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Bildung

Das Ende der Kreidezeit an Schulen?

An den Rodinger Schulen werden Digitalkonzepte erarbeitet. Trotz Skepsis biete die neue Technik Chancen für den Unterricht.
Von Bastian Schreiner

Touchscreen statt Tafel: Da die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert, müssen darauf auch die Schulen vorbereitet sein. Foto: Wagenmann/dpa

Roding.Das Ende der Kreidezeit sieht Schulleiter Alexander Peintinger trotz Digitalisierungs-Offensive noch nicht. „Wir werden die grünen Tafeln nicht aus den Klassenzimmern verbannen“, stellt Rodings Realschul-Direktor klar. Schließlich sollen die Schüler auch in ein paar Jahren noch Zirkel und Lineal in die Hand nehmen und Geraden in ein Koordinatensystem zeichnen. Da die Technisierung aber auch in den Schulen Einzug hält, erstellt die Realschule ein Medien-Curriculum.

„Die Schulleiter im Landkreis Cham haben sich kürzlich mit dem Landrat getroffen und eine Bestandsaufnahme gemacht“, sagt Peintinger. Sind ausreichend Internet-Anschlüsse vorhanden, welche Medien sind im Einsatz, wer braucht zusätzliche Geräte? Antworten auf diese Fragen soll ein Medienfahrplan liefern. Das Ziel der Konrad-Adenauer-Realschule sei es, die zehn Klassenzimmer im Neubau zu „digitalisieren“. Wie Peintinger wissen lässt, erhalten diese Räume große Bildschirme mit Touchscreen. Die anderen Zimmer seien sowieso schon mit Beamer, Computer und Dokumentenkamera ausgestattet.

Aus der Rodinger Realschule werden die Tafeln nicht verbannt. Foto: Pleul/dpa

„Die Halbwertszeit der neuen Medien liegt bei drei Jahren“, sagt Peintinger im Gespräch mit unserem Medienhaus. Um stets auf dem neusten Stand der Technik zu bleiben, ist es seiner Meinung nach sinnvoll, die Räume nur schrittweise neu auszustatten. „Man muss dieser Entwicklung auch Zeit geben“, so Peintinger. Zeit sollte man auch den Lehrkräften gewährend. Wichtig sei nämlich nicht nur, dass die Ausstattung passt, sondern dass Fortbildungen angeboten werden. Ein paar ältere Kollegen seien etwas skeptisch, doch gerade die jüngere Generation von Lehrern setze auf neue Medien. „Die Referendare, die im September an unsere Seminarschule kommen, werden in digitalen Klassenzimmern unterrichten. Die Referendare müssen schließlich nach zwei Jahren fit darin sein“, meint er und grinst. Dass die Schüler mit neuer Technik besser umgehen können als ihre Lehrer, daraus macht er keinen Hehl.

Große Tablets mit Touch

Günter Kaniber, Leiter der Grund- und Mittelschule Roding, sieht die Digitalisierung als Chance. Nur ganz wenige Lehrkräfte würden sich neuen Medien und Lernformen verschließen. Er selbst sei sehr interessiert und begrüße einen sinnvollen Einsatz. Die neuen Räume der Bildungseinrichtung seien mit sogenannten Active-Panels ausgestattet. „Das sind große i-Pads, die mit Touch funktionieren“, erklärt Kaniber.

In den restlichen Klassenzimmer seien seit längerem Computer, Beamer und Dokumentenkamera installiert. In die Karten gespielt habe Rodings Grund- und Mittelschule auch, dass man schon immer drei große Informatikräume mit 28 bis 30 Plätzen und PCs hatte. „Dadurch hat jeder Schüler seinen eigenen Arbeitsplatz“, sagt er.

Die Digitalisierung sei Teil der Gesellschaft und gehöre also auch in die Schule. „Das Lernen wird dadurch aber nicht ersetzt“, betont Kaniber. Vielmehr seien digitale Medien eine Unterstützung. Dieser Ansicht stimmt Peintinger zu: „Die Digitalisierung greift mehr und mehr um sich. Stift und Papier werden aber nicht ganz verschwinden. Neue Formen sind eine Ergänzung für den Unterricht.“

Hausaufgaben per Mail

Ein Beispiel: Peintinger kann sich durchaus vorstellen, dass Lehrer die Hausaufgaben künftig digital verschicken, die Schüler sie erledigen und zurücksenden und dann Feedback erhalten. Der Einsatz von Lernvideos oder modernen Präsentationsprogramme sei bereits Standard. Auch in der Grundschule Mitterdorf hält die Digitalisierung Einzug. „Wir sind noch ganz am Anfang mit der Planung, aber auf einem guten Weg“, teilt Rektorin Christine Schreiner mit. Derzeit werde ein Konzept erstellt.

Studie

  • Gesellschaft:

    Die digitale Welt verändert das Lernen wie kaum eine gesellschaftliche Entwicklung zuvor. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung aus 2017 hätten viele Schulen das erkannt, aber noch nicht in ihrem Schulalltag umgesetzt.

  • Technologie:

    Lehrer und Schulleiter begrüßen zwar grundsätzlich die neuen Technologien – für ihren pädagogisch sinnvollen Einsatz fehle es jedoch noch immer an Konzepten, Weiterbildung und Infrastruktur.

Dass das Handyverbot an Schulen ein Widerspruch zur Digitalisierung sei, sind sich Kaniber und Peintinger einig. „Einerseits will man Schulen mit Wlan ausstatten, andererseits Handys einsammeln. Wenn es sich im Unterricht anbietet, dürfen Schüler ihr Handy benutzen“, sagt Peintinger und denkt an Internet-Recherchen. Gleichzeitig müsse man auch auf Gefahren – wie Internet-Sucht oder Datenschutz – hinweisen. Ein Fach „Medienkunde“, wie es voraussichtlich im Mittelschulbereich in den Lehrplan integriert werden soll, würde helfen, so Kaniber. Auch wenn man nicht gleich programmieren lernen muss, sollte jeder Schüler digital fit sein. Denn das erwartet auch die Arbeitswelt.

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