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Das sind die miesen Tricks der Betrüger

Leicht können Menschen zu Opfern von Kriminellen werden. Ein Polizeiprofi erklärt uns, wie Sie sich davor schützen können.
Von Elisabeth Angenvoort

Gerade das Telefon bietet Verbrechern eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie sie gutgläubige Opfer um ihr Geld bringen können. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Gerade das Telefon bietet Verbrechern eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie sie gutgläubige Opfer um ihr Geld bringen können. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Cham.Leider haben kriminelle Methoden in unser vermeintlich durchinformierten Zeit nicht an Wirkung verloren. So finden Betrüger per Telefon oder auch anderweitig immer wieder ihre Opfer. Wir haben mit Polizeihauptkommissar Jürgen Rappert über die häufigsten Betrugsmethoden gesprochen. Denn, vor allem gilt: „Es gibt nichts umsonst!“, betont Rappert. Insbesondere Gewinnversprechen am Telefon sollten in jedem Fall mit großer Skepsis hinterfragt werden.

Päckchen vor der Haustür: Erst vor wenigen Tagen fand Rappert ein kleines Pakt mit dem Logo einer bekannten Versandfirma vor seiner Tür. Der Inhalt: Ein Mobilfunkvertrag, auf seinen Namen abgeschlossen, sowie das dazugehörige iPhone Xs im Wert von über 1000 Euro, das für 50 Euro in Rapperts Besitz übergehen sollte – durch Unterzeichnung des entsprechenden Vertrags. Die am darauffolgenden Tag übersandte Rechnung enthielt Rapperts persönliche Daten, korrekt bis auf eine leicht zu übersehende Kleinigkeit.

Dieses iPhone fand Polizeihauptkommissar Jürgen Rappert vor der eigenen Haustüre. Betrüger versuchten, ihn damit um sein geld zu bringen. Foto: Rappert
Dieses iPhone fand Polizeihauptkommissar Jürgen Rappert vor der eigenen Haustüre. Betrüger versuchten, ihn damit um sein geld zu bringen. Foto: Rappert

Der Trick: Mit existierenden Realpersonalien werden Verträge abgeschlossen und Zahlungen eingefordert. Rappert sandte das iPhone mit dem Retourenprotokoll an den Absender zurück, die Rechnung separat per Einschreiben, und erwartet nun eine Reaktion. Besonders perfide ist die Tatsache, dass ein weiterer Transportdienstleister das iPhone zeitversetzt bei Rappert abholen und ins Ausland bringen sollte.

Betrüger kommen zur Haustüre

Polizeihauptkommissar Jürgen Rappert warnt vor Betrügern. Foto: Angenvoort
Polizeihauptkommissar Jürgen Rappert warnt vor Betrügern. Foto: Angenvoort

Briefkasten-Falle: Die Bereicherung an fremdem Eigentum findet gerade zu Weihnachten oft vor der Haustür statt. Das Problem: Viele Pakete können nicht zugestellt werden, da Empfänger nicht daheim sind. Die Paketscheine landen im Briefkasten, die Sendungen werden in der Nachbarschaft abgegeben. Die Betrüger klauen Paketscheine aus den Briefkästen und geben sich später als Bekannte eines Nachbarn aus, mit dem Auftrag, das Paket abzuholen. „Immer den Ausweis zeigen lassen“, betont Rappert – und: Keinen Fremden ins Haus lassen, während man das angenommene Paket holt. Oft reicht den Betrügern ein kurzer Moment, um dem Opfer zusätzlich zu schaden.

Schockanrufe sind ein beliebtes Mittel Krimineller, um arglosen Opfern Geld abzuziehen.  Foto: Angenvoort
Schockanrufe sind ein beliebtes Mittel Krimineller, um arglosen Opfern Geld abzuziehen. Foto: Angenvoort

Schock-Anrufe: Diese Art des Betrugs schätzt Rappert als „besonders perfide“ ein. Die Opfer erhalten völlig unerwartet einen Anruf, in dem der tragische Unfall eines nahen Angehörigen oder dessen Inhaftierung im Ausland mitgeteilt wird. Die Betrüger versuchen, das Opfer vom Nachdenken abzuhalten und fordern eine sofortige Geldzahlung für die Notoperation oder Kaution. „Der Mensch ist im Schockzustand extrem verführbar“, sagt Rappert, der selbst schon eine solche Situation durchleben musste. Ein unbekannter Anrufer teilte ihm mit, seine Tochter sei auf dem Weg zum Flughafen schwer verunglückt. Auf den Schock folgt meist ein unreflektierter Aktionismus, den die Betrüger schamlos für ihre Zwecke ausnutzen. Hier müsse man unbedingt einen Schritt zurückgehen und nachdenken, betont Rappert: Kann das Gesagte tatsächlich so passiert sein? Ruhe bewahren, Panik unbedingt vermeiden, und vor allem den Anruf sofort beenden – das sind die Strategien. Eine Kontaktaufnahme mit der jeweiligen Botschaft in Berlin kann schnell Klarheit darüber schaffen, ob der angebliche Unfall oder die Inhaftierung tatsächlich stattgefunden haben.

