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Mythen

Das „Feuerweibl“ spukt zur Christmetten

Eisstockschießen oder Kartenspielen in der Christnacht? Das kann böse enden, erklärt Mythensammlerin Christl Fischer.
Von Christl Fischer

Die Feuerweibl gehen nach altem Glauben in der Christnacht um. Foto: Matthias Bein/dpa
Die Feuerweibl gehen nach altem Glauben in der Christnacht um. Foto: Matthias Bein/dpa

Ränkam.Mit ihrer Buchreihe „Sagenhaftes Bayern“ hat die Ränkamer Autorin Christl Fischer zahlreiche Fans gewonnen. Ihre Geschichten drehen sich um die düstere Welt der bayerischen Sagen von Druden, Belzebuben bis zu Nebelgeistern. Zwielichte Gestalten gibt es nach dem alten Brauchtum gerade auch zur Weihnachtszeit. Welche das genau sind, erklärt uns Christl Fischer.

Früher war die Christnacht ein strenger Fasttag, man durfte kein Fleisch, keine Wurst und keine Süßigkeiten essen, höchstens eine Wassersuppe. Erst nach der Mitternachtsmette durfte so richtig gegessen werden. Das viel den Erwachsenen sehr schwer, aber noch schwerer fiel es den Kindern.

Das goldene Heißerl

Die Enthaltsamkeit machte man den Kinder mit dem goldenen Heißerl schmackhaft. Man erzählte ihnen, wenn sie nicht naschen würden, würden sie in der Christnacht das goldene Heißerl sehen. Da gab es sogar einen Spruch, den jedes Kind auswendig konnte:

„Auf einen goldenen Schimmel reitet das Christkind vom Himmel, hat lauter gute Sachen, dass die Leut nur noch so lachen.“

Kurz vor Mitternacht, wenn die Glocken zur Mette läuteten, schob man in das Herdfeuer einen Mettenstock. Dies war ein stattlicher Wurzelstock der bis zu zwei Tage lang brannte. Er gab dem Haus nicht nur Wärme, sondern sollte den Hausbewohnern auch Segen über Hof, Felder und Haus bringen. Er hielt, so glaubte man, Unheil von den Hausbesitzern fern.

Das Ritual mit der Totennuss

Mit ihrer Buchreihe „Sagenhaftes Bayern“ hat die Autorin Christl Fischer aus Ränkam viele Fans gewonnen. Foto: Evi Paleczek
Mit ihrer Buchreihe „Sagenhaftes Bayern“ hat die Autorin Christl Fischer aus Ränkam viele Fans gewonnen. Foto: Evi Paleczek

Ein weiteres Ritual fand man in der Totennuss, wenn alle in der Stube unter dem Christbaum zusammen saßen, aß man gerne Walnüsse, wenn aber am Weihnachtsabend die Walnuss innen schwarz war, so bedeutete dies, dass im kommenden Jahr jemand aus der Familie sterben würde. Aber die Leute waren klug, und schälten die Nüsse schon einen Tag vorher. So konnte ihnen kein Unglück geschehen.

Am Heilig Abend, musste ein jeder Hausbewohner in die Mette gehen, bis auf einen, der musste das Haus hüten, und darauf achten, dass das Feuer im Herd nicht ausgehen würde. Legte sich aber ein Hausbewohner aus Langeweile ins Bett, da jene Person nicht die Kirche besuchen wollte, so bekam sie es mit der Mettenweiz zu tun. Die Mettenweiz war ein Totengeist, der nur in der Heiligen Nacht umging, und Ausschau hielt, auf faule und nicht arbeitsame Menschen.

Das Feuerweibl

Menschen rennen am 03.12.2017 in Salzburg (Österreich) als die Schreckgestalten «Krampus» und «Percht» verkleidet durch die Straßen. Krampus und Perchten sind Gestalten aus einem bayrisch-österreichischen Brauchtum, die in der Weihnachtszeit durch die Straßen ziehen. Foto: Pps/ZUMA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |
Menschen rennen am 03.12.2017 in Salzburg (Österreich) als die Schreckgestalten «Krampus» und «Percht» verkleidet durch die Straßen. Krampus und Perchten sind Gestalten aus einem bayrisch-österreichischen Brauchtum, die in der Weihnachtszeit durch die Straßen ziehen. Foto: Pps/ZUMA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |

Nach altem Volksglauben ging auch in der Christnacht das Feuerweibl um. Diese Gestalt lauerte allen Mettengängern auf, die absichtlich zu langsam sich auf den Weg zur Kirche machte. Das Feuerweibl verfolgte alle trödelnden Kirchgängern mit einem Feuerschein auf, um sie dann in die Irre zu führen, was früher, da alle zu Fuß unterwegs waren, und meistens eine weite Strecke zurück legen mussten, den sicheren Tod bedeutet hätte.

