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Das geschieht mit dem digitalen Nachlass

Seine Passwörter nimmt ein Mensch oft mit ins Grab – und die Erben haben keinen Zugriff darauf. Tipps für den Ernstfall.
Von Elke Nicole Kestler

Moderne Strukturen treffen im Todesfall auf mehr als 100 Jahre alte Regelungen zur Erbfolge. Hierbei kann es schnell zu einer Kollision mit dem Datenschutzrecht kommen. Foto: dpa
Moderne Strukturen treffen im Todesfall auf mehr als 100 Jahre alte Regelungen zur Erbfolge. Hierbei kann es schnell zu einer Kollision mit dem Datenschutzrecht kommen. Foto: dpa

Cham.In unserer heutigen Zeit ist ein Leben ohne Technik und virtuelle Daten nicht mehr vorstellbar. Moderne Strukturen treffen im Todesfall auf mehr als 100 Jahre alte Regelungen zur Erbfolge. Hierbei kann es schnell zu einer Kollision mit dem Datenschutzrecht kommen. Dieses sogenannte digitale Erbe, auch digitaler Nachlass genannt, umfasst dabei sämtliche virtuelle Daten und Onlinezugänge einer Person.

Dabei entstehen zahlreiche Probleme und Streifragen. Das deutsche Erbrecht ist vom Grundsatz der Universalsukzession geprägt. Das Vermögen des Erblassers geht demnach von Gesetzes wegen in seiner Gesamtheit mit dem Erbfall auf den oder die Erben über. Das gilt unproblematisch für materielle und immaterielle Vermögensgegenstände. Umstritten ist jedoch, ob der Erbe auch von Gesetzes wegen Einsicht in digitalisiertes Datenmaterial des Erblassers erhält.

Eine Passwort-Liste hilft

Facebook hat eine eigene Option eingerichtet, in der ein digitaler Erbe eingesetzt werden kann, wie unsere Expertin Elke Nicole Kestler erläutert.
Facebook hat eine eigene Option eingerichtet, in der ein digitaler Erbe eingesetzt werden kann, wie unsere Expertin Elke Nicole Kestler erläutert.

Selbst wenn man das annimmt, steht der Erbe vor dem Problem, dass der Zugriff zu Internetportalen und E-Mail-Accounts nur mit Hilfe entsprechender Zugangsdaten möglich ist. Seine Passwörter nimmt der Erblasser jedoch häufig mit ins Grab, so dass die Erben in tatsächlicher Hinsicht keine Zugriffsmöglichkeit haben. Es empfiehlt sich daher, etwa durch eine Passwort-Liste, dem Erben Zugang zu diesen Daten zu verschaffen.

Den Zugriff auf digitale Daten kann sich der Erbe auch nicht gerichtlich erstreiten. Denn die Rechtsprechung erachtet insoweit das Persönlichkeitsrecht der Kommunikationspartner des Erblassers für schützenswerter als das Interesse des Erben.

Unsere Expertin

  • Elke Nicole Kestler

    Unsere Autorin Elke Nicole Kestler ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Erbrecht in Waldmünchen.

  • Kontakt Kanzlei für Erbrecht Kestler, Obere Bräuhausstraße 1, 93449 Waldmünchen, Telefonnummer (0 99 72) 30 03 69 0, Faxnummer (0 99 72) 30 03 69 50 0, E-Mail-Adresse buero@anwalt-kestler.de , Internet www.anwalt-kestler.de

  • Telefonische Erreichbarkeit

    Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 sowie von 13 bis 16 Uhr

Facebook hat deswegen unter der Rubrik „Einstellungen“ eine eigene Option eingerichtet, in der ein digitaler Erbe eingesetzt werden kann, allerdings muss dieser selbst bei Facebook angemeldet sein.

An die Vorsorgevollmacht denken

Sowohl im privaten wie auch im unternehmerischen Bereich ist es folglich unerlässlich, Regelungen für das „digitale Eigentum“ nicht nur im Testament, sondern bereits in der Vorsorgevollmacht zu treffen. Denn die Problematik, dass ein selbst gewählter Bevollmächtigter keinen Zugriff auf die digitalen Daten erlangen kann, tritt bereits mit Ende der eigenen Selbstbestimmung auf.

Im betrieblichen Bereich kommt dem digitalen Nachlass eine noch weitreichendere Bedeutung zu. Fällt der Unternehmensinhaber aus oder nimmt er betriebsinterne Daten mit ins Grab, ist dies für das Unternehmen existenzbedrohend. Wichtige Daten über Geschäftspartner, Projekte und generell den gesamten Geschäftsablauf können nicht mehr eingesehen werden. Termine können nicht eingehalten werden, Aufträge verloren gehen oder werden gar nicht erst erteilt – die Insolvenz droht.

Alle Serienteile finden Sie hier

Fazit: Obwohl dem „digitalen Nachlass“ praktisch eine erhebliche Bedeutung zukommt, haben die wenigsten Regelungen getroffen. In Vorsorgevollmacht und Testament können Anordnungen hierzu ohne Schwierigkeiten aufgenommen werden. Derjenige, der die benötigten Zugangsdaten hat, kann dann faktisch auf den digitalen Nachlass des Erblassers zugreifen. Sind hierzu rechtliche Regelungen getroffen, darf er das auch und muss insoweit keine Ansprüche gegen sich fürchten.

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