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Kleinkunst

Das Beste: Scheitern mit Mehrwert

Den Ostbayerischen Kabarettpreis 2016 heimste Martin Eschenbach als Angelo Sommerfeld ein. Das Publikum hatte zwei Favoriten.
Von Heidi Meier

  • Mit klaren Anweisungen ans Publikum hatte die Kunstfigur Angelo Sommerfeld großen Erfolg. Foto: Meier
  • Winfried Frey sinniert über den Bio-Wahn. Foto: Meier

Runding.Auf den „geilsten 20 Quadratmetern von Runding“, wie Helmut A. Binser die Bühne des Robinson gerne nennt, präsentierten sich am Samstag die vier Bewerber um den 8. Ostbayerischen Kabarettpreis. Wie in den vergangenen 22 Jahren, seit Walter Thanner die Vierauer Liederbühne betreibt, bewies er auch diesmal bei der Auswahl ein glückliches Händchen und konnte dem Publikum Spitzenunterhaltung liefern.

Behauptet man vom Waidler an sich, dass er nur schwer begeisterungsfähig ist, konnten sich die vier Preisanwärter an diesem Abend nicht beschweren. Das Publikum ging vom ersten Augenblick an voll mit.

Helmut A. Binser führte durch den Abend.
Helmut A. Binser führte durch den Abend. Foto: Meier

Für Moderator Helmut A. Binser war es sowieso ein Heimspiel, nicht nur weil er seine Kindheit in Runding verbrachte – ohne Fahrradhelm, wie er betont – aber auch, weil es Walter Thanner war, der ihm die Möglichkeit gegeben hatte, in diesem Genre Fuß zu fassen.

20 bis 25 Minuten hatten die auftretenden Künstler Zeit, Publikum und vor allem die Jury zu überzeugen. Letztere bestand aus Klaus Meier, Reinhardt Traurig und zum ersten Mal: Michael Wabrowetz.

Bekannt aus dem Fernsehen

Winfried Frey ist dem breiten Publikum aus zahlreichen Fernsehproduktionen bekannt. In seinem ersten Kabarettprogramm „Endlich Frey“ sinniert er über die „Grüne Pampe für die Wampe“, auch bekannt als Smoothie. Bio sei etwas für Junge, doch ab 45 sei man doch auf jegliches Konservierungsmittel angewiesen. Da würde er gerne mit seinem Hund tauschen, denn der bekomme das Fleisch und er nur die Beilagen. Der Besuch im Fitnessstudio, in dem er bis dato nur passives Mitglied war, gestaltet sich bereits beim Kauf eines Trainingsanzuges aufgrund der verschiedenen „Pants“ schwierig und endet am TRX-Band im Bondagedesaster.

Rolf Zollner – ein Name, der auch dem Binser gefiel.
Rolf Zollner – ein Name, der auch dem Binser gefiel. Foto: Meier

Den zweiten Auftritt anzukündigen, war für Binser eine große Freude, weil Rolf Zollner denselben Nachnamen hat wie Binsers früherer Arbeitgeber, der es ihm – sicherlich unbewusst – ermöglichte, sein erstes Programm während der Arbeit zu schreiben. So mancher Gast fragte sich zu anfangs „Was sucht denn der?“, als Rolf Zollner verzweifelt auf sein Smartphone starrend vor der Bühne durchs Publikum rannte.

Die Aufklärung kam prompt, als Zollner sein Weißbier gefunden hatte. Seine Hoiwe-App funktioniere wie das Pokemon-Spiel, nur dass es eben herrenlose Weißbiere aufstöbert. Er wetterte gegen die Political Correctness, nach der es bald nicht mehr Mutter und Vater, sondern Eltern eins und Eltern zwei heißen soll. Doch wer sei dann eins und wer zwei? Dies sei klar zu beantworten, weil es ja Muttersprache heißt, also der Vater zu Hause nichts zu sagen hat.

