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Brauchtum

Das Gruseln wird immer beliebter

3000 Besucher sind eine überragende Bestätigung für die Macher der elften Engelshütter Rauhnacht. Schauergestalten und Feuershow begeistern Zuschauer.
Von Maria Frisch

  • Ein wilder Rauhnachtsgeist
  • Ameno Signum zeigte eine Feuerschau.
  • Eine der wilden Gestalten der Rauhnacht bei Engelshütt.Fotos: Maria Frisch
  • Die Wolfsausläuter waren diesmal sehr zahlreich
  • Die Artisten spieen Feuerbälle in den Nachthimmel.
  • Ein Dämon aus dem Schwarzachtal

Lam.„Seit alters kennen die Menschen der hiesigen Breiten eine Zeit, die nicht von dieser Welt ist. In den Tagen und Nächten zwischen Weihnachten und dem 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, erlebten sie sich herausgehoben aus allem Alltäglichen, hineingesunken in eine Phase der Stille und des Rückzugs in die Stuben, während es draußen stürmte, fror und spukte“, versetzte Moderator Stephan Jarosch die weit über 3000 Besucher bei der 11. Engelshütter Rauhnacht gedanklich in vergangene Zeiten.

Die Wilde Jagd scheuchte verlorene Seelen über die Lande und durch die Dörfer, allerlei Geister trieben ihr Unwesen. Also blieb man lieber am warmen Ofen sitzen, ruhte sich von den Mühen des letzten Jahres aus und lauschte den Märchen und teilweise ordentlich gruseligen Geschichten, die die Alten zu erzählen wussten. Sie werden scheinbar auch heute noch gut angenommen. Wie sonst wäre der Besucherrekord von weit über 3000 am Freitagabend zu erklären. Der Erfolg gibt der Freiwilligen Feuerwehr Engelshütt und der Tourist-Info als gemeinsamen Veranstalter recht.

Bürgermeister ist begeistert

Bürgermeister Klaus Bergbauer zollte der FFW Engelshütt mitsamt dem Verkehrsamt Respekt und Anerkennung für diese Unterhaltung „zwischen den Jahren“, die bei Einheimischen und Feriengästen gleichermaßen hoch im Kurs steht. Der Dorfanger in Engelshütt sei als Schauplatz dafür geradezu ideal. Dankesworte galten allen, die sich die Kluften der Unwesen überzogen und jenen, die sie mit Begeisterung und Kreativität geformt und gestaltet hatten. Allen voran nannte Bergbauer den Gastwirt von der Sölln, Matthias Seidl und seinen Sohn Matthias. Die Bewirtung der Zuschauer schulterte das bewährte Team der Engelshütter FFW.

Erlös ist für die Feuerwehr

„Der Erlös dieser Aktion wird wie schon in den letzten Jahren für die Ergänzung der Ausstattung der Wehr verwendet“, informierte das Gemeindeoberhaupt. „De „Zwölften“ san a raue Zeit, wo Heiliges und s’Heidnisch mitananda streit“, eröffnete Neumoderator Stephan Jarosch das Spektakel in der Hexenarena mit einem Gedicht. „Is gscheida, i werd Reißaus nehma, mechat ned unter Geister einikema“, überließ der versierte Ansager dem Treiben den Schauplatz.

Im Zentrum loderte das Feuer, aus dem von Zeit zu Zeit Stichflammen in die Höhe schlugen. Ohrenbetäubender Lärm der Böllerschützen war ein untrügliches Zeichen, dass den Dämonen und bösen Geistern Freiraum geboten war. Gespenstischer Sound und Lichteffekte unterstrichen die mystische Stimmung.

Gestalten mit Teufelshörnern, Glutaugen, furchteinflößenden Fratzen und groben Tierfellen bahnten sich nach und nach ihren Weg zum Feuer, liefen mit Drohgebärden auf die Zuschauerreihen zu, wo sich die Menge Blickduelle mit den feindlichen Wintergeistern lieferte.

Viele Oberrieder Wolfsläuter

Sicherlich jedes Wildtier in die Flucht geschlagen hätte die rekordverdächtige Anzahl Oberrieder Wolfausläuter, die sich für ihren Auftritt überdimensionale Glocken um die Schultern geschnallt hatten, und damit den Lärmpegel nahe an die Schmerzgrenze trieben. Der uralte Brauch stamme von den Hirten, die bis November das Vieh der Bauern beaufsichtigt haben. „Zum Schutz der anvertrauten Tiere vor Wölfen und Bären läuteten sie die Glocken und schnalzten mit der Goaßl“, informierte Jarosch. Bei der Viehrückgabe verliehen sie damit auch ihren Forderungen auf Entlohnung Nachdruck. Mit der Glockengröße habe man sich gegenseitig überboten.

Die Pflanzenberger Hexen aus Waldkirchen mischten mit ihren wilden Tanzgebärden zum dritten Mal den Engelshütter Dorfanger auf. Die Hölle tat sich abermals mit den Osserhexen und Engelshütter Teifin auf, die allerdings nicht in die Arena stürmten, sondern durch das Publikum streiften.

Ein Trommelwirbel von Fellträgern war das Zeichen für den Aufmarsch der Altreichenauer Rauhnachtler, die eine Trud vor sich hertrieben, die es einzufangen galt. Natürlich wehrte sich diese mit Leibeskräften gegen die Absicht ihrer abscheulichen Artgenossen, die schließlich einen Freudentanz aufführten, als sie sich der Bösewichtin mit vereinten Kräften entledigt hatten.

Die Feuerweiber ließen zwei Teenager im Sarg verschwinden und gaben sie erst nach einer Weile wieder frei.

Die Uhren schienen stehen geblieben zu sein in diesen rauhen Nächten. Es galten andere Regeln als im übrigen Jahr. „Jenseits des Verstandes existiert eine Welt. Öffnet die Schatzkammer Eurer Fantasie“, forderte die traditionelle Perchtengruppe aus Neunburg vorm Wald, genannt Schwarzachtal Pass, auf, denen ganz bestimmt keiner nachts begegnen möchte.

Rauhnächte sehr erfolgreich

„Die Rauhnächte sind mittlerweile eine Erfolgsgeschichte geworden“, verabschiedete Stephan Jarosch zwischendurch Adi Zelzer, der über zehn Jahre die Moderatorenrolle inne hatte. FFW-Vorsitzender Thomas Geiger überreichte als Dankeschön begleitet von Salutschüssen ein Glaspräsent. Der Umbau der Arena für die Gruppe Ameno Signum brachte eine kurze Zwangspause. Mit ihrer Feuershow hatten die Veranstalter wahre Profis angeheuert, die die Zuschauer ins Mittelalter zurückversetzten. Den Schlusspunkt setzte das Finale mit einem Aufmarsch des gesamten Kruselkabinetts. Stephan Jarosch übermittelte einen kollektiven Dank an die mustergültige Ausrichtung durch die FFW Engelshütt, die für die eindrucksvolle Szenerie verantwortlichen Gruppen, die Tourist-Info Lam für die Bewerbung sowie allen weiteren Helfern, die zum Gelingen beitrugen. Die Freiluftveranstaltung ging nahtlos in eine Rauhnachtsparty mit „open-end“ über.

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