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Tierwelt

Das Chamer Storchennest im Super-Zoom

Jutta Vogl zeigt den Bürgern, wie der Familienalltag der Vögel am Straubinger Turm aussieht. Bruchlandungen gehören dazu.
Von Steffi Bauer

Die jüngsten Teilnehmer beim „Blick ins Storchennest“ waren vier Jahre jung. Foto: cba
Die jüngsten Teilnehmer beim „Blick ins Storchennest“ waren vier Jahre jung. Foto: cba

Cham.Vom Kindergartenkind bis zum Senior, der Chamer und der Urlauber, der Hobby-Ornithologe und der Laie, alle wollen einen Blick durch das Spektiv werfen und sich die drei Jungstörche und ihre beiden Eltern auf dem Straubinger Turm genauer ansehen. In diesem Jahr fand zum ersten Mal der „Blick ins Storchennest“, organisiert von der Tourist-Info Cham, statt.

Zwei Stunden lang konnten alle Interessierten mit der Storchenbeauftragten Jutta Vogl die Storcheneltern aus nächster Nähe bei der Aufzucht ihrer Jungen miterleben. Treffpunkt war eine schattige Stelle in der Nähe des Cordonhauses. Viele hatten sich den Termin für die Veranstaltung, die zwei Wochen vorher bekannt gegeben worden war, schon vorgemerkt, aber etliche stießen auch zufällig auf die Gruppe, die sich rund um das Stativ gruppiert hatte, und schlossen sich ihr an.

Nachwuchs im Mai geschlüpft

Gleich zu Beginn konnte man sehen – mit bloßem Auge, aber noch um einiges besser durch das Spektiv oder ein selbst mitgebrachtes Fernglas – wie einer der Altstörche zum Nest geflogen kam und den Nachwuchs mit Futter versorgte. Was ihre Nahrung betrifft, seien diese Tiere Opportunisten, informierte Jutta Vogl, was so viel bedeutet wie: „Sie nehmen alles mit“.

Ausrüstung: Die Storchenbeauftragte Jutta Vogl (re.) hatte ein professionelles Spektiv aufgebaut, um allen Interessierten einen Blick in den Horst mit den beiden Altvögeln und ihrem Nachwuchs zu ermöglichen. Einige hatten auch eigene Ferngläser mitgebracht.  Foto: cba
Ausrüstung: Die Storchenbeauftragte Jutta Vogl (re.) hatte ein professionelles Spektiv aufgebaut, um allen Interessierten einen Blick in den Horst mit den beiden Altvögeln und ihrem Nachwuchs zu ermöglichen. Einige hatten auch eigene Ferngläser mitgebracht. Foto: cba

Die Eltern würgen die Nahrung in den Horst, und die kleinen Störche, die um den 13. Mai geschlüpft sind, holen sich aus dem Angebot die passenden kleinen Stückchen heraus. Je größer sie werden, desto größer werden auch die Stückchen. Wenn die Störche gefressen haben, spucken sie den sogenannten „Speiballen“ mit unverdaubaren Nahrungsbestandteilen wieder aus. Die Teilnehmer löchern die Expertin mit Fragen, und sie hat auf jede Frage eine Antwort und kann so manche kuriose Geschichte rund ums Storchennest erzählen.

„Wenn sie dableiben, füttern wir sie nicht. Es sollen ja Wildstörche bleiben. Und losfliegen können sie auch später noch.“

Jutta Vogl, Horstbetreuerin

Seit 1984 ist Jutta Vogl eine „Horstbetreuerin“. Damals waren die Weißstörche noch sehr bedroht. Im Zuge des Artenhilfsprogramms bekam jeder Horst einen Betreuer, und mittlerweile hat der Storchenbestand sich erfreulicherweise wieder erholt. Welche Aufgaben ein Horstbetreuer denn habe, wollten die Teilnehmer wissen. „Wir helfen zum Beispiel den Jungvögeln, wenn sie abstürzen, beim Start“, informierte die Expertin.

Wenn die Störche vom Straubinger Turm fliegen lernen, landen sie zwar normalerweise erst auf dem Dach, rutschen aber manchmal ab und finden sich dann im Hof wieder. Ohne „Startbahn“ und ohne menschliche Hilfe kämen sie von selbst nicht wieder in die Luft. Verletzte Tiere bringt Jutta Vogl zum Tierarzt. Vor einigen Jahren brachte eine Flügelverletzung einem Jungstorch den Spitznamen „Bruchpilot“ ein. Als diese verheilt war, konnte er zwar wieder fliegen, ging aber weiterhin lieber zu Fuß. „Wenn er dann auf dem Weg von der Wasserwirtschaft zum Straubinger Turm die Straße überquerte, hat er schon mal ab und zu den Verkehr aufgehalten.“

Jungvögel fliegen in den Süden

Wahrzeichen: Seit Jahrhunderten brüten Störche auf dem Straubinger Turm. Mittlerweile sind sie zu einem der Wahrzeichen Chams geworden. Störche gelten als gelungenes Beispiel für den Naturschutz, außerdem als Glücks- und Kinderbringer, sie kommen in Märchen und Fabeln vor.  Foto: cba
Wahrzeichen: Seit Jahrhunderten brüten Störche auf dem Straubinger Turm. Mittlerweile sind sie zu einem der Wahrzeichen Chams geworden. Störche gelten als gelungenes Beispiel für den Naturschutz, außerdem als Glücks- und Kinderbringer, sie kommen in Märchen und Fabeln vor. Foto: cba

Zu den Aufgaben eines Horstbetreuers zählen auch Gestaltungsmaßnahmen. 2016 wurde der Storchenhorst komplett neu gemacht, die Störche selbst bauen jedes Jahr etwas dazu. Das wachsende Nest dient auch zum Schutz vor dem Böhmischen Wind, der durch Cham pfeift. Einigen Teilnehmern fallen die weißen Füße der Altstörche auf. An diesem heißen Freitagnachmittag haben diese sozusagen ihre „Klimaanlage“ eingeschaltet: „Die Störche bekoten ihre Füße, das bringt ihnen bei dieser Hitze ein bisschen Kühlung“, so Jutta Vogl über das raffinierte Kühlsystem.

Interesse: Zahlreiche Teilnehmer erfuhren viel Wissenswertes rund um die Weißstörche, und auch einige kuriose Geschichten. Für die ganz jungen Teilnehmer wurde das Stativ niedriger gestellt, damit diese ebenfalls einen genauen Blick auf die Tiere werfen konnten. Foto: cba
Interesse: Zahlreiche Teilnehmer erfuhren viel Wissenswertes rund um die Weißstörche, und auch einige kuriose Geschichten. Für die ganz jungen Teilnehmer wurde das Stativ niedriger gestellt, damit diese ebenfalls einen genauen Blick auf die Tiere werfen konnten. Foto: cba

Für die Jungvögel wird es bald auf große Reise gehen. Sie sind genetisch so programmiert, dass sie sich – meist im August – auf den Weg in den Süden machen. Das Ziel müsse übrigens nicht immer Afrika sein, manche würden sich schon vorher niederlassen, etwa in Spanien oder Portugal. Weil die Tiere beringt sind, lassen sich die Flugrouten ganz einfach über GPS nachverfolgen.

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Manche Altvögel machen sich ebenfalls auf die Reise, manche bleiben aber auch im Winter in Deutschland. „Wenn sie dableiben, füttern wir sie nicht“, informiert die Storchenbeauftragte. Dann nämlich würden sie ihr Zugverhalten völlig aufgeben. „Es sollen ja Wildstörche bleiben. Und losfliegen können sie auch später noch.“

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