mz_logo

Region Cham
Freitag, 25. Mai 2018 23° 8

Archäologie

Das Heilbrünnl und seine Steine

Im Gemäuer der heutigen Kirche bei Roding sind Steine und Ziegel der 1668 errichteten ersten Kapelle verarbeitet worden.
Von Jakob Moro

Der Archäologe Dr. Magnus Wintergerst hat vermutet, dass es sich bei dem gefundenen Stein um die Umfassungsmauern des ersten Brunnens am Heilbrünnl handeln könnte. Foto: rjm

Roding.Die Suche nach der ersten Heilbrünnl-Kapelle, deren Bauweise und dem verwendeten Baumaterial gestaltet sich nach so langer Zeit schwierig. Die erste Heilbrünnl-Kapelle war vermutlich 6,5 Meter lang und 5,5 Meter breit und wurde später erweitert, ehe die heutige Wallfahrtskirche 1730 entstand. Dieses Jahr wird das Jubiläum „350 Jahre Heilbrünnl“ gefeiert, daher interessieren sich nicht nur Heimatforscher für das „erste Heilbrünnl“. Auch viele Marienverehrer wollen wissen, wie denn die erste Kapelle beim „Hochbrünnl“ ausgesehen haben mag – und wo sie hingekommen ist.

Sie wurde offensichtlich nach dem Bau der heutigen Kirche abgerissen. Die Steine und Ziegel wurden in der 1730 errichteten heutigen Wallfahrtskirche verbaut. Der Außenputz des heutigen „Gotteshauses“ war bei der Außensanierung vor gut drei Jahren in einer Höhe von etwa zwei bis drei Metern abgeschlagen worden. Zum Vorschein kamen das Mauerwerk und sozusagen auch die Baugeschichte.

Granitblöcke und Sandsteine

Es wurden unterschiedliche Bau-Materialen freigelegt: Feldsteine, gebrannte Ziegel, Granitblöcke, Schiefer, Sandsteine wurden verwendet fürs heutige Heilbrünnl, ganz einfach dies, was am Heilbrünnl bereits vom 1. Heilbrünnl herumgelegen oder, was in der Nähe zu finden gewesen war. Dies also wurde in der 1730 errichteten Kirche verwendet.

Beim Mauerbau sind verschiedene Materialien verwendet worden. Foto: rjm

Auf der westlichen Seite des Gotteshauses kam ein fachgerecht gemauerter Rundbogen aus Ziegel zum Vorschein. Dieser könnte von der ersten Heilbrünnl-Kapelle aus dem Jahre 1668 stammen. Er könnte aber auch ein Entlastungsbogen für das darüber liegende Mauerwerk sein. Ein etwa ein auf zwei Meter große Stein wurde bei den Fundament-Sanierungen an der Ostseite der Wallfahrtskirche, beim östlichen Seiteneingang, entdeckt. Es könnte sich dabei um einen Teil eines Fundamentes der 1. Heilbrünnl-Kapelle handeln, könnte aber auch ein Teil des ersten Brunnens gewesen sein. Es gibt also viele Fragen und Rätsel ...

Der Archäologe Dr. Magnus Wintergerst aus Bamberg war längere Zeit vor Ort, untersuchte rund ums Heilbrünnl das Gemäuer, auch beim Turm, sowie die Begebenheiten und berichtete in einem 30-seitigen Gutachten mit vielen Fotos und Skizzen darüber. Der mittlerweile verstorbene Heimatforscher Kurt Hornauer war schon Wochen vorher am Heilbrünnl gewesen. Er hatte die „Bauarbeiten“ besichtigt, als der Putz abgeschlagen war und ein neuer Putz noch nicht die geheimnisvollen Steine wieder zudeckte. Er witterte Geheimnisvolles, nach einem alten Brauch, der häufig an Kirchen zu finden ist, auch beim Heilbrünnl. Er fand trotz vieler durch Abschlagen des alten Verputzes beschädigter Steine noch interessante Steine, vor allem Sandsteine, die Rillen, Schabnäpfchen, Einschürfungen, möglicherweise auch Wetzrillen und „Kratzer“ aufwiesen.

Lesen Sie hier: Dem altem Heilbrünnl auf der Spur – 2018 wird die Kirche 350 Jahre: Die erste Kapelle war geostet, während das heutige Brünnl in einer unüblichen Richtung steht.

Versetzen „wir uns“ an dieser Stellen einmal in die damalige Zeit zurück: Arme Verhältnisse herrschten. Die Bevölkerung war arm, viele Krankheiten plagten die Leute, viele Bettler waren unterwegs. Aber, was die Leute damals im Gegensatz zu heute hatten, war ein tiefer Glaube. Sie „schworen“ auf die Heilkraft der Natur und des Bodens. Steinsand, Steinmehl, Steinpulver diente der Heilung von vielerlei Krankheiten. Das Pulver, der Sand und das Steinmehl wurden aus dem Steinen durch Wetztätigkeiten gewonnen und eingesammelt. Es galt als Heilmittel, Arznei und Medizin für Mensch und Vieh. Steinmehl wurde unter das Futter des Viehs gemischt. Steinmehl wurde zur Behandlung von Steinleiden und Koliken eingesetzt. Der Aberglaube damals: „Ähnliches soll durch Ähnliches helfen.“

2018 sind es 350 Jahre, dass die Heilbrünnlkirche steht.Foto: rjm

Nach der Logik dieser Zeit war „geweihtes“ Steinmehl wirksamer als aus „normalen Steinen“ gewonnenes. Steinmehl von Kirchenmauern wurde große Heilkraft zugeschrieben. Steinpulver, Steinsand und Steinstaub galt als Heilmittel, Arznei und Medizin gegen viele Krankheiten. Immerhin enthält Steinpulver unter anderem Kalk, Magnesium, Phosphor, Natrium und Kali, außerdem die Spurenelemente Bor, Kupfer, Zink, Molybdän, Eisen, Kobald und Mangan, die für die Heilung von Krankheiten wichtig sind.

Die „baufälligen Füße“ erwähnt

Bestätigung fand Heimatforscher Kurt Hornauer durch die Notizen seines Freundes, Heimatforscher und Geschichtsschreiber Karl Schwarzfischer, der in seinem Buch „Geschichte der Stadt Roding und ihres Pfarrgebietes“ folgendes aus dem Jahre 1665 aufgeschrieben hatte: „Am 28. Mai hat sich Andreas Huber von Gschwandt, aus dem Landgericht Mitterfels, wegen seiner ,baufälligen Füße‘ zum Heilbrunnen verlobt. Er hat gleich Besserung empfunden. Er hat schließlich einen Stein aus dem Heilbrunnen mit nach Hause genommen, weil damals ein Kind in dem bemeldeten Dorf die ,Freis‘ gehabt hat. Nachdem er von diesem Stein Pulver geschabt und es dem Kind eingegeben hat, hat es von Stund an die Krankheit verlassen und ist die Krankheit Gottlob nicht mehr gekommen.“ Diese Aussage bezeugte Huber vor dem Rodinger Pfarrer M. Bartholomäus Zinzl Pfarrer allhier am 6. November 1665. Heilungen beim Heilbrünnl mussten die Geheilten im Beisein des Pfarrers, des Bürgermeisters Georg Haas und des Marktschreibers Mittermayer unter Eid bekräftigen.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham lesen Sie hier

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht