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Region Cham
Sonntag, 23. September 2018 23° 8

Verkehr

Das Herz der Polizei für Chamer Biker

Die Polizei zeigte am Sonntag mit drei Kontrollstellen im Landkreis starke Präsenz und redete Motorradfahrern ins Gewissen.
Von Johannes Schiedermeier

Manchen Biker plagte angesichts der Kelle zunächst die Frage: „Hab ich was falsch gemacht?“ Doch diesmal wollte die Polizei nur reden. Foto: Schiedermeier
Manchen Biker plagte angesichts der Kelle zunächst die Frage: „Hab ich was falsch gemacht?“ Doch diesmal wollte die Polizei nur reden. Foto: Schiedermeier

Cham. „Bei mir passt alles!“ Da hat der Biker auf seiner dicken Honda einen großen Satz gelassen ausgesprochen – und er behielt recht: Führerschein, Fahrzeugschein, Schutzkleidung – alles da. Und die Maschine top in Schuss. Das war zwar am Sonntag nicht immer so, aber oft. Und doch erwies sich die Präventions-Kontrolle des Polizeipräsidiums Regensburg als notwendig und die Einschätzung des Landkreises Cham als Unfallschwerpunkt für Biker als richtig.

Bereits am 10.50 Uhr ereignete sich ein schwerer Motorradunfall auf der alten B 16. Der erste Fahrer einer Gruppe flog mit seiner schweren Yamaha aus einer leichten Rechtskurve in ein angrenzendes Gebüsch und wurde schwer verletzt. Unfallursache laut Polizei: zu hohe Geschwindigkeit. Am Nachmittag wurde auf der Bundesstraße bei Chamerau ein Harleyfahrer von einem überholenden Auto erfasst und leicht verletzt.

Die erste Kontrolle

In Cham stand zu dieser Zeit Polizeihauptkommissar Georg Bayerl mit mehreren Beamten der Inspektionen Cham und Roding am Lkw-Parkplatz bei Höfen. Verstärkt wurde seine Kontrollgruppe durch junge Beamte der Bereitschaftspolizei Sulzbach-Rosenberg, die an diesem Tag ihren ersten Kontrolljob machten. „Das ist gut so“, sagte Polizeihauptkommissar Christian Pongratz, der die drei Kontrollstellen im Landkreis koordinierte. Schließlich sei die Ansprache von Bikern durch junge Kollegen glaubwürdiger.“ Allerdings zeigte sich schnell, dass die Kontrollstelle an der B 20 vor allem die ältere Biker-Generation mit gut gepflegten, schweren Maschinen passierte.

Das Training:  Das Gespräch mit den Motorradfahrern suchten junge, auszubildende Polizisten der Bereitschaftspolizei Sulzbach-Rosenberg, unterstützt von ihren Zugführern und erfahrenen Beamten der Inspektionen Furth, Bad Kötzting, Waldmünchen, Roding und Cham. Foto: Schiedermeier
Das Training: Das Gespräch mit den Motorradfahrern suchten junge, auszubildende Polizisten der Bereitschaftspolizei Sulzbach-Rosenberg, unterstützt von ihren Zugführern und erfahrenen Beamten der Inspektionen Furth, Bad Kötzting, Waldmünchen, Roding und Cham. Foto: Schiedermeier

Die Aktion erfüllte ihren Zweck aber auch so. Die jungen Beamten diskutierten gut vorbereitet mit dem älteren BMW-Fahrer über seine Turnschuhe und gaben einem Yamaha-Fahrer im schwarzen Lederkombi den Tipp, vielleicht über eine Warnweste nachzudenken. Die Botschaft kam nicht bei jedem an. So mancher fand Warnwesten uncool. Ein Umstand, den Georg Bayerl mit einem Schulterzucken quittierte: „Für seine Gesundheit ist jeder selber verantwortlich.“ Ansonsten werden Diskussionen an diesem Tag auffallend gelassen ausgetragen.

