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Stadtentwicklung

Das „Schloss“ findet gleich zwei Prinzen

Zwei Münchner Professoren sind die neuen Eigentümer des Bürgerspitals Waldmünchen. Entscheidung über Nutzung steht noch aus.
Von Petra Schoplocher

Nicht nur die Ideen, auch die Herangehensweise von Wolfram Winter (Zweiter von links) und Jürgen Faust lassen Bürgermeister Markus Ackermann in den höchsten Tönen reden. Architektin Yvonne Schrattenthaler hat die drei Konzepte schon einmal zu Papier gebracht, Stadtkämmerer Thomas Vogl hörte interessiert zu.  Foto: Schoplocher
Nicht nur die Ideen, auch die Herangehensweise von Wolfram Winter (Zweiter von links) und Jürgen Faust lassen Bürgermeister Markus Ackermann in den höchsten Tönen reden. Architektin Yvonne Schrattenthaler hat die drei Konzepte schon einmal zu Papier gebracht, Stadtkämmerer Thomas Vogl hörte interessiert zu. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Es klingt wie ein Märchen. Und – vielleicht, weil es so schön ist – gibt es dies gleich in zwei Varianten. Die eine, von Professor Jürgen Faust, beginnt sachlich mit der Suche nach einer neuen, markanten Immobilie. Die andere, die sein Kollege Wolfram Winter erzählt, klingt so: Professor aus München kauft Haus in Waldmünchen, ohne es vorher in Augenschein genommen zu haben.

Markant und beeindruckend: das 1904 errichtete Bürgerspital. Foto: ps
Markant und beeindruckend: das 1904 errichtete Bürgerspital. Foto: ps

Das Haus ist nicht irgendein Haus, sondern eines der bedeutendsten und prägendsten Gebäude der Stadt, weswegen die Bezeichnung „Märchen“ auch für Bürgermeister Markus Ackermann passend erscheint. „Ich bin überzeugt, dass wir alle dieses Schmuckstück wieder aufblühen sehen werden“, betont er dann auch voller Vorfreude, als er die beiden Investoren Faust und Winter am Mittwoch Nachmittag als neue Eigentümer (zusammen mit Winters Frau Petra) vorstellt.

Die Professoren aus München, die beide an der privaten Hochschule Macromedia lehren – Faust ist zudem deren Präsident – können gar nicht genug schwärmen von „ihrem“ Bürgerspital. „Die Struktur ist unglaublich“, meint Wolfram Winter, der sich sichtlich freut, das erste Mal als Eigentümer vor dem Gebäude zu stehen, das erste Mal mit grünen Bäumen. Er habe sich im vergangenen Sommer schnell von der Begeisterung seines Kollegen anstecken lassen. Ihm sei schnell klargeworden: „Das müssen wir machen.“

Solche Bodendielen muss man erst einmal finden. Faust weiß, wovon er redet, hat er doch unter anderem schon eine Kaserne, einen 350 Jahre alten Bauernhof und ein Bahnhofsgebäude saniert. Foto: ps
Solche Bodendielen muss man erst einmal finden. Faust weiß, wovon er redet, hat er doch unter anderem schon eine Kaserne, einen 350 Jahre alten Bauernhof und ein Bahnhofsgebäude saniert. Foto: ps

„Müssen“, weil sowohl Wolfram Winter als auch Jürgen Faust gerne „mit alten Sachen rumbauen“, wie es der Jüngere ausdrückt, „sehr zum Schrecken der Verwandtschaft“. Dabei geht es ihnen nicht um Profit: „Wir wollen hier etwas Nachhaltiges schaffen, uns engagieren“.

Gerade diese Einstellung lässt Markus Ackermann beinahe noch mehr frohlocken als die Kunde, dass die Stadt für das seit gut drei Jahren leerstehende Bürgerspital Käufer fand. Jede einzelne der drei Nutzungskonzepte, die sich Winter/Faust überlegt haben, biete eine bereichernde Option für Waldmünchen, attestiert er.

