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Region Cham
Samstag, 24. Februar 2018 3

Städtebau

Das macht der Kreis Cham gegen Hürden

Beim Thema Barrierefreiheit ist es vielerorts schwierig, uralte Versäumnisse aufzuholen. Das zeigte ein Runder Tisch.
Von Andreas May

In manchen Kommunen tut sich schon einiges in Sachen Barrierefreiheit, in anderen herrscht noch großer Nachholbedarf. Foto: Daniel Maurer/dpa

Cham.Landrat Franz Löffler hat beim 6. Runden Tisch für Menschen mit Behinderung im Chamer Kolpinghaus auf die besondere Bedeutung der Umsetzung von Inklusion hingewiesen. „Überall werden wir an den Ergebnissen gemessen, es handelt sich um ein Thema, zu dem die gesamte Gesellschaft Antworten geben muss“, sagte das Landkreis-Oberhaupt. Eine zentrale Frage sei der Bildungsaspekt, und damit verbunden eine Antwort auf das Problem der Integration von behinderten Menschen in adäquate Arbeit.

Für Städte und Kommunen sei es eine wichtige Aufgabe, dem Wunsch der Betroffenen nachzukommen, sich im öffentlichen Raum besser zurechtzufinden, erklärte Landrat Franz Löffler. Wohnraumberatung stehe daher weit oben auf der Prioritätenliste. Foto: May

Für Städte und Kommunen sei es eine wichtige Aufgabe, dem Wunsch der Betroffenen nachzukommen, sich im öffentlichen Raum besser zurechtzufinden. Wohnraumberatung stehe daher im Landkreis weit oben auf der Prioritätenliste. Auch finanziell leiste der Landkreis bestmögliche Hilfe. Das neue Bundesteilhabegesetz sei positiv zu bewerten. Es besagt, dass die personenzentrierte Hilfe mehr in den Mittelpunkt rückt und auf den Bedarf des Einzelnen abzielt. Dies sei ein wichtiger Schritt. Der Mensch habe nun bessere Möglichkeiten, seine Arbeit in Wert zu setzen. Auch auf den Bezirk sei das neue Gesetz gut anwendbar – mit dem Ziel, Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Wera Müller, Beauftragte für Menschen mit Behinderung, hatte die Anwesenden zum 6. Runden Tisch begrüßt. Allgemein habe sich in Bezug auf das Thema einiges im Landkreis getan, wenngleich noch Luft nach oben sei, sagte sie.

Bürgermeister Ludwig Reger schilderte, welche Anstrengungen in Rötz unternommen werden. Die Umbaumaßnahmen am Marktplatz hätten ebenso wie die Baustelle „Ortsdurchfahrt“ stets die Barrierefreiheit berücksichtigt. Foto: May

Bürgermeister Ludwig Reger schilderte mit dem stadtbaulichen Berater Christian Schönberger, welche Anstrengungen in Rötz unternommen wurden. Die Umbauten am Marktplatz hätten ebenso wie die Baustelle „Ortsdurchfahrt“ stets die Barrierefreiheit berücksichtigt. Das Projekt „Marktplatz der Generationen“ sei viel beachtet gewesen, Menschen mit Behinderung hätten durch Bordsteinabsenkungen oder gezielte Farbwechsel nun verbesserte Bedingungen.

Es geht einiges voran

Auch in Bad Kötzting geht in Sachen Barrierefreiheit einiges voran. Trotz „schwieriger topographischer Bedingungen“, wie sich Christian Kopf vom Bauamt und Architekt Johannes Haslsteiner ausdrückten, habe man mit Maßnahmen begonnen. Generell stehe man in Kötzting noch ganz am Anfang. Grundsätzlich sei es schwierig, die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte in kurzer Zeit aufzuholen. Das erst kürzlich erlassene Maßnahmenpaket zeige aber das Umdenken in der Stadt und den Willen, behinderten Menschen das Leben einfacher zu machen. Ein Arbeitskreis wurde ins Leben gerufen, so dass eine regelmäßige Auseinandersetzung mit der Thematik gewährleistet sei.

Bosl warb um Geduld

Dr. Richard Bosl vom Straßenbauamt erläuterte, dass Barrierefreiheit heute bei der Straßenplanung eine wichtige Rolle spielt. Es sei normal, dass hier Interessen aufeinanderprallten. Nur gegenseitiges Verständnis führe zu produktiven Ergebnissen. Foto: May

Große Beachtung fanden auch Maßnahmen zur Barrierefreiheit in Michelsneukirchen. Richard Bosl, Abteilungsleiter Straßenbau für den Kreis Cham am Straßenbauamt Regensburg, schilderte die Fortschritte vor Ort, warb aber auch um Geduld. Dass diese nicht immer einfach aufrechtzuerhalten ist, zeigten die lebhafte Beteiligung und die Wortmeldungen im Kolpinghaus. Teilweise herrschte Unverständnis über Versäumnisse, aber auch über die lange Dauer einzelner Verbesserungen. Bosl wies auf die Notwendigkeit von Kompromissen hin. Es sei normal, dass hier Interessen aufeinanderprallten. Nur gegenseitiges Verständnis führe zu produktiven Ergebnissen.

Klaus-Dieter Bäcker, Vertreter der Interessenverbände für Menschen mit Behinderung, hielt in seinem Redebeitrag fest, dass alle in der Gesellschaft endlich begreifen müssten, dass es nicht nur gesunde Menschen auf der Welt gebe. Foto: May

Neben dem Michelsneukirchener Vorhaben zeigte Bosl Bilder von anderen Projekten aus dem Landkreis. Ihnen zugrunde liegt das Projekt „Bayern barrierefrei bis 2023“. Demnach spielt Barrierefreiheit heute bei der Straßenplanung eine wichtige Rolle. Weitere Beispiele aus dem Landkreis sind angepasste Fußgängerüberwege in Waldmünchen, die neue Ortsdurchfahrt von Schorndorf oder die Fußgängerampel in Walderbach. Michelsneukirchens Bürgermeister Gerhard Blab schilderte, wie sehr ihm das Thema am Herzen liegt. In seiner Gemeinde seien die Bemühungen in der jüngeren Vergangenheit stark forciert worden. Klaus-Dieter Bäcker, Vertreter der Interessenverbände für Menschen mit Behinderung, hielt fest, dass alle in der Gesellschaft endlich begreifen müssten, dass es nicht nur gesunde Menschen auf der Welt gebe. Zugleich verwies er auf Fragen, die auf eine Antwort warteten. Etwa: „Wieso werden die Belange behinderter Menschen generell so wenig berücksichtigt?“

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