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Abschied

Das Pfarrer-Herz sehnt sich nach Franken

Ernst Schwemmer verlässt Waldmünchen. Der letzte Pfarrer soll er nicht sein, obwohl das Pfarrhaus unbewohnbar ist.
Von Petra Schoplocher

„Jetzt heißt es Abschied nehmen“, leitete Dekan Walter Kotschenreuther die Entpflichtung von Ernst Schwemmer als Pfarrer von Waldmünchen ein. „Du warst da für die Menschen“, bescheinigte Kotschenreuther seinem fränkischen Kollegen, dessen Zuverlässigkeit er zudem herausstellte.  Foto: Schoplocher
„Jetzt heißt es Abschied nehmen“, leitete Dekan Walter Kotschenreuther die Entpflichtung von Ernst Schwemmer als Pfarrer von Waldmünchen ein. „Du warst da für die Menschen“, bescheinigte Kotschenreuther seinem fränkischen Kollegen, dessen Zuverlässigkeit er zudem herausstellte. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Wenn Pfarrer Ernst Schwemmer nach elf Jahren in Waldmünchen die Umzugsfahrt nach Nürnberg antritt, darf er eine ganze Menge Wertschätzung und Lob mitnehmen. „Seine“ evangelische Kirchengemeinde Waldmünchen und viele Gäste jedenfalls bereiteten dem 61-Jährigen am Sonntag einen warmherzigen Abschied.

Das wohl größte Kompliment machte ihm Dekan Walter Kotschenreuther: „Du warst für die Menschen da“, attestierte er dem Nürnberger, den es zurück in seine Heimat zieht – da warten Vater Siegfried, ebenso Pfarrer, und Tochter Constanze. Am 1. November tritt Schwemmer die Pfarrstelle in St. Paul/Rangierbahnhof an.

Nah an (kranken) Menschen

Die Menschen – Das waren nicht nur die Protestanten, die zur Kirchengemeinde Waldmünchen-Rötz gehören, sondern auch all jene, die in Krankenhäusern und Therapiezentren einen Seelsorger brauchten. Dies sei eine herausfordernde Aufgabe gewesen, gab Kotschenreuther zu bedenken. Eine, die Treue, Offenheit und Gewissenhaftigkeit verlange. Im internen Umgang habe der 61-Jährige Vieles kritisch begleitet. „Er war der Erste, der geschrien hat, aber auch der Erste, der geliefert hat“, plauderte der Chamer Dekan aus dem Nähkästchen.

„Der christliche Glaube ist Lebenspraxis, keine Weltanschauung“, betonte Ernst Schwemmer in seiner Abschiedspredigt. Christus sei „die Brücke, die uns zu Gott führt“. Allein acht Pfarrer waren unter den Gottesdienstbesuchern. Foto: ps
„Der christliche Glaube ist Lebenspraxis, keine Weltanschauung“, betonte Ernst Schwemmer in seiner Abschiedspredigt. Christus sei „die Brücke, die uns zu Gott führt“. Allein acht Pfarrer waren unter den Gottesdienstbesuchern. Foto: ps

Der Gottesdienst, dem der Männerchor besonders mit den Liedern aus der Waldlermesse Glanz verlieh, bildete aber nicht nur den Rahmen für Reden und Geschenkübergaben, sondern auch den formellen Akt der Entpflichtung. Dies bedeute aber nicht, dass Waldmünchen seinen letzten Pfarrer verloren habe, trat Walter Kotschenreuther entsprechenden Gerüchten gleich offensiv entgegen. „Sie sind nicht pfarrer-los, Sie sind nur diesen Pfarrer los“, meinte er humorvoll.

Lächelnd zog Ernst Schwemmer aus der Friedenskirche aus. Zuvor hatte die Gemeinde als letztes Lied „Vertraut den neuen Wegen“ gesungen. Das war Programm, denn genau dieses Vertrauen wünschten dem 61-Jährigen alle. Foto: ps
Lächelnd zog Ernst Schwemmer aus der Friedenskirche aus. Zuvor hatte die Gemeinde als letztes Lied „Vertraut den neuen Wegen“ gesungen. Das war Programm, denn genau dieses Vertrauen wünschten dem 61-Jährigen alle. Foto: ps

Bis der neue Landesstellenplan im kommenden Jahr von der Landessynode beschlossen wird, werde es keine konkreten Aussagen geben (können). Es sei zwar richtig, dass das Dekanat Einschnitte hinnehmen werde müsse, er persönlich werde sich aber dafür stark machen, dass in jedem Pfarrhaus das Licht an bleibt. Wobei dieser Satz für Waldmünchen nur noch im übertragenen Sinn zutreffe, denn das Haus in der Ölbergstraße, das der Kirchengemeinde gehört, ist nicht mehr sanierungsfähig. Der Schimmel habe sich seinen Weg bereits ins Obergeschoss gebahnt, klärte der Dekan auf.

