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Dammbruch bei Biberproblem wagen

Biber schützen, aber auch bekämpfen, will der Landkreis. Foto: dpa

„Die Population muss insgesamt reduziert werden.“ Eine begrenzte Jagdzeit wäre sinnvoll. Auf drängende Nachfrage macht Hans Zwicknagl von der Unteren Naturschutzbehörde deutlich, was für ihn eine Lösung der Biberproblematik wäre. Doch soweit ist man noch lange nicht. Derzeit bemüht sich der Landkreis Cham darum, wenigstens die Entscheidungen vor Ort fällen zu dürfen und nicht erst mit der Regierung abklären zu müssen, die die Fang- und Abschusserlaubnisse erteilt. Entschieden wird das Ganze derzeit im bayerischen Umweltministerium.

Dass Biber im Landkreis Cham deutliche Schäden hinterlassen, weiß Zwicknagl durch tägliche Beschwerden. Aktuell ist beispielsweise ein Fall am Chamb bei Neumühlen (Weiding). Gleich zweimal hintereinander ist Landwirt Alfons Gruber bei der Bewirtschaftung einer am Chamb gelegenen Wiese in Biberbaue eingebrochen. „Das ist gefährlich“, sagt Alfons Gruber sen. Jederzeit könne man einbrechen und mit Traktor und Hänger umkippen. Ein Biberbau sei auf der Wiese einfach nicht zu erkennen – und es gebe etliche davon.

Abhilfe gegen den Biber scheint es am Chamb nicht zu geben. Ein Wegfangen würde nicht helfen, weil das freigewordene Territorium sofort wieder besetzt würde. Und das Chambufer zwei Meter tief mit Baustahl gegen die Grablust der Biber zu sichern, sei auch nicht machbar, sagt Zwicknagl. Die Bauern selbst wollen nicht auf die Bewirtschaftung der Uferstreifen verzichten. „Wir können nur weiterfahren und hoffen, dass nichts passiert“, sagt Landwirt Gruber. Dass schon etwas passiert ist, weiß Zwicknagl. Bislang kamen zwar noch keine Menschen zu Schaden, aber Achsbrüche an Hängern und andere Schäden habe es bereits gegeben.

Auf 2000 (plus oder minsus 500) Biber schätzt Zwicknagl die Population im Landkreis. Die Biber hätten sich mittlerweile bis in die kleinsten Gewässer verbreitet. Sie seien auch dort zu finden, wo sie absolut nichts zu suchen hätten – beispielsweise im Ausfluss von Kläranlagen oder in Drainagegräben. Andere Biber durchlöchern Dämme von Weihern oder setzen Zuläufe von Mühlen aufs Trockene. In solche Fällen habe das Landratsamt auch durch die Regierung die Genehmigung erhalten, die Tiere abzuschießen oder einzufangen.

Um Abschuss und Fang bei Problemfällen zu erleichtern, bemüht sich der Landkreis darum, das Bibermanagement vor Ort zu regeln. Dazu Landrat Theo Zellner: „Entscheidungen müssen dort getroffen werden, wo der nötige Sachverstand und die nächste Nähe zur Sache vorhanden sind. Im Falle der Biberproblematik sind das die Landratsämter. Erst nach einem Gespräch mit Umweltminister Werner Schnappauf konnte ich erreichen, dass unter anderem dem Landkreis Cham als Pilotlandkreis die Zuständigkeit zum Abfang oder Abschuss von Bibern übertragen werden soll. Ich halte eine generelle Zuständigkeitsverlagerung auf die Landratsämter für den besseren Weg!“

Der Bund Naturschutz hält davon gar nichts. In einer Stellungnahme sagte der für Umweltpolitik zuständige Richard Mergner: „Es gibt keine Notwendigkeit, die einzig erfolgreiche Wildtiermanagement-Struktur zu zerschlagen!“

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