In der Christnacht ruhen sich sogar die Hexen auf ihren Hexenschamerl aus. Sie bleiben aber nur kurz in der Kirche, da ihnen der Kirchgang verwehrt ist. Jedoch sieht sie keiner, denn sie können sich unsichtbar machen.

Sagenhaftes Bayern

  • Quelle:

    Der Text ist ein Auszug aus dem Buch „Sagenhaftes Bayern, Band 1: Mystische Geschichten über Druden, Belzebuben und Nebelgeister“. Es ist das Debütwerk der Autorin Christl Fischer aus Ränkam, das im Jahr 2017 erschienen ist und sich mit alten Bräuchen und schaurigen Gestalten aus dem bayerischen Brauchtum beschäftigt.

  • Fortsetzung:

    In diesem Jahr veröffentlichte Christl Fischer ihr zweites Buch mit dem Titel „Sagenhaftes Bayern: Band 2: Wahre gruselige Geschichten über verdammte Seelen, weiße Frauen und Hexen“. Im kommenden Jahr plant Fischer die Veröffentlichung eines Märchenbuchs ebenfalls. „Auch schlummern in meinem PC noch mehr Geschichten für weitere Sagenbände“, sagt Fischer.

Trick gegen Hexen

Es gab aber einen Trick jene Unholdinnen zu sehen, man benötigte hierfür einen Fußschemel der in einer Rauhnacht während des Gebetsläuten, oder in der Andreasnacht, also der 30. November gefertigt wurde. Aber pünktlich um Mitternacht musste dieser Schemel fertig sein. Man benötigt hierzu neunerlei Nadelholzsorten: „Fichte, Tanne, Föhre, Lärche, Eibe, Zeder, Kranawitt, Latsche und Zirbe.“

Brauchtum

Mystische Weihnacht mit Christl Fischer

Zur Mettennacht treiben viele Dämonen und Geister ihr Unwesen. Die Ränkamer Autorin erklärt die bayerischen Sagen.

Daraus musste man nun die neun Teile des Schemels erstellen: Die vier Füße, die vier Seitenbretter und das Deckbrett. Am Heiligabend dann, begab man sich in die Kirche, zuvor streute man sich aber etwas geweihte Graberde auf den Kopf, um für die Hexen unsichtbar zu sein. Dann wartete man die Wandlung ab und kniete sich auf den Schemel und sah nach rückwärts. Nun konnte man die Hexen erkennen.

Eisstock macht sich selbstständig

Wehe dem, der in der Christnacht Karten gespielt oder Eisstockschießen betrieben hatte, bei demjenigen saß nämlich immer der Teufel am Tisch, er versuchte den Spielern einzureden, ihre Seelen dem Teufel zu vermachen. Man konnte sich nur durch innige Stoßgebete retten, so dass der Teufel mit Schwefelgestank und schwarzem Rauch wieder in die Hölle zurück fuhr.

„Wer es wagte, in der Heiligen Nacht auf die Jagd zu gehen, der bekam wirklich sehr viel Wild vor das Gewehr, jedoch war das kein normales Wild, sondern Dämonen die in Gestalt von Tieren waren.“

Christl Fischer, Autorin

Eisstockschützen, die in der Heiligen Nacht ihrem Hobby nach gingen, wussten von einem Eisstock zu berichten, der nicht zu ihrer Gruppe gehörte. Jener Eisstock brachte das ganze Spiel durch einander. Fing dann die Spielschar zu beten an oder sich zu bekreuzigen, sauste der Teufelseisstock blitzartig davon und verschwand in der Erde.

Die Jagd in der Heilgen Nacht

Wer es wagte, in der Heiligen Nacht auf die Jagd zu gehen, der bekam wirklich sehr viel Wild vor das Gewehr, jedoch war das kein normales Wild, sondern Dämonen die in Gestalt von Tieren waren. Erlegte man diese Tiere und man glaubte sie seien Tod, der täuschte sich, sie wurden wieder lebendig und um das vielfache größer.

Lesestoff

Das neue Werk von Ränkams Gruselautorin

Mit ihrem Buch„Sagenhaftes Bayern“ traf Christl Fischer den Nerv vieler Leser. Jetzt legt die Autorin mystischen Stoff nach.

Bemerkte dann der Jäger, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging, verließ er so schnell wie möglich den Wald, die dämonischen Tiere verfolgten den Jäger bis nach hause. Außer Atem und mit den Nerven am Ende, erholten sich die meisten nicht mehr und starben kurze Zeit später.

Wenn es jemand wagte in der Christnacht zu Tanzen, der ließ sich unbewusst mit dem Teufel ein. Er kam noch in der selbigen Nacht, um sich die Seele zu holen. Denn in jener Nacht sollte man unserem Erlöser gedenken und ihn gebührend in der Kirche begrüßen.“

Der Text ist eine Auszug aus dem Buch „Sagenhaftes Bayern: Band 1: Mystische Geschichten über Druden, Belzebuben“ von Christl Fischer

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