conti auf, Verantwortung für den Standort zu übernehmen. Hier sei eine Mannschaft, die arbeiten wolle und das Equipment dafür habe. „Lassen Sie uns Gespräche führen um den Erhalt“, rief sie in Richtung des Conti-Managements. Man lasse sich nicht einfach zusperren: „Wir werden für die Arbeitsplätze kämpfen!“ Man wolle vom Konzern eine Verteilung der Arbeit, statt einfach Entlassungen zu beschließen. Sie machte klar, dass das Ende für sie noch nicht spruchreif ist: „Ich will noch nicht vom Scheitern reden!“ Es sei persönlich erschütternd, dass hier ein großer Arbeitgeber einfach 600 Stellen streiche.

Runder Tisch und Prüfung

Bis auf den letzten Platz war die Kantine mit Conti-Mitarbeitern besetzt, um zu hören, wie es weitergeht. Foto: Klöckner
Bis auf den letzten Platz war die Kantine mit Conti-Mitarbeitern besetzt, um zu hören, wie es weitergeht. Foto: Klöckner

Man werde nicht zulassen, dass die Belegschaft jetzt noch vier Jahre ausgepresst werde, um dann am Ende fallengelassen zu werden. Der nächste Schritt sei jetzt zunächst ein Runder Tisch, wo alle Verantwortlichen von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zusammenkämen, um über die angekündigte Schließung zu sprechen und andere Lösungen zu suchen. Dazu solle ein unabhängiges Beratungsinstitut die Situation beurteilen und ebenfalls Alternativen wie etwa neue Produktionslinien für den Standort Roding suchen. Schließlich gebe es den dritten Schritt, so Olga Redda: „Der heißt, dem Konzern Stopp zu sagen und ihn auf seine Verantwortung hinzuweisen.“

Wirtschaft

Conti-Mitarbeiter kämpfen um ihre Jobs

Der Rodinger Betriebsrat und die Gewerkschaft drohen mit „enormer Protestwelle“, falls es zum Stellenabbau kommen sollte.

Rodings Bürgermeister Franz Reichold verließ tief deprimiert die Betriebsversammlung. Er machte deutlich, dass die Stadt vor zwölf Jahren alles getan habe, um Continental ansiedeln zu können. Dass nun die Schließung verkündet werde, sei ein schmerzhafter Tiefschlag. Politisch versuche man nun, Einfluss zu nehmen.

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