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Flugsport

Das Segelflieger-Ass aus Tiefenbach

Im Oldtimer-Segler bis nach Lübeck: Gerhard Sindermann (66) ist mit seiner Ka6 einer die besten Segelflieger der Welt.
Von Gregor Raab

Dr. Holger Adam und Gerhard Sindermann (r.) Foto: cga
Dr. Holger Adam und Gerhard Sindermann (r.) Foto: cga

Tiefenbach.Gerhard Sindermann aus Tiefenbach ist einer der erfolgreichsten Segelflieger Deutschlands, der schon mehr als 3700 Flugstunden auf dem Buckel hat und rekordverdächte Werte vorweisen kann. In der Flugsaison 2018 ist es ihm mit seiner Ka6 (Baujahr 1961) – einem Flugzeug aus Sperrholz und mit Baumwollstoff bespannten Flügeln – gelungen, von Cham aus sieben Dreiecke mit über 500 Kilometern Strecke zu fliegen – davon sogar fünfmal um Nürnberg herum.

Die größte Distanz betrug dabei 633 Kilometer. Die drei punkthöchsten Flüge davon brachten ihm bei 390 Teilnehmern den Sieg in der Deutschen Meisterschaft in der Clubklasse (DMSt) im Streckensegelflug in der Bayern-Wertung. Deutschlandweit belegte er mit dieser Leistung den 13. Platz bei 2003 Konkurrenten.

Erster in der Oldtimer-Wertung

Das Besondere: Bei der DMSt sind bis auf Sindermann auf den vorderen Plätzen weit und breit keine Holzflugzeuge mehr dabei. Seine Passion ist deswegen die OLC Oldtimer-Wertung. Dort belegt er schon seit Jahren weltweit vordere Plätze, meist unter den ersten 20 bei etwa 1300 Seglern. Im vergangenen Jahr hat er es nun mit seinen Flügen geschafft, weltweit auf Platz 1 zu kommen. „Die Oldtimer-Wertung führt aber eher ein Schattendasein. Das ist schade für alle beteiligten Piloten“, findet Sindermann.

Die Ka6 Schleicher trägt den Beinamen Rhönsegler. Foto: cga
Die Ka6 Schleicher trägt den Beinamen Rhönsegler. Foto: cga

Ihn treibe aber ohnehin nicht der Erfolg an. Vielmehr fliege er aus Vergnügen und dem eigenen Ehrgeiz, immer möglichst viele Streckenkilometer aus dem Flugwetter herauszuholen. Das Fliegen hat er schon von klein auf gelernt, denn unweit seiner Heimatstadt Weilheim/Teck am Rande der Schwäbischen Alb genießt das Segelfliegen eine lange Tradition. Unterhalb der Burg Teck liegt der Segelflugplatz, auf dem schon in den 1920er Jahren mit dem Segelfliegen begonnen wurde. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er 1968 bereits als 15-Jähriger seinen ersten Alleinflug mit einem Segelflugzeug machte.

Der Dreiecksflug mit einem Oldtimer

  • Dreiecksflug:

    Die Königsetappe im Segelflug ist der Dreiecksflug. Interessant dabei ist es, die Flugstrecke von Cham aus so zu legen, dass sie weiträumig um den Raum Nürnberg herumführt. Gebiete mit einem Verkehrsflughafen wie die Frankenmetropole sind für Segelflieger weitestgehend Tabu. Daher ist es westlich von Nürnberg nicht mehr möglich, die Strecke abzukürzen. Dies wäre aber bei Wetterverschlechterung oder niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten nötig. Das mache aus Sindermanns Sicht den Flug so spannend und interessant.

  • Flugzeugtypen:

    Mit modernen Kunststoffseglern, die über eine deutlich bessere Flugleistung verfügen, ist es einfache, so einen Flug zu vollenden. Sindermann fliege aber nicht nur mit seinem Oldtimer Ka6. Bei den modernen Fliegern bevorzuge er den Ventus 2cx/18m vom Segelflug-Sportverein Cham. Insgesamt sei er schon mit fast 50 Segelflugzeugtypen geflogen.

In den ersten Jahren machte er 500 Flüge und war dabei über 200 Stunden in der Luft. Dann wechselte Sindermann aber überraschend das Metier und flog jahrelang nur mit ferngesteuerten Modellflugzeugen, da sich dieses Hobby zeitlich besser mit seiner Familie vereinbaren ließ.

Erst als sein Sohn dann mit 13 Jahren auch Interesse am Segelfliegen fand, habe er sich wieder dem aktiven Segelflug gewidmet. 1993 mit inzwischen 750 absolvierten Starts kaufte er sich schließlich die Ka6. „Die Flugleistungen sind nicht so gut wie bei neueren Segelflugzeugen, die nur noch aus Glas- und Kohlefaser gebaut werden. Trotzdem ist es möglich, mit diesem Flugzeug bis zu über acht Stunden in der Luft zu bleiben und bei gutem Wetter Strecken über 500 Kilometer zu fliegen“, erklärt der Experte.

3700 Flugstunden im Gleiter

1997 überholte er dann das Flugzeug unter Mithilfe einiger Fliegerkameraden. Dass der 66-Jährige das Flieger-Gen besitzt, untermauert er mit weiteren beeindruckenden Zahlen und Fakten. So habe er bis heute schon über 2000 Segelflüge mit annähernd 3700 Flugstunden gemacht. Mit der Ka6 waren es etwa 2200. Geflogen ist er damit hauptsächlich über der Schwäbischen Alb und dem Schwarzwald. Während Urlaubsaufenthalten war er auch in der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Österreich, Schweiz und Slowenien in der Luft.

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„Das Fliegen über den Alpen ist ein noch intensiveres Erlebnis als über anderen Landschaften. Seitdem bin ich alleine über den Ostalpen über 500 Stunden geflogen“, erzählt Sindermann. Auch einige Wandersegelflüge habe er mit der Ka6 durchgeführt, die ihn, ausgerüstet mit Schlafsack und dem Nötigsten, bis nach Lübeck und zurück gebracht haben.

„Segelfliegen ist wie eine Sucht. Es gibt nichts Schöneres, als in der Luft zu sein.“

Gerhard Sindermann aus Tiefenbach

Geflogen sei er bislang in sechs europäischen Ländern auf über 90 verschiedenen Flugplätzen. Flüge über acht bis neun Stunden seien bei ihm keine Seltenheit. Seit er im Jahr 2008 nach Kleinsteinlohe gezogen ist, sei der Chamer Flugplatz sein Dreh- und Angelpunkt geworden. Von dort aus starte der Routinier meist im Schlepp hinter einem Motorflugzeug, von dem er sich zwischen 600 und 1000 Meter hochziehen lasse. Die Strecken führen meist über den Bayerischen Wald und Sumava bis nach Österreich ins Mühl– und Waldviertel. Einmal schaffte er sogar bis ins Salzburger Land an den Attersee und zurück.

Öfters segelt er auch durch Tschechien nordöstlich bis ins Erzgebirge, dann Richtung Thüringer Wald und über das Fichtelgebirge wieder nach Hause. Einige Flüge enden aber auch schon auf einem anderen Flugplatz oder – wenn plötzlich die Thermik abreißt – auf einer geeigneten Wiese. Von dort werde er dann von Kameraden oder seiner Frau mit Auto und Flugzeuganhänger abgeholt. Von solchen Zwischenfällen lasse sich Sindermann aber nicht entmutigen; „Segelfliegen ist wie eine Sucht. Es gibt nichts Schöneres, als in der Luft zu sein.“

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