Vertretung aus Cham

Als Interimslösung wird der Chamer Pfarrer Roland Böhmländer die Vertretung übernehmen, informierte Kotschenreuther. „Schon wieder ein Franke!“, stellte Böhmländer sich der Gemeinde kurz vor und versprach, so gut es gehe „da zu sein“.

Der katholische Pastoralreferent Martin Kowalski überraschte Ernst Schwemmer im Altarraum mit einem Geschenk. Die Gottesdienste, die (Kowalskis) Chor Cantamo mitgestaltet hat, seien besonders stimmungsvoll gewesen, dankte der Waldmünchener Pfarrer. Foto: ps
Der katholische Pastoralreferent Martin Kowalski überraschte Ernst Schwemmer im Altarraum mit einem Geschenk. Die Gottesdienste, die (Kowalskis) Chor Cantamo mitgestaltet hat, seien besonders stimmungsvoll gewesen, dankte der Waldmünchener Pfarrer. Foto: ps

Waldmünchens Bürgermeister Markus Ackermann bescheinigte dem scheidenden Pfarrer, dafür gesorgt zu haben, dass die evangelische Kirchengemeinde wahrgenommen wird. Er dankte für die Pflichterfüllung und das Engagement, sei Schwemmer doch bei den wichtigen Terminen der Stadt zugegen gewesen. Dass sich der Geistliche sehr um die Ökumene bemüht habe, habe ihm auch persönlich gefallen. Auch Ackermann wies auf die Herausforderungen für Seelsorger hin, die die Menschen meist in hochemotionalen Situationen antreffen und zog seinen Hut vor dem Dienst im Krankenhaus. „Das ist gelebte Nächstenliebe“.

 Der Kirchenvorstand mit (von links) Karin Will, Anni Bürcky, Reinhard Tietze, Matthias Heinze Gudrun May überreichte ein „feuriges“ Geschenk. Ernst Schwemmer hatte sich zuvor schon öffentlich für die unglaublich große Loyalität des Gremiums bedankt. Foto: ps
Der Kirchenvorstand mit (von links) Karin Will, Anni Bürcky, Reinhard Tietze, Matthias Heinze Gudrun May überreichte ein „feuriges“ Geschenk. Ernst Schwemmer hatte sich zuvor schon öffentlich für die unglaublich große Loyalität des Gremiums bedankt. Foto: ps

Für die Stadt Rötz sagte der amtierende Bürgermeister Wolfgang Spießl „Vergelt’s Gott“ und erinnerte an das gemeinsame Anliegen von politischer und kirchlicher Gemeinde: für die Menschen da zu sein. Waldmünchens Stadtpfarrer – gekommen war auch Pfarrer Alexander Dyadychenko aus Rötz – lobte die ökumenische Zusammenarbeit. Der Vertrauensmann des Kirchenvorstands, Matthias Heinze, gab zu, dass der Abschied schwerfalle.

Kostbares Vertrauen

Sehr persönliche Worte fand Pfarrer Joachim Kendzia, der das kostbare Vertrauen beschrieb, das sich zwischen ihm und seinem Kollegen und zugleich zuständigen Gemeindepfarrer aufgebaut habe.

Gut behütet

„Wir freuen uns sehr für dich, dass du nach Nürnberg gehen kannst“, sprach die Seniorin des Pfarrkapitels, Tamara Stampka, im Namen der Kollegen auf Dekanatsebene aus. Sie habe den Waldmünchener Pfarrer als humorvollen Menschen kennengelernt, aber auch als kritischen Denker, der sich nicht gescheut habe, unangenehme Dinge anzusprechen. Ein Fahrradhelm erschien Schwemmers Kollegen das passende Abschiedsgeschenk, „damit du immer gut behütet bist“.

Kirche

„Kein freier Tag, ein Feiertag“

Mit dem Reformationstag steht der Höhepunkt des Lutherjahres bevor. Wie dieses läuft, betrachtet Pfarrer Ernst Schwemmer.

Ehe sich die Gäste anschickten, Walter Kotschenreuthers Wunsch nach „vielen guten Gesprächen“ umzusetzen, ergriff Ernst Schwemmer noch einmal das Wort, um vielen Wegbegleitern zu danken. „Ich habe mich wohlgefühlt bei Ihnen“, gab er zu. Auch sei er in Waldmünchen in Bewusstseinsdimensionen vorgedrungen, die er so nicht gekannt habe. „Es war auf alle Fälle eine für mich sehr prägende Zeit.“

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