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Corona: Chamer Schulen bleiben offen

Die Mutter der Erkrankten aus Pemfling hat sich angesteckt. Oberstes Ziel sei die Ausbreitung zu bremsen, sagt der Landrat.
Von Anna Jopp und Michael Gruber

Das Corona-Virus ist im Landkreis Cham angekommen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Das Corona-Virus ist im Landkreis Cham angekommen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Pemfling.Die zweite Person, die sich im Landkreis Cham mit dem Coronavirus angesteckt hat, ist die Mutter der 23-Jährigen aus Pemfling, deren Erkrankung bereits am Freitag bekannt geworden war. Das teilte der Chamer Landrat Franz Löffler am Sonntag in einer Pressekonferenz mit.

Die Mutter sei demnach in der Pemflinger Gemeindeverwaltung tätig. Insgesamt 20 Personen, die direkten Kontakt zu ihr hatten, seien aufgefordert worden, sich in häusliche Absonderung zu begeben und wurden auf das Virus getestet. Die Gemeindeverwaltung wurde für den Parteienverkehr vorübergerhend geschlossen. Der Pemflinger Bürgermeister Franz Haberl arbeite erstmal im Homeoffice, heißt es aus dem Landratsamt. Insgesamt stehen vier Mitarbeiter der Verwaltung unter Infektions-Verdacht.

Besonnener Umgang mit Virus

Landrat Franz Löffler rief alle Bürger zu einem „besonnenen Umgang“ mit dem neuartigen Coronavirus im Landkreis Cham auf. „Ich rate allen Bürgerinnen und Büger dazu, sorgsam mit dem Thema umzugehen, aber besonnen zu bleiben.“ Wichtig sei es jetzt, verstärkt auf die Hygiene- und Verhaltensregeln zu achten, also regelmäßig die Hände zu waschen und großen Menschenmengen zu meiden. Er würde es zudem begrüßen, erklärte Landrat Löffler weiter, wenn die Landkreisbürger vorübergehend auf Reisen in ausgewiesene Risikogebiete verzichten, sofern dies möglich sei.

„Es gibt nicht den geringsten Anlass dazu, Versorgungsengpässe bei den Lebensmitteln zu befürchten.“

Franz Löffler, Landrat

Angesichts der Hamsterkäufe vieler Bürger, die sich auch in den Chamer Supermärkten in den letzten Tagen bemerkbar gemacht haben, rief Landrat Löffler zur Vernunft auf. „Es gibt nicht den geringsten Anlass dazu, Versorgungsengpässe bei den Lebensmitteln in Deutschland zu befürchten.“

Nach dem Nachweis der ersten beiden Infektionsfälle im Landkreis rät das Landratsamt auch bei den Kommunalwahlen zur erhöhte Wachsamkeit. Wenn es möglich ist, sollten die Bürger die Alternative der Briefwahl nutzen, erklärte Löffler. „Die Präsenzwahl steht als Möglichkeit weiterhin zur Verfügung. Mit Blick auf das gesundheitliche Riskos ist die Briefwahl aber der bessere Weg.“

Milde Krankheitsverläufe

Bei den beiden bestätigten Corona-Fällen in Pemfling handelt es sich nach Informationen des Gesundheitsamts um milde Krankheitsverläufe. „Die Personen befinden sich derzeit in häuslicher Quarantäne und dürfen diese erst wieder verlassen, sobald sie zweimal negativ auf das Virus getestet worden sind.“ Das Landratsamt habe alle engen Kontaktpersonen identifziert und auf das Virus getestet. Durch den weiteren Fall befinden sich nun insgesamt 100 Personen in häuslicher Absonderung, bis die Testergebnisse vorliegen. Die Labor-Ergebnisse für die 50-köpfige Reisebusgruppe werden am Montag erwartet.

Für mögliche schwere Krankheitsverläufe sieht sich der Landkreis Cham gerüstet. „Alle drei Krankenhaus-Standorte sind für die Behandlung eines Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf mit entsprechender Schutzausrüstung vorbereitet“, erklärt Landrat Löffer. Als oberstes Ziel nannten Gesundheitsamt und Landratsamt die weitere Ausbreitung des Virus zu stoppen und Infektionsketten zu unterbrechen.

