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Corona hinterlässt deutliche Spuren

Der Leiter der Agentur für Arbeit in Cham und Bad Kötzting, Hans-Peter Hausladen, registriert einen „Einbruch in der Krise“.

„Wir haben im Landkreis jetzt rund 740 Arbeitslose mehr als im Vorjahresmonat“, berichtet der Leiter der Geschäftsstelle Cham, Hans-Peter Hausladen. Foto: Jan Woitas/dpa
„Wir haben im Landkreis jetzt rund 740 Arbeitslose mehr als im Vorjahresmonat“, berichtet der Leiter der Geschäftsstelle Cham, Hans-Peter Hausladen. Foto: Jan Woitas/dpa

Cham.Die Corona-Krise hat das Arbeitsmarktgeschehen im Bezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf im April beherrscht. Betriebe aus allen Branchen und aller Größen mussten ihren Geschäftsbetrieb einschränken oder komplett stilllegen.

Im Bezirk der Geschäftsstelle Cham nahm die Arbeitslosigkeit von März auf April dennoch ab – und zwar um knapp 160 Personen (8,1 Prozent). Zur Monatsmitte waren rund 1770 Personen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Jahres 2019 nahm die Arbeitslosigkeit jedoch um knapp 520 Personen (41,1 Prozent) zu. Die Arbeitslosenquote ging von 3,4 Prozent im März auf 3,1 Prozent zurück. Im April 2019 lag sie bei 2,2 Prozent.

Andere Schlagzeilen

Im Laufe des Berichtsmonats beendeten knapp 700 Arbeitnehmer ihre Arbeitslosigkeit, rund 230 Personen (25 Prozent) weniger als im März. Im Vergleich zu 2019 meldeten sich knapp 300 Arbeitnehmer (29,9 Prozent) weniger aus der Arbeitslosigkeit ab. Im Gegenzug meldeten sich rund 540 Arbeitnehmer neu oder erneut arbeitslos, 40 Personen (acht Prozent) mehr als im März und 30 Arbeitnehmer (6,5 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat.

„Sehr guter Frühjahrsaufschwung und Wiedereinstellungswelle: So hätte es unter normalen Umständen heißen können. Doch dem ist nicht so. Wir haben im Landkreis Cham jetzt rund 740 Arbeitslose mehr als im Vorjahresmonat. Der wirtschaftliche Einbruch in der Corona-Krise hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt“, berichtet der Leiter der Geschäftsstelle Cham, Hans-Peter Hausladen.

„Sehr guter Frühjahrsaufschwung und Wiedereinstellungswelle: So hätte es unter normalen Umständen heißen können. Doch dem ist nicht so. Wir haben im Landkreis Cham jetzt rund 740 Arbeitslose mehr als im Vorjahresmonat.“

Hans-Peter Hausladen

Aufgrund der Corona-Krise blicken die Baufirmen zwiespältig in die Zukunft: Für den Saisonstart sind ausreichend Aufträge vorhanden, „aber natürlich noch nicht für das ganze Jahr“, wie es in einer Pressemitteilung der Agentur für Arbeit heißt. Es sei derzeit nicht abschätzbar, wie sich die Lage entwickele. Einige Baustellen könnten nicht begonnen werden, da die Bauherren zurzeit die Ausführung nicht wünschten, vor allem bei privaten Bauvorhaben.

„Aufgrund der aktuellen Lage verschieben sich etliche Wiedereinstellungen sowohl im Bauhaupt- und Baunebengewerbe als auch im Garten- und Landschaftsbau. Trotz der Corona-Krise hat ein Großteil der saisonbedingt arbeitslos gemeldeten Bewerber aus dem Bauhauptgewerbe die Beschäftigung bereits wiederaufgenommen“, sagt Hausladen.

Wirtschaft

Landkreis Cham steht vor neuen Grenzen

Die Chamer Industrie lebt vom Export. Nur ziehen Partnerländer die Zäune hoch. IHK-Chef Richard Brunner beurteilt die Lage.

Die Nachfrage nach Fachkräften aus dem Metallbereich mit abgeschlossener Berufsausbildung ist seit den Ausgangsbeschränkungen deutlich zurückgegangen. Nur in einzelnen Fällen sind Arbeitsaufnahmen zu verzeichnen, „erfreulicherweise gab es aber etliche Vertragsverlängerungen“. In der Elektroindustrie ist die Lage in den Branchen unterschiedlich, von schlecht im Bereich Automotive bis gut in der Sparte Medizintechnik.