Skurrile Anbauten: Immer wieder gab es auch technischen Schnickschnack zu sehen, dessen Erlaubnis erst einmal zu hinterfragen war. Zum Beispiel dieser Rückspiegel unterhalb des Lenkers. Wie man sieht, hat er sogar funktioniert, obwohl das Bild für manchen beunruhigend war. Foto: Schiedermeier
Skurrile Anbauten: Immer wieder gab es auch technischen Schnickschnack zu sehen, dessen Erlaubnis erst einmal zu hinterfragen war. Zum Beispiel dieser Rückspiegel unterhalb des Lenkers. Wie man sieht, hat er sogar funktioniert, obwohl das Bild für manchen beunruhigend war. Foto: Schiedermeier

Ein Fahrer hat an seine Maschine Zusatzscheinwerfer montiert, die auffällig blau funzeln. Außerdem hat er den Fahrzeugschein nicht dabei, was 15 Euro kostet und an diesem Tag öfter vorkommt. Für die blauen Scheinwerfer muss er innerhalb von zehn Tagen eine Betriebserlaubnis vorweisen, oder sie abmontieren.

Melissa, 9, Vorbild

Kleines großes Vorbild: Melissa ist neun Jahre, kommt aus Parkstetten und zeigte mit ihrem Papa auf dem Weg nach Tschechien, wie es geht: eine komplette Kombi, Helm und Handschuhe – genauso wie der Papa. Dafür gab es ein dickes Lob von der Polizei. Foto: Schiedermeier
Kleines großes Vorbild: Melissa ist neun Jahre, kommt aus Parkstetten und zeigte mit ihrem Papa auf dem Weg nach Tschechien, wie es geht: eine komplette Kombi, Helm und Handschuhe – genauso wie der Papa. Dafür gab es ein dickes Lob von der Polizei. Foto: Schiedermeier

Einen coolen Auftritt hat Melissa. Sie ist erst neun Jahre und schon Vorbild: komplette Kombi, Handschuhe, Helm. Das alles hat Papa auch, dazu ist die Maschine top in Schuss. Da steht der Fahrt nach Tschechien, einem dicken Lob der Polizei und der Mahnung zur Vorsicht nichts mehr im Wege.

Die Frage einer Polizistin an einen älteren Herrn auf einer dicken BMW, ob sie ihm ein Herz geben dürfe, entlockte diesem ein breites Lächeln. Er bekam ein beschriftetes Pappherz des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Darauf wurden ihm angemessenes Tempo, ein Fahrsicherheitstraining, Signalfarben für die Kleidung und ein Motorrad ans Herz gelegt, das für andere nicht nervig ist. Die Nervensägen mit lautem Auspuff nahmen an diesem Tag eine andere Strecke. Allerdings gab es ein paar höhere Drehzahlen zu beklagen – allerdings immer nur beim Wegfahren.

Immer wieder gibt es Einzelfälle wie den Biker auf der 1200er BMW, der Turnschuhe trägt. Bei einem Unfall sind da blitzartig die Fußsohlen an jedem Bremsvorgang beteiligt. Auch Jeans sind immer noch in Mode, obwohl jeder Unfall-Chirurg sich den Mund fusselig redet über die eitrigen wochenlangen Folgen der eingebrannten Fasern nach einem Sturz.

Drei Kontrollstellen: Bei Cham, Lam und Zell hatte die Polizei am Sonntag stark bemannte Kontrollstellen eingerichtet und unterhielt sich mit den Motorradfahrern zum Saisonauftakt über Sicherheitsaspekte. Offensichtliche Delikte wurden allerdings geahndet. Foto: Schiedermeier
Drei Kontrollstellen: Bei Cham, Lam und Zell hatte die Polizei am Sonntag stark bemannte Kontrollstellen eingerichtet und unterhielt sich mit den Motorradfahrern zum Saisonauftakt über Sicherheitsaspekte. Offensichtliche Delikte wurden allerdings geahndet. Foto: Schiedermeier

Die jungen Beamten haben für mehr Sicherheit auf den Straßen zunächst geredet. In den nächsten Wochen wird an den Kontrollstellen ernst gemacht. Dann wird geblitzt und scharf kontrolliert. „Wenn’s ein Leben rettet ...“, sagt PHK Pongratz.

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