Frühlingsanfang könnte helfen

„Es geht darum, eine explosionsartige Ausbreitung im Landreis Cham zu verhindern“, sagte Landrat Franz Löffler. Man setze die Hoffnung darauf, dass es mit den wärmeren Temperaturen Anfang April auch zu einer Eindämmung des Influenza-Virus komme. Es gehe darum, eine doppelte Betroffenheit mit beiden Viren-Arten auszuschließen, erklärte Löffler. Aufgrund der ähnlichen Symptome beider Virenarten ließen sich Corona-Fälle dann zudem leichter erkennen.

Ein generelles Verbot für größere Veranstaltung sowie eine Schließung von Schulen und Kindergärten ordnet das Landratsamt Cham nicht an. Löffler rief alle Veranstalter zu einem sensiblen Umgang mit der Risikolage auf. Sofern die Planung es zuließe, sind die Veranstalter aufgerufen, sich vor Veranstaltungbeginn mit dem Landratsamt abzustimmen.

Schulamtsleiter Rudolf Hofmann verwies auf die aktuelle Verfügung des bayerischen Gesundheitsministeriums, wonach Schüler, die sich in ausgewiesenen Risikogebieten aufgehalten haben - dazu zählt inzwischen auch Südtirol - für zwei Wochen zu Hause bleiben sollen. Dies gelt auch für Kindergartenkinder.

Nachdem die beiden infizierten Personen in den sozialen Medien mehrfach von Bürgern attackiert wurden, ruft Landrat Löffler zu einem rücksichtsvollen Umgang mit Corona-Infizierten auf. „Es ist ja nicht so, als hätten sie sich absichtlich angesteckt.“ Das Virus könne im Grunde genommen jeden treffen. Dem Landratsamt und auch dem Gesundheitsamt sei es ein großes Anliegen, dass hier niemand im Fall einer Infektion diskreditiert werde.

Hygieneregeln einhalten

Der Landrat und der Leiter des Gesundheitsamtes am Landratsamt Cham, Dr. Albert Eisenreich, nehmen den Fall zum Anlass, erneut auf die allgemeinen Schutzmaßnahmen hinzuweisen: „Mit den einfachsten Hygieneregeln kann man sich und andere vor einer Infektion mit dem Coronavirus am besten schützen.“

  • Abstand halten und engen Kontakt mit Personen, die an einer Atemwegsinfektion erkrankt sind, meiden
  • Häufiges Händewaschen
  • Beim Niesen und Husten Mund und Nase mit der Armbeuge abdecken
  • Händeschütteln vermeiden
  • Einmal-Taschentücher verwenden und ordentlich entsorgen
  • Menschenansammlungen meiden
  • Notwendigkeit von Reisen in Risikogebiete sorgfältig abwägen

Weitere Informationen

Besorgte Bürgerinnen und Bürger können sich nach vorheriger Anmeldung auch an das Gesundheitsamt am Landratsamt Cham, Telefon (09971) 78-450 oder an ihren Arzt wenden.

Am Bayerischen Landesamt für Lebensmittelsicherheit wurde unter der Nummer (09131) 68085101 eine Telefon-Hotline eingerichtet. Antworten auf häufig gestellte Fragen zum neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) findet man auch auf der Seite des Robert Koch Instituts https://www.rki.de, auf der Homepage des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege https://www.stmgp.bayern.de und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit https://www.lgl.bayern.de/.

Zu Fragen des Schulbesuchs informiert das bayerische Kultusministerium https://www.km.bayern.de/.

Das Bayerische Familienministerium hat am 1. März 2020 die Empfehlungen für Eltern, deren Kinder eine Kita, eine Kindertagespflegestelle oder eine andere Gemeinschaftseinrichtung für Kinder und Jugendliche besuchen, aktualisiert https://www.stmas.bayern.de/aktuelle-meldungen.

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