Akute Probleme bei der Abarbeitung der Aufträge bereite vielen Firmen die Lage der tschechischen Grenzpendler. Deren Situation: Einige wurden in Urlaub und Überstundenabbau geschickt. Andere haben sich eine Unterkunft besorgt (meist mithilfe der Betriebe) und bleiben bis auf Weiteres in Deutschland. Nicht ausgeblieben seien zudem Kündigungen und Kurzarbeit.

Akuter Personalbedarf besteht in Seniorenheimen und vor allem bei den ambulanten Pflegediensten. Foto: Jana Bauch/dpa
Akuter Personalbedarf besteht in Seniorenheimen und vor allem bei den ambulanten Pflegediensten. Foto: Jana Bauch/dpa

Für einige wenige Bekleidungsfirmen sei die Mundschutzmaskennäherei derzeit ein kleiner Lichtblick. Im Gesundheitsbereich hätten die Heime Vorkehrungen getroffen und Notfallpläne erarbeitet, falls sich Personal oder Patienten infizierten. Im ambulanten Bereich ließen sich Personalausfälle schwieriger kompensieren, so dass hier akuter Mitarbeiterbedarf bestehe. In Reha-Kliniken und Therapiepraxen werde kurzgearbeitet.

Fahrer sind stark gefragt

Die Arbeitsmarktbedingungen für Berufskraftfahrer seien derzeit gut, vor allem durch den Saisonstart in den Außenberufen würden verstärkt Fahrer zum Beispiel im Baustellenverkehr oder Baustofftransport, gesucht. „Zudem werden Fahrer für Fern- und Nahverkehr nachgefragt“, heißt es. Auch der Warenverkehr, insbesondere in systemrelevanten Bereichen wie dem Lebensmitteleinzelhandel, müsse weiterhin sichergestellt werden.

Im Einzelhandel seien die Vermittlungsmöglichkeiten nahezu zum Erliegen gekommen, da die nicht systemrelevanten Geschäfte bis vor kurzem allesamt geschlossen hatten. Die Hotel- und Gastronomiebetriebe seien aufgrund der derzeitigen Situation größtenteils zu – viele davon haben Kurzarbeit angezeigt, aber es erfolgten auch einige Arbeitslosmeldungen mit Wiedereinstellungszusagen.

Aufgrund der Grenzschließungen steht der Großteil der tschechischen Mitarbeiter den Zeitarbeitsfirmen nicht mehr zur Verfügung. Die Personaldienstleister sind auf der Suche nach geeigneten deutschen Arbeitskräften, die diese Lücken füllen können. Die Firmen haben dem Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter zahlreiche Stellen für Helfer in der Produktion sowie für Maschinen- und Anlagenführer gemeldet.

Im gemeinsamen Stellenpool der Arbeitsagentur und des Jobcenters waren im April knapp 1230 Offerten gemeldet, rund 120 Stellen (8,7 Prozent) weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Die Betriebe und Verwaltungen meldeten im Berichtsmonat knapp 250 neue Stellen und somit rund 50 Offerten (15,6 Prozent) weniger als im April 2019.

Wirtschaft

Die Pendler demonstrieren an der Grenze

An diesem Freitag findet erneut eine Aktion am Grenzübergang Folmava statt. Die Tschechen fühlen sich im Stich gelassen.

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Bad Kötzting ging die Arbeitslosigkeit von März auf April zurück. Die Zahl der Arbeitslosen sank binnen Monatsfrist um rund 120 Personen (17,4 Prozent). Im Vergleich zum April 2019 nahm die Arbeitslosigkeit um rund 220 Personen (63,2 Prozent) erheblich zu. Mitte April waren rund 570 Personen arbeitslos gemeldet. Im Lauf des Berichtsmonats beendeten knapp 320 Personen ihre Arbeitslosigkeit, zirka 50 Personen (12,4 Prozent) weniger als im März und knapp 100 Arbeitnehmer (23,6 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Quote in Bad Kötzting sinkt

Im Gegenzug meldeten sich im Berichtsmonat knapp 200 Personen neu oder erneut arbeitslos. Das entspricht einer Zunahme um rund 50 Personen (32,2 Prozent) gegenüber dem März und um 90 Personen (84,1 Prozent) gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote ging von 4,3 Prozent im März auf 3,5 Prozent im Berichtsmonat zurück.

