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CSU berät über Strategien für Gesundheit

Von Hebammen bis Hospiz: CSU diskutiert bekannte Versorgungsmängel im Landkreis Cham – und das Lösungsproblem.
Von Roman Hiendlmaier

Es wurde emsig diskutiert, in der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion. Und die Politiker waren sich dabei der Endlichkeit ihres Einflusses bewusst.Foto: rH
Es wurde emsig diskutiert, in der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion. Und die Politiker waren sich dabei der Endlichkeit ihres Einflusses bewusst.Foto: rH

Bad Kötzting.Als nach knapp zwei Stunden lokale und und Landespolitiker die Probleme diskutiert haben, die Praktiker wie der Arnschwanger Allgemeinarzt Dr. Andreas Korschofsky oder Peter Fleckenstein als Leiter der Gesundheitsregion aufgezeigt hatten, seufzte Klaus Holetschek: „Manchmal ist es leider so, dass wir bei Problemen nur appellieren können. Deren Lösung liegt in anderen Händen, etwa bei den beruflichen Selbstverwaltungen, bei Krankenkassen, oder Hochschulen.“ Auch Bernhard Seidenath sah nicht glücklich aus, als er zum Thema Fachkräftemangel sagte: „Viele unserer Probleme heute sind hausgemacht.“

Die neue Kluft zu den Zentren

Nun stammen diese am frühen Donnerstagabend in der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion in der ehemaligen Berufsschule geäußerten Erkenntnisse nicht von irgendwelchen Politikern. Bernhard Seidenath und Klaus Holetschek sind nicht nur die beiden Vorsitzenden des Arbeitskreises Gesundheit der CSU-Landtagsfraktion. Der Dachauer und der Memminger gehören zu den erfahrensten Gesundheitspolitikern im Freistaat. Holetschek beispielsweise ist Vorsitzender des Bayerischen Heilbäderverbandes und des Landesgesundheitsrates, der die Staatsregierung in allen Fragen des Gesundheitswesens berät. Mit weiteren Abgeordneten und Gesundheitsexperten machten sich die CSU-Gesundheitsprofis auf Zwei-Tages-Exkursion in den Landkreis Cham, wenngleich beiden die Probleme und Anliegen vor Ort bestens bekannt sind. So war Seidenath beispielsweise in die Entwicklung des kommunalen MVZ durch die Stadt Bad Kötzting involviert, weswegen dieses Thema mit Bürgermeister Markus Hofmann und seinem Unterstützer in der Sache, Landrat Franz Löffler auch eingehend erörtert wurde.

Von Vertretern der Stadt und der Orts-CSU wurden die CSU-Gesundheitsexperten in der ehemaligen Berufsschule empfangen. Foto: Barth / Stadt Bad Kötzting
Von Vertretern der Stadt und der Orts-CSU wurden die CSU-Gesundheitsexperten in der ehemaligen Berufsschule empfangen. Foto: Barth / Stadt Bad Kötzting

Löffler machte zudem deutlich, dass der ländliche Raum, nachdem er bei der allgemeinen Beschäftigung aufgeholt hat, nun nicht durch Mängel bei Fachkräften oder Infrastruktur wie Straßenausbau oder schnelles Internet von Zentren abgehängt werden dürfe.

Seidenath und Holetschek machten ihm aber deutlich, dass der Trend im Gesundheitswesen teilweise in die von Löffler kritisierte Richtung laufe. Bei der Ausbildung der Hebammen beispielsweise. Hier versucht der Landkreis Cham wie beim Thema Hospiz den Mangel mit allerlei Maßnahmen auszugleichen und eine Versorgung mittel- bis langfristig zu sichern. Landespolitiker Seidenath kennt das Problem fehlender Plätze in den Hebammenschulen, muss aber anerkennen, dass die Ausbildung der Geburtshelfer künftig akademisiert werden soll.

Dass Hochschulen sich in Städten befinden, ist so deutlich wie die Ankündigung, einen „Bachelor Hebammenkunde“ demnächst an OTH Regensburg anzusiedeln. „Nur, was nützt uns das?“, fragte Löffler.

Eine berechtigte Befürchtung, nachdem zuvor diskutiert wurde, was an den Hochschulen etwa in Sachen Medizinstudium Sache ist: 85 Prozent der Medizinstudenten in Bayern stammen nicht aus Bayern, bei einem Studentinnenanteil von 75 Prozent. Allgemeinmediziner Dr. Korschofsky wurde deutlich: „Die Lebensplanung der meisten künftigen Medizinerinnen ist es nicht, eine Praxis am Land zu übernehmen, bei der man notfalls 24/7 im Einsatz ist.“

Sehr schwere Lösungssuche

Bei dieser Studenten-Konstellation die Zahl der allerteuersten Studienplätze zu erhöhen, um den Ärztemangel am Land zu beheben, sei wenig sinnvoll, folgerte Bernhard Seidenath. Sogar bei der Medizinstudenten-Auswahl praxisnah Ausgebildete wie Krankenpfleger oder Rettungsassistenten zu fördern, sei „gefährlich“: „Diese Berufe brauchen ihre Ausgebildeten selber.“

MdL Gerhard Hopp bemängelte, dass „drohend“ als Kriterium zu selten bedacht werde, wenn es um politische Handeln gehe. Der Landrat wäre nach seinen Worten schon erfreut, wenn in seinem Einflussbereich der Zuschnitt der Ärzte-Bereiche geändert würde, die eine Ballung in den einwohnerreichen Städten Cham und Roding fördere. Die Nachfrage seiner Parteikollegen, wie die Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung gelaufen seien, beantwortete Löffler kurz: „Bisher waren wir nicht sehr erfolgreich.“

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