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Landwirtschaft

Das Heu in Ställen wird knapp

Hitzesommer bringt Pferdebesitzer im Landkreis Cham in Nöte. Die Heupreise steigen. Doch Pferde sind an das Futter gewöhnt
Von Maximiliane Gross

Pferdebesitzer kämpfen momentan mit Heuknappheit. Heu zuzukaufen ist wegen der hohen Nachfrage und des geringen Angebots teuer. Foto: Hummer
Pferdebesitzer kämpfen momentan mit Heuknappheit. Heu zuzukaufen ist wegen der hohen Nachfrage und des geringen Angebots teuer. Foto: Hummer

Die Trockenheit im vergangenen Sommer hat den Landwirten schwer zu schaffen gemacht. Die Ernten sind zum Teil vollständig ausgefallen. Auch Stallbesitzer spüren inzwischen die Folgen des Hitzesommers. Das Heu in Pferdeställen wird knapp. Die Besitzer müssen Heu und Stroh zu höheren Preisen zukaufen.

Betroffen ist unter anderem die Reitanlage von Steffi Hummer in Schönthal. Die Pferdewirtschaftsmeisterin musste mittlerweile die Boxenpreise der untergestellten Pferde erhöhen. Die Heupreise könne sie aber nicht komplett auf die Besitzer umlegen. Ihr Heu bezieht Hummer inzwischen von unterschiedlichen Verkäufern. „Manches kommt aus Deutschland, manches aus dem Ausland. Woher genau, weiß ich momentan gar nicht“, sagt Hummer im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Bis zu 100 Euro mehr pro Ballen

Das älteste Pony auf dem Pony- und Reiterhof Blumlohe ist 30 Jahre alt. Foto: Groß
Das älteste Pony auf dem Pony- und Reiterhof Blumlohe ist 30 Jahre alt. Foto: Groß

Der Reit- und Fahrverein in Furth im Wald leidet ebenfalls unter der Heuknappheit. Sein eigentlicher Lieferant konnte nicht mehr genügend Heu anliefern, sodass der Verein zukaufen musste. „Normalerweise zahlen wir 30 Euro für einen Ballen mit einem Durchmesser von 1,30 Meter. Jetzt hatten wir Angebote für 130 Euro pro Ballen“, sagt Marion Buschek, Vorsitzende des Vereins. Angenommen haben die Further dieses Angebot nicht. Für circa 80 Euro pro 1,30-Meter-Ballen haben sie jedoch Futter aus Deutschland zugekauft. Der Verein hat bewusst auf Heu aus Polen verzichtet. Der Grund: Der Transport ist sehr teuer. „Momentan ist die Not in der Hinsicht noch nicht groß genug“, sagt Buschek. Nach aktuellem Stand würde das Heu beim Reit- und Fahrverein Furth bis April reichen. Die Vorsitzende hofft nur, dass es in diesem Jahr keinen Hitzesommer wie 2018 gibt. Denn das wäre für ihren Stall katastrophal.

„Momentan ist die Not in der Hinsicht noch nicht groß genug.“

Marion Buschek

Hummer und Buschek leiden unter der Heuknappheit. Anders sieht es bei der Reitanlage Hofbauer in Cham aus. Weil die Besitzer eigenes Heu haben und heuer weniger Pferde im Stall stehen, kommen sie mit ihrem Heu gut über die Runden. Es bliebe zwar nicht so viel übrig, wie sonst, aber es reiche, um die Pferde zu versorgen.

Selbsterzeuger haben Vorteil

Das Glück, eigenes Heu zu haben, hat auch Familie Bauer aus Waldmünchen. Das Ehepaar hat 16 Pferde auf dem eigenen Reiterhof. Trotz Trockenheit im vergangenen Sommer mussten sie bislang kein Heu zukaufen. „Wir füttern aber zum Teil die Reserven, die wir 2017 über hatten“, sagt Heribert Bauer. Eine weitere Hitzeperiode könnten die Bauers nicht mehr ausgleichen. Dann müssten sie, wenn auch ungern, Futter zukaufen. Im Vergleich zu den Vorjahren haben die Bauers 2018 auch den zweiten Schnitt als Futter genutzt – allerdings zum Mischen mit dem ersten.

„Bei gekauftem Heu weiß man nicht, was man kriegt.“

Herbert Bauer, Besitzer Pony- und Reiterhofs Blumlohe

Die Stallbesitzer haben die Futtermenge der Tiere bislang nicht reduziert. Emmi Bauer sagt jedoch, dass bei ihnen das Überfüttern vermieden werde. Damit meint sie, dass Pferde, die aktuell wenig Bewegung haben und nicht geritten werden, im Moment nicht so viel Kalorien brauchen. Ein Pferd frisst täglich rund zehn Kilo Heu. Der Magen-Darm-Trakt der Pferde habe sich in der Vergangenheit so entwickelt, dass er sogenannte Rohfasern wie Heu am besten verarbeiten können. Das sagt Stefan von Bieberstein, Inhaber der gleichnamigen Chamer Pferdeklinik .

Futter verändern kann böse enden

Warmblüter werden zum Beispiel beim Pfingstritt in Bad Kötzting eingesetzt. Foto: Groß
Warmblüter werden zum Beispiel beim Pfingstritt in Bad Kötzting eingesetzt. Foto: Groß

Weil sich die Tiere an diese Nahrung gewöhnt haben, ist es nicht möglich, ihre Ernährung wegen der Heuknappheit umzustellen. Die Pferde würden dann unter Koliken und Stoffwechselerkrankungen leiden. Wenn die Tiere Normalmengen an Stroh fressen, beispielsweise das, das als Einstreu in der Box ist, ist es nicht gefährlich. Fressen sie aber zu viel Stroh, können die Tiere unter Verdauungsproblemen leiden, die bis hin zu Koliken führen.

Die Heuknappheit macht auch Milchviehhaltern zu schaffen. Das sagt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Wegen Dürre und Hagel im vergangenen Sommer musste der Further Landwirt Martin Schneider Futter für seine Milchkühe zukaufen. Für 100 Kilogramm Heu und Stroh zahlte der Landwirt statt der üblichen zehn bis 15 Euro diesmal 20 bis 25 Euro.

BAyern

Landwirte auf der Durststrecke

Über den Feldern brennt die Luft. Bauern müssen zuschauen, wie ihre Ernte wegschnurrt. Sie hoffen auf staatliche Hilfe.

Hobbylandwirt Georg Schmid aus Ried bei Pemfling bewirtschaftet sieben Hektar Land – mit Liebe und Zeit, wie er selbst sagt. Seine Futterwiesen mäht er deshalb nur zweimal im Jahr. Diese Wiesen würden eine größere Artenvielfalt bieten und besseres Heu liefern. Dieses benötigt Schmid für seine Pferde. Was dann noch übrig bleibt, verkauft er – zum Normalpreis. An den hohen Summen will er sich nicht beteiligen.

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