„Wenn ich mir was vormache, dann setz’ ich das auch um!“

Martin Maria Eschenbach

Bevor Binser das Publikum in die Pause entließ, erklärte er noch sein horizontales Wachsen mit einer harmlosen Lebensmittelschwangerschaft. Kaum hatte sich das Publikum wieder im Saal eingefunden, gab es leider ein „Problem“ mit den Mikros. Während der Moderator das Publikum unterhielt, machte sich der Chef selbst an die Reparatur, konnte jedoch nicht verhindern, dass Martin Maria Eschenbach alias Angelo Sommerfeld seinen actionreichen Auftritt mit Kabelmikro über die Bühne bringen musste. Als „Lonely Wolf“ hatte der sich bei der Anfahrt bereits in Perwolfing wie zu Hause gefühlt.

Ein Malheur oder Absicht?

Der Handy-Fan Wilfried Klima
Der Handy-Fan Wilfried Klima Foto: Meier

Der bühnenreife Stunt zu Beginn seiner One-Man-Show sorgte auch im Nachfeld für Diskussionen, ob das nun ein Malheur war oder so gewollt. Doch als selbst ernannter Volkscoach überlässt Sommerfeld nichts dem Zufall und stellte mit einer zum Schreien komischen Mischung aus Fränkisch und Englisch sein Erfolgsrezept „Sink Big – Scheitern mit Mehrwert“ vor. Erfolg sei jedoch nicht nur „Moni“, Erfolg sei auch das Erreichen von Zielen, wie etwa die Küche so aufzuräumen, dass es selbst seine Freundin merke. Sein Motto sei eben „Wenn ich mir was vormache, dann setz’ ich das auch um!“

Der Letzte im Bunde war Winfried Klima, bereits seit über 20 Jahren als Liedermacher, Musiker und Kinderhörspielautor in der Kleinkunstszene aktiv. Insgesamt 520 Apps für alle Lebenslagen füllen sein Smartphone. Er fordert Handynetze überall. Dann entstehe als Krone der Schöpfung der Homo Digitalis mit gekrümmter Halswirbelsäule und nach vorne abgewinkeltem rechten Arm. Die Schöpfungsgeschichte Genesis 2.0 werde neu geschrieben und Adam und Eva würden aus dem Paradies geworfen. Dann erst merkt Adam: „Eva, du bist ja ganz nackad, zuig da a Gwand o“. Und sie darauf: „Dann b’stell’ halt bei Zalando!“. Die Moral von der Geschicht’: „Beiß nicht in jeden Apple nicht!“

Ein Genesungsgruß

Während sich die Jury zur Entscheidung zurückzog, überredete Binser das Publikum zu einem Video, mit dem Philip Moll, dem Gewinner des Kabarettpreises 2013, ein Genesungsgruß geschickt wurde. Doch wer hat den Preis 2016 verdient? Diese Frage beschäftigte natürlich auch das Publikum. Die Gäste äußerten sich über alle Künstler durchwegs positiv, doch kristallisierten sich bald zwei Favoriten heraus. Am Schluss war es an Walter Thanner den Gewinner des Kabarettpreises 2016 zu verkünden. Er heißt: Angelo Sommerfeld.

Zur Person: Der Preisträger

  • Karriere:

    Der ausgebildete Schauspieler Martin Maria Eschenbach aus Würzburg steht erst seit November 2015 auf der Kabarettbühne und freute sich riesig über seinen allerersten Comedy-Preis. Nebenbei ist er am Theater tätig und auf YouTube mit der Comedy-Web-Serie „positive sinking“ präsent.

  • Kunstfigur:

    Als Preis gab es nicht nur den Titel, sondern auch einen Auftritt in der Talentschmiede Robinson. Wer mehr von der fränkischen Kunstfigur Sommerfeld lernen möchte, kann sich auf den 6. Mai freuen, wenn er seinen Lifestyle-Kurs „Sink Big – Scheitern mit Mehrwert“ auf der Liederbühne abhält. (cmi)

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