„Im Bezirk der Geschäftsstelle Bad Kötzting gab es gegenüber dem Vormonat zwar einen Rückgang der Arbeitslosigkeit, aufgrund der Corona-Pandemie aber lange nicht so, wie noch vor zwei Monaten erwartet. Die April-Arbeitslosenzahlen sind höher als im Vorjahr ausgefallen – im April 2019 lag die Quote bei 2,2 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit 46 Jahren“, berichtet der Leiter der Geschäftsstelle, Hans-Peter Hausladen.

Erfreulicherweise hätten etliche Arbeitnehmer im Baubereich und in Handwerksbetrieben ihre Arbeit nach der Winterpause wiederaufgenommen. Hausladen: „Bei vielen Winterarbeitslosen verschob sich die Wiedereinstellung aufgrund der Coronakrise teilweise um mehrere Wochen.“

In der Holzverarbeitung klagten Betriebe ebenfalls über Auftragsrückgänge, der Export stockte. Fachkräftebedarf besteht langfristig, vor Ostern erfolgten keine Einstellungen.

„Bei vielen Winterarbeitslosen verschob sich die Wiedereinstellung aufgrund der Coronakrise teilweise um mehrere Wochen.“

Hans-Peter Hausladen

Die Auftragslage in den Industriebetrieben ist nur in der Medizintechnik und der Geräteherstellung sehr gut, im Elektronikbereich werden Fachkräfte und Ingenieure gesucht. Ansonsten waren die Schlagworte Auftragseinbrüche und Kurzarbeit.

Im Tourismus-, Hotel- und Gaststättengewerbe sind die Auswirkungen der Pandemie am deutlichsten sichtbar. Zum einen gingen Kurzarbeitsanzeigen ein, zum anderen erfolgten viele Arbeitslosmeldungen. Es lagen zwar größtenteils Wiedereinstellungszusagen vor, wann der Zeitpunkt hierfür kommen werde und ob die freigestellten Kräfte alle zurückgeholt würden, sei jedoch derzeit ungewiss.

Die Arbeitsmarktbedingungen für Berufskraftfahrer seien derzeit gut, urteilen die Arbeitsmarkt-Experten. Foto: Felix Kästle/dpa
Die Arbeitsmarktbedingungen für Berufskraftfahrer seien derzeit gut, urteilen die Arbeitsmarkt-Experten. Foto: Felix Kästle/dpa

Die Betriebe des Einzelhandels sind sehr stark von der Corona-Pandemie betroffen. Kurzarbeitergeld für die Arbeitnehmer wegen vorübergehender Geschäftsschließungen aufgrund behördlicher Anordnungen war auch in diesem Wirtschaftszweig das beste Mittel, um Kündigungen zu verhindern. Kräftebedarf besteht vornehmlich in den Supermärkten, die sehr stark ausgelastet sind.

Sehr gute Vermittlungsmöglichkeiten ergeben sich im Gesundheitsbereich. Es besteht akuter Personalbedarf in Seniorenheimen und vor allem bei den ambulanten Pflegediensten. Medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte sowie Therapeuten sind von Corona ebenfalls betroffen, auch hier war ein Zugang von Arbeitslosen zu verzeichnen, ferner sind etliche Kräfte auch in Kurzarbeit.

Grenzverkehr

Firmen sind auf Grenzpendler angewiesen

Seit Donnerstag gelten strenge Regeln für den tschechischen Grenzübertritt. Der Gesundheitssektor darf überraschend aufatmen.

Laut Hausladen hatten und haben insbesondere die Arbeitsvermittler im Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter sowie die unterstützenden Mitglieder anderer Teams alle Hände voll zu tun, die rekordverdächtige Anzahl der telefonischen Beratungen zur Kurzarbeit zu stemmen. „Die Telefone liefen im wahrsten Sinne des Wortes heiß. Die Devise lautet auch weiterhin: Größtmögliche Unterstützung und Beratung sowohl der Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer“, betont der Geschäftsstellenleiter.

Die Betriebe und Verwaltungen meldeten im April rund 50 Stellen neu zur Besetzung. Das waren rund 30 Angebote (39,3 Prozent) weniger als im vergleichbaren Zeitraum 2019.

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