Auf alle Fälle hochwertig

Konzept eins sieht „unten Gewerbe, oben Wohnen“ vor und sei so etwas wie die „Backup-Lösung“, wie die Investoren verdeutlichen. Lieber wäre ihnen allerdings eine der beiden anderen Varianten, altersgerechtes, hochwertiges Wohnen, denkbar in Kombination mit einem ambulanten Pflegedienst, oder ein Boutique-Hotel, ebenfalls mit gehobenen Standard. Denkbar wäre ein Wellnessbereich im Keller sowie ein Einbeziehen der Kirche, etwa für Hochzeiten.

Architektin Yvonne Schrattenthaler hat für alle drei Ideen Pläne erarbeitet, sie lobt die Bausubstanz, von der so viel wie möglich erhalten bleiben soll. Besonders prägnant: der breite Flur. Auch ihr gefällt die Herangehensweise der Münchner, die sensibel mit dem Bestand umgehen und die Wertigkeit des Gebäude zu schätzen wüssten.

 Die 1711 erbaute Spitalkirche gehört zum Ensemble. „Wenn mir mal jemand gesagt hätte. dass ich mal eine Kapelle besitzen würde...“, schmunzelt Wolfram Winter. Sein achtjähriger Sohn aber ist nun der Meinung, Daddy sein nun Schlossbesitzer. Foto: ps
Die 1711 erbaute Spitalkirche gehört zum Ensemble. „Wenn mir mal jemand gesagt hätte. dass ich mal eine Kapelle besitzen würde...“, schmunzelt Wolfram Winter. Sein achtjähriger Sohn aber ist nun der Meinung, Daddy sein nun Schlossbesitzer. Foto: ps

Weil Faust/Winter „weder einen Pflegedienst noch ein Hotel selbst leiten wollen“, führen sie derzeit Gespräche mit möglichen Betreibern. Wird man sich handelseinig – gerade im Hotelsektor ist ein solider, erfahrener Fachmann nötig, unterstreicht Faust –, würden sie eines der Betreiber-Modelle favorisieren.

Aber egal, was kommt: „Es soll auf alle Fälle einen Touch pfiffiger werden“, stellen die Professoren in Aussicht. Statt Wände zuzukleistern, schwebt ihnen etwas vor, „das her passt und die Besonderheit aufwertet“. Denkbar wäre folglich eine Kombination aus zwei, drei Gewerbeeinheiten – baulich wegen der jetzt schon vorhandenen drei Eingänge problemlos möglich– und Seniorenwohnungen.

„Empfinden keinen Druck“

Druck empfinden sie keinen, „wir haben keinen Businessplan und keine Renditen ausgerechnet“, auch Heuschrecken seien sie keine, streichen die Münchner heraus. Bis Spätsommer allerdings soll eine Entscheidung gefallen sein. „Weil wir einfach wollen, dass was draus wird.“

Professor Faust war seinerzeit strategisch auf der Suche nach einer Immobilie, verriet er. Eigentlich habe er nach einem Weingut Ausschau gehalten, als er über das denkmalgeschützte Gebäude mit Baujahr 1904 in Waldmünchen – von dem beide zuvor noch nie etwas gehört hatten – stolperte. „Des is’ cool“, fand und findet er.

Die Wellenlänge stimmt

Markus Ackermann hatten vom ersten Moment an („Die Wellenlänge hat sofort gestimmt“) viele Faktoren überzeugt, mit denen die Investoren aufgetreten seien. Die realistische Einschätzung der Situation sei das Eine gewesen, der sensible und besonnene Umgang mit dem Gebäude und dem Ambiente das Andere. „Sie sind nicht mit Hurra in eine Richtung losgerannt“, dankte er Jürgen Faust und Wolfram Winter. Besonders gefalle ihm das Streben nach Nachhaltigkeit. Die Professoren begründeten dies neben ihrer ureigensten Überzeugung auch mit ihrer (täglichen)Interaktion jungen Menschen, die nach vorne blickten. Faust und Winter bescheinigten den ländlichen Regionen im Allgemeinen, der hiesigen aber auch im Speziellen, vorwärtsorientiert zu sein und „eine unglaubliche Zukunft“ vor sich zu haben.

Noch einmal blickt Professor Wolfram Winter auf das imposante Gebäude und sagt: „Wenn man sich für so etwas nicht begeistert, tut man sich das nicht an“. Offenbar können sich da zwei richtig begeistern.

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