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SPD

Das Fischseminar

Tiefgründige Fischrede des „Ichthyologen“ Siegfried Ehrnböck
Johann Gruber

Pointiert, aber nicht verletzend nahm Siegfried Ehrnböck (stehend) „die schwarzen, grünen und farblosen Fische im Further Riff“ aufs Korn.  Foto: Johann Gruber
Pointiert, aber nicht verletzend nahm Siegfried Ehrnböck (stehend) „die schwarzen, grünen und farblosen Fische im Further Riff“ aufs Korn. Foto: Johann Gruber

Furth im Wald.Zum Fischessen mit Fischrede versammelten sich die Further Sozialdemokraten am Aschermittwoch im Gasthof Steinbruchsee. Vorsitzende Jennifer Dietl begrüßte auch Ehrenvorsitzenden Hans-Jürgen Bernhardt und die Stadträte Silke Schell und Siegfried Ehrnböck.

„Was muss beim politischen Aschermittwoch im Mittelpunkt stehen?“, fragte Dietl. Ihre Antwort: Das neue Jahrzehnt mit seinen gewaltigen Aufgaben, „die so viel und herausfordernd sind, dass einem schwindelig werden kann“: Klimaschutz, der Ökologie und Ökonomie berücksichtigt, menschenfreundliche Digitalisierung, internationale Konflikte, die zu befrieden seien, Steuergerechtigkeit auf nationaler und internationaler Ebene.

Zutiefst erschüttert sei sie in den vergangenen Wochen gewesen, welcher Hass in manchen Menschen schlummere und in welch grauenvolle Verbrechen er mündete. „Wehret den Anfängen. Darüber sind wir längst hinaus. Umso mehr müssen wir tun. Gemeinsam mit allen demokratisch gesinnten Bürgern. Wir werden es nicht zulassen, dass Menschen Angst haben, sich in ihren Kommunen für die Gemeinschaft zu engagieren“, so Dietl.

Die SPD sei die Partei, die sich für die vielen im Land starkmache. Dazu gehörten Grundrente und Anspruch auf Qualifizierung und Weiterbildung, Bürgergeld, Kinderzuschlag, Mindestlohn, Tarifbindung, Pflege und bezahlbare Wohnungen.

Fisch und Kommunalpolitik

Als „politischer Ichthyologe“ (Fischkundler) wolle er in seinem heutigen Fischseminar die Zusammenhänge und Parallelen der Spezies der Fische und der Kommunalpolitik, insbesondere zu Wahlkampfzeiten, ergründen, so Siegfried Ehrnböck. „Der Riemenfisch lebt normalerweise in tausend Metern Tiefe, und lange hat man gar nicht gewusst, dass es den großen, schlangenförmigen pelagischen Knochenfisch gibt.“ Wie der Riemenfisch grundelten manche politische Gruppierungen jahrelang unbeachtet in den dunklen Tiefen der Kommunalpolitik. Erst wenn wieder ein Seebeben in Form der Kommunalwahlen komme, sorgten sie für Medienrummel.

Zum Beispiel die Freien Wähler, bei denen kurz vor ihrer Nominierungsversammlung der aktuellste Eintrag auf ihrer Internetseite aus dem Jahr 2014 datierte. Das Gleiche gelte für alle schwarzen Gruppierungen von CSU bis Sengenbühl. Jetzt seien alle hyperaktiv. Es wusele nur so in den sozialen Medien. Die Further SPD sei immer im Internet präsent gewesen und habe als Erste ihre Wahlziele auf der Homepage veröffentlicht. Aus diesem Fundus hätten sich die Freien und die Ränkamer denn auch bedient. Ehrnböck: „So schlecht können unsere Ideen also nicht gewesen sein.“

Eine wahre Fundgrube für den Fischkundler sei das Korallenriff. Hier tummelten sich Fische in allen Farben. Farbenreichtum nicht nur aus Gründen der Eitelkeit, sondern auch, um andere Fische zu täuschen. Farbe als Mittel der Tarnung habe nicht nur im Reich der Fische große Verbreitung. Es gebe Arten, die gäben sich in ihrer Jugend „plakatbunt“. Später verlören sie ihre Farbigkeit und tauchen im schwarzen Schwarm der älteren Artgenossen unter. Es gebe keine Junge Liste mehr, die bei der letzten Wahl als „parteifreier Zusammenschluss junger Further Erwachsener“ gestartet war. Die Leitfische von damals seien heute bekennende Schwarze. Andere hätten sich den Freien angeschlossen, „dem Schwarm der farblosen Fische“.

„Nur die roten Fische behalten ihre Farbe, wie wir heute sehen, bis ins hohe Alter“, so der Redner. Grün sei nicht nur in der Fischwelt Trendfarbe geworden. Er sei sicher, dass es auch im Further Stadtrat demnächst neben dem roten noch einen grünen Farbtupfer geben werde.

Ein Korallenriff besteht aus einem Hauptriff und kleineren Nebenriffen. Ihre Bewohner bezeichne man als Umlandfische. Sie wählen sich Leitfische. Meist seien es Schwarzbarsche, die vehement ihr Revier verteidigten. Die Umlandfische leben in der ständigen Angst, dass ihr Revier zu kurz kommen könnte.

Die Umlandlisten

Zu Zielen und Beweggründen der Umlandlisten lese man nur: „Damit Xxx stark im Stadtrat vertreten ist!“ „Xxx“ könne ersetzt werden durch Ränkam, Lixenried, Sengenbühl, Schafberg, Daberg, Dieberg und Grabitz, das laut CWG-Kandidat Martin Schneider auch zum Umland gehöre. „Das hat mich auf die Idee gebracht, zur nächsten Wahl eine Liste CFWES (Christlich Freie Wählergemeinschaft Eschlkamer Siedlung) zu gründen. Ich empfehle Gleiches den Bewohnern des Äpflets, der Wutzmühle, der ehemaligen Froschau oder des Stadtplatzes mit umgebenden Gassen“, so Ehrnböck.

Der Chef der farblosen Fische attackiere den Zackenbarsch heftig und werfe ihm Untätigkeit, Führungsschwäche und Versäumnisse vor. Völlig unerwartet sei neben den beiden ein weiterer Angreifer aufgetaucht. Er sei nicht sonderlich groß, könne sich aber zu eindrucksvoller Größe aufplustern wie ein Kugelfisch. Dieser sei ein Baumeister. Viele Fische im Riff mögen ihn deshalb, zumindest die, denen er eine Wohnhöhle baute.

Die Fischbestände schrumpften weltweit. „Auch in unserem Riff findet man immer weniger Fische, die sich für ihren Lebensraum engagieren wollen“, bedauerte der SPD-Stadtrat. Die meisten Bewohner wollten lieber das beschauliche Leben im Riff genießen, „a bisserl herumschwimmen, a wengerl dumm daherblubbern und die Leitfische nachdrücklich zu mehr Einsatz odreim, wenn amol wos ned passt in ihrem Riffbereich. Ansonsten gelte die Devise „Ned g’schimpft is g’lobt gnou“. Ungeachtet des Ringens um die nicht im Überfluss vorhandenen Listenbewerber, betonte Ehrnböck, habe er großen Respekt vor allen Kandidaten, die auf den Listen stehen; oft auch mit mehr oder weniger sanftem Druck überzeugt und dazu bewegt. Mit „schau mer mol, wos desmol bei der Wahl außakimmt. Sicher a de oane oder andere Überraschung. Aber des is ja a des Schejne und Spannende daran“, schloss der Fischredner sein kleines Fischseminar. (fer)

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