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Corona-Probleme an FOS/BOS

Praktika sind in diesem Schuljahr wohl nicht mehr möglich – dafür aber Nachmeldungen am Beruflichen Schulzentrum Cham.

  • Momentan vielfach nicht umsetzbar – die fachpraktische Tätigkeit von FOS-Schülern, vor allem in den Ausbildungsrichtungen Gesundheit und Sozialwesen.
  • Eine Rückkehr ins Praktikum wie auf diesem Bild ist laut Lehrer Leonhard Schmidbauer für dieses Schuljahr kaum mehr denkbar. Fotos: FOS/BOS

Cham.In Zeiten von Corona mit Homeschooling und begrenztem Präsenzunterricht stehen alle Schulen vor besonderen Herausforderungen. Am Beruflichen Schulzentrum Cham kommen jedoch noch spezifische Probleme hinzu, wie etwa das Praktikum in den 11. Klassen. Trotzdem auch eine gute Nachricht: Für das kommende Schuljahr sind noch Nachmeldungen möglich, insbesondere auch an der Berufsoberschule. Denn Corona bedroht wohl zum Teil auch die Chancen auf Übernahme nach der Ausbildung.

Die Schülerzahlen an der Berufsoberschule, an der sich mit mittlerem Schulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung die Fachhochschulreife, die fachgebundene Hochschulreife oder sogar die Hochschulreife (mit zweiter Fremdsprache) erwerben lassen, zeigen sich in der Regel antizyklisch zur wirtschaftlichen und konjunkturellen Lage mit entsprechenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Schülerzahlen gingen nach oben

Letztes Beispiel: In Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 schnellten an der Berufsoberschule in Cham in der 12. Jahrgangsstufe der Ausbildungsrichtungen Technik und Wirtschaft/Verwaltung die Schülerzahlen sprunghaft nach oben. Schließlich konnten auch im Landkreis Cham viele Betriebe die Auswirkungen der weltweiten Rezession noch nicht abschätzen und beim Ausbildungs-Abschluss vorübergehend keine Übernahme garantieren beziehungsweise anbieten.

Im vergangenen Jahrzehnt erfreute sich die Wirtschaft nun erfreulicherweise wieder positiver Robustheit. Qualifizierte Fachkräfte und Auszubildende wurden für die Betriebe mehr und mehr zum Engpass. Und so sind auch an der Berufsoberschule Cham in den vergangenen Jahren die Schülerzahlen wieder stetig zurückgegangen.

Nun wird aufgrund der Corona-Situation noch ein deutlich stärkerer wirtschaftlicher Einbruch als 2007/2008 erwartet. Schulleiterin Barbara Dietzko kann zumindest in einer Richtung beruhigen: „Obwohl die Einschreibung offiziell schon im März stattgefunden hat, können wir gerade für die Berufsoberschule noch Aufnahmen zusagen.“ Dies gilt sowohl für Berufsauszubildende, die aktuell fertig geworden sind oder gerade vor dem Abschluss stehen, sowie auch für alle, die in den vergangenen Jahren die Berufsausbildung beendet haben. „Eine Altersgrenze für die Aufnahme in die Berufsoberschule gibt es nicht“, so Schulleiterin Dietzko. Das Argument „Berufsoberschule statt Arbeitslosigkeit nach der Lehre“ wird natürlich mit einem weiteren Argument unterstützt, nämlich durch die finanzielle Bafög-Unterstützung von Berufsoberschülern von Seiten des Staates. Seit gut einer Woche ist sowohl an FOS/BOS (12. und 13. Klassen) als auch an der zweistufigen Wirtschaftsschule (11. Klassen) der Präsenzunterricht in den Abschlussklassen wieder angelaufen. „Das ist am Beruflichen Schulzentrum Cham wirklich eine doppelte Ausnahmesituation, denn im Vergleich zu Gymnasien oder Realschulen beschulen wir damit auf einen Schlag über 200 Schülerinnen und Schüler.“

Auf ein Riesenproblem an der Fachoberschule verweist StD Leonhard Schmidbauer. Er ist an der FOS als Schulbeauftragter für die fachpraktische Ausbildung hauptverantwortlich. „Die Besonderheit und das Charakteristikum stellt an der Fachoberschule die fachpraktische Ausbildung dar“, so Schmidbauer. In der 11. Jahrgangsstufe nehmen alle Schüler an einem Praktikum teil, das im Zwei-Wochen-Rhythmus mit dem schulischen Unterricht wechselt und während des gesamten Schuljahres durchgeführt wird.

Betriebe haben schon abgesagt

Zwar steht derzeit noch nicht fest, ob die 11. Klassen wieder ab Montag, 11. Mai, ganz oder teilweise in den Präsenzunterricht zurückkehren. Doch eines ist unabhängig davon klar: Eine Rückkehr ins Praktikum ist für dieses Schuljahr kaum mehr denkbar! „Mir hat bereits eine Reihe von Betrieben, Behörden und Einrichtungen mitgeteilt, dass sie aufgrund der Corona-Lage bis Ende Juli leider das Praktikum mit unseren Schülern nicht mehr fortsetzen können“, führt Schmidbauer weiter aus. Und dafür gibt es vollstes Verständnis.

Schmidbauer verweist etwa auf FOSler der Ausbildungsrichtungen Sozialwesen oder Gesundheit. Sie durchlaufen die fachpraktische Tätigkeit zum Beispiel in Altenheimen, Behinderteneinrichtungen oder Kliniken. Aber selbst im Bereich Wirtschaft/Verwaltung sind bereits Absagen gekommen, weil zum Beispiel in Behörden die Mitarbeiter überwiegend ins Home-Office geschickt wurden oder wegen der Kontaktbeschränkungen und Mindestabstände eine Fortsetzung praktisch nicht durchführbar ist. Das Gleiche gilt für die Techniker, die als Gruppe im Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer die fachpraktische Ausbildung ableisten. „Das Praktikum ist wohl zumindest für dieses Schuljahr faktisch tot“, so Schmidbauers Fazit. (csa)

Unterricht

  • Gruppen:

    Fast durchweg alle Abschlussklassen am Beruflichen Schulzentrum Cham sind in zwei Gruppen aufgeteilt. Alle Räumlichkeiten sowohl im Stammgebäude als auch im Neubau sind belegt.

  • Digital:

    Durch den digitalen Unterricht seien Schüler und Lehrer mit beschleunigten Schritten in das „digitale Zeitalter“ gestartet, sagt Schulleiterin Barbara Dietzko.

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