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Region Cham
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Historie

Das sind Chamer Volksfest-Geschichten

Vor dem Start zum 70. Volksfest in der nächsten Woche schaut Stadtarchivar Timo Bullemer auf die Anfänge zurück.
Von Karl Pfeilschifter

Schneewittchen und die Zwerge beim ersten Volksfest-Umzug im Jahr 1949 Foto: Archiv Bayerwald-Echo
Schneewittchen und die Zwerge beim ersten Volksfest-Umzug im Jahr 1949 Foto: Archiv Bayerwald-Echo

Cham.„Die Anfänge des Chamer Volksfestvereins“ – so war ein Vortrag von Stadtarchivar Timo Bullemer bei der Volksfestbierprobe überschrieben. Anlass war das 70. Chamer Volksfest, das in der nächsten Woche begann.

Bullemer sprach von „keiner leichten Aufgabe“, die sich damals die Chamer Volksfest-Befürworter vorgenommen haben. Es galt, zahlreiche Hindernisse zu überwinden. Es begann bereits 1948: Die Wunden des Krieges waren noch lange nicht verheilt. Es war die Zeit der Lebensmittelmarken und der Währungsreform.

Am 16. November 1948 traf sich der Chamer Stadtrat zu einer wegweisenden Sitzung. Bürgermeister Wolfgang Schmidbauer vertrat die Meinung: „In einer Zeit, in der man besonders, was die Zukunft anbelangt, völlig im Ungewissen und Dunkeln steht, ist die Abhaltung von Volksfest und dergleichen nicht am Platz.“

Neuer Mut nach dem Krieg

Die Prominenz saß 1949 am Marktplatz, dabei Ministerpräsident Hans Ehard (vorn 2. v.li.) Foto: Archiv Bayerwald-Echo
Die Prominenz saß 1949 am Marktplatz, dabei Ministerpräsident Hans Ehard (vorn 2. v.li.) Foto: Archiv Bayerwald-Echo

Stadtrat und Schneidermeister Karl Reitmeier verwies dagegen in ersten Linie auf die Chancen so eines Festes. Die Bevölkerung könnte dadurch wieder Mut und Lebensfreude zurückgewinnen. Außerdem können dadurch die heimische Wirtschaft gefördert werden. Karl Reitmeier gelang es mit einer längeren Rede seine Ratskollegen zu überzeugen und es kam zum einstimmigen Beschluss, ein erstes Komitee zu bilden, welches die Vorarbeiten für ein Volksfest im Jahr 1949 in die Wege leiten sollte. In einer öffentlichen Veranstaltung im Dezember 1948 warb der Landtagesabgeordnete Hans Eder energisch für das Volksfest. Er betonte: „Des wird a G’schäft und koa Pleite!“ Bei einer weiteren Versammlung am 26. Dezember 1948 im Hotel Alte Post erklärten sich 13 Bürger bereit, im Notfall für die Kosten des geplanten Volksfestes einzustehen. Um auch für künftige Feste gerüstet zu sein, wurde beschlossen, einen Verein zu gründen, der die Organisation in die Hand nehmen sollte. Dies war die Geburtsstunde für den heutigen Volksfestverein, obwohl dessen offizielle Gründung erst Anfang April 1949 erfolgte.

Die Gründer des Volksfestvereins

  • Vorsitzender

    Landtagsabgeordneter Hans Eder, Stellvertreter: Spediteur Hans Scherbauer

  • Mitglieder

    Fritz Amann, Leiter der Stadtwerke; Heinrich Grötsch, Spenglermeister; Josef Heilingbrunner, Kaufmann; Dr. Rudolf Hösl, Rechtsanwalt; Peter Mayr, Prokurist; Karl Muggentaler, stellvertretender Landrat; Rudolf Österreicher, Bäckermeister; Karl Reitmeier, Innungsobermeister Schneider-Innung; Hans Roider, Kreishandwerksmeister; Hermann Teufl, Stadtkämmerer; Karl Wein, Druckereibesitzer (cft)

Der „Verein zur Förderung öffentlicher Veranstaltungen und kultureller Bestrebungen der Stadt Cham e.V.“ verfolgte vom Anfang an die Absicht, auch außerhalb der Volksfestzeit das öffentliche und kulturelle Leben in Cham zu unterstützen. Bullemer verwies darauf, dass diesem Vorsatz die Mitglieder bis heute treu geblieben seien, wie zahlreiche Musikveranstaltungen, kulturelle Einrichtungen und Vereine bestätigen könnten. Erster Vorsitzender wurde der Landtagsabgeordnete Hans Eder. Bei einer Besprechung im Januar 1949 wurde beschlossen, einen Garantiefond von 20 000 DM zu bilden, um im Notfall die Finanzierung der Veranstaltung zu sichern. Weiter waren viele Probleme zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelöst. Eine spezielle Aufgabe kam auf Hans Eder zu, weil das Gelingen eines Volksfestes ja auch wesentlich vom Termin und vom Wetter abhängig ist. Anhand eines verschlissenen Bauerkalenders ermittelte Eder die richtigen Tage, ohne mit anderen Festen, wie dem Drachenstich, zu konkurrieren. So kam er auf die letzte Woche im Juli und die erste im August. So wurde es gemacht, und bestes Sommerwetter gab Hans Eder von damals bis heute recht.

Am 30. Juli 1949 ging’s los

Volksfestvereinspräsident Sepp Altmann (li.) dankte Timo Bullemer für seinen Vortrag.Foto: cft
Volksfestvereinspräsident Sepp Altmann (li.) dankte Timo Bullemer für seinen Vortrag.Foto: cft

Das erste Cham Volksfest wurde schließlich zu einem Ereignis von landesweiter Bedeutung. Denn: Hier wurde erstmals nach dem Krieg wieder ein eigens gebrautes Festbier angeboten. Am 30. Juli 1949 startete das erste Volksfest. Und weil die Organisatoren nicht nur unterhalten, sondern auch die Wirtschaft beleben wollten, hatten sie verschiedene Ausstellungen organisiert, auf denen sich Industrie, Gewerbe und Forstwirtschaft der Region präsentierten. Die Landwirtschaft nahm im Festprogramm breiten Raum ein. Und nicht zu vergessen der Kinderfestzug, der von vielen Besuchern als „das Schönste vom Chamer Volksfest“ bezeichnet wurde.

Lesen Sie hier: Zum 70. Geburtstag des Chamer Volksfestes gibts ein besonderes Jubiläumsbier. 400 Kisten davon sind nun im freien Verkauf.

Der allabendliche Betrieb auf dem Festplatz schien damals auch im Alltag seine Spuren zu hinterlassen. So schrieb die Zeitung: „Es fällt uns auf, dass seit Beginn des Volksfestes das Leben in der Stadt Cham am Vormittag erst wieder langsam um 10 Uhr beginnt.“ Am letzten Abend des Festes betrat Karl Reitmeier die Bühne und stellte den Besuchern im Bierzelt die entscheidende Frage an die Chamer: „Wollt ihr auch im nächsten Jahr ein Volksfest feiern?“ Bullemer zitierte aus Aufzeichnungen im Stadtarchiv: „…tosende Zustimmung der Gäste“.

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