„Traumpartner“-Falle: Ein skrupelloses Spiel mit der Hoffnung vieler Menschen auf den „richtigen Partner“ ist die Methode der „Spammer“. Diese versuchen, den Online-Dating-Portalen Kunden abzuwerben, indem sie sich als gut aussehende Singles tarnen und engeren Kontakt oder Fotos versprechen – unter der Bedingung, der Interessent solle auf ein „sichereres Portal“ wechseln, das natürlich kostenpflichtig ist. Die (hohen) Abbuchungen der angeblichen Dating-Börse und eine schnelle Beendigung der Kontaktaufnahme sind das Resultat, sobald der Kunde auf die Forderungen des vermeintlichen Partners eingegangen ist. Noch schamloser gehen „Scammer“ vor: Sie erschleichen sich das Vertrauen ihres Opfers durch „näheren“ schriftlichen Kontakt über einen längeren Zeitraum hinweg. Unter Angabe vorgetäuschter persönlicher Umstände wird dann um eine Geldzuwendung gebeten, oder sogar mittels entsprechender Fotos die Zahlung hoher Beträge erzwungen.

Falle Mitfahrzentrale: Eine ganz andere Art, die Hilfsbereitschaft ahnungsloser Menschen auszunutzen, breitet sich auf den Straßen aus: Das Konzept von Mitfahrzentralen wird immer häufiger von Schleusern missbraucht. Der unwissende Fahrer kann ungewollt zum Mittäter werden, indem er die zu schleusenden Personen in seinem Fahrzeug zum Zielort bringt. Die Fahrtkostenbeteiligung wird meist direkt vom Schleuser, der sich als Vertrauensperson ausgibt, bei der Übergabe der Mitfahrer an den Fahrer bezahlt, selten erst danach am Ankunftsort.

Das Telefon als Abzock-Werkzeug

Teure Rückrufe – Call-ID-Spoofing: Sowohl Festnetz als auch Smartphones werden für Betrüger immer leichter zu manipulieren: Abgesetzte Lockrufe (Ping-Calls), computergesteuerte Anrufe, lassen aufgrund ihrer Kürze keine Chance zur Annahme und provozieren somit einen Rückruf. Die Gebühren zahlt der Rückrufer, ohne sich dessen bewusst zu sein. Handelte es sich bisher dabei meist um teure deutsche Premium-Nummern (Vorwahlen wie 0180, 0137 oder 0900), werden nun vermehrt ausländische Rufnummern genutzt.

Ring- und Jacke-Jacke-Trick: Auch ganz einfache Tricks finden immer wieder ihre Opfer, hat Rappert festgestellt, so wie beispielsweise der Ring-Trick. Teuer aussehende Messingringe, deren tatsächlicher Wert im Cent-Bereich liegt, werden gegen einen höheren Geldbetrag bei Passanten als „Pfand“ zurückgelassen und natürlich nie wieder zurückgetauscht. Einfach durchzuführen ist ebenso der Jacke-Jacke-Trick. Die Betrüger nutzen hier die Angewohnheit vieler Restaurantbesucher aus, Jacken über die Stuhllehne zu hängen, ohne alle Wertsachen herauszunehmen. Man muss damit rechnen, dass ein Täter Rücken an Rücken Platz nimmt und seine Jacke ebenfalls über den Stuhl hängt. Der Griff durch diese Jacke in die Jacke des Opfers ist ein leichtes.

Zur Person

  • Karriere

    Jürgen Rappert, Abitur 1986 am Schuman-Gymnasium in Cham, war 21 Jahre lang bei der Münchner Polizei und arbeitete zehn Jahre als Polizeihauptkommissar für das Polizeipräsidium der Oberpfalz, bevor er im Juli 2018 zur Polizeistation nach Waldmünchen wechselte.

  • Persönliches

    Rappert, der langjährige Erfahrungen als Präventionsbeamter besitzt, wurde kürzlich selbst Opfer eines Betrugsversuchs: „Da haben die den Falschen erwischt“.

Vorsicht bei Gewinnversprechen: Leichtgläubigkeit kann vor allem bei Gewinnversprechen zum Verhängnis werden. Teilt ein fremder Anrufer mit, man habe bei einem Gewinnspiel einen hohen Sachgewinn wie ein Auto gewonnen, sollte man sofort das Gespräch beenden. Für die Überführung des Fahrzeugs oder um die Bearbeitungsgebühren zu decken, so wird behauptet, müsse man sofort einen Geldbetrag überweisen. Wird diese Zahlung geleistet, so erhält man etwa einen Monat später anstelle des Gewinns einen weiteren Anruf, worin ein angeblicher Kriminalbeamter mitteilt, dass ein Ermittlungsverfahren aufgenommen worden sei wegen der Teilnahme an einem illegalen Gewinnspiel. Das Verfahren könne gegen eine Geldbuße eingestellt werden. Es ist also dringend Vorsicht geboten, bevor man (unzulässige) Geschäftsbedingungen irgendwo bestätigt, sagt Rappert.

Achtung, wenn die 110 auf dem Display steht. Denn die ist keine Anruf-Nummer. Foto: Angenvoort
Achtung, wenn die 110 auf dem Display steht. Denn die ist keine Anruf-Nummer. Foto: Angenvoort

Gefälschte Rufnummern: Telefonbetrüger schrecken nicht einmal mehr vor dem Missbrauch offizieller Behördennummern zurück. Das Vorgehen: Mittels eines Anrufs mit elektronischer Ansage wird das Opfer aufgefordert, Auskunft über ein angeblich laufendes Vollstreckungsverfahren zu geben. Spezielle technische Verfahren ermöglichen die Wiedergabe der tatsächlich bestehenden Rufnummer des Zolls auf dem Display des Angerufenen. Damit wird der Eindruck eines offiziellen Anrufs vermittelt. Ähnliches versuchen die Betrüger per Post: Unter dem gefälschten Logo des Zolls, werden die Opfer zur Zahlung von Lagergebühren aufgefordert, bevor sie einen angeblichen Gewinn abholen können.

Fazit: Wachsamkeit, Misstrauen und zugleich Gelassenheit sind nötig Höflichkeit oder Rücksichtnahme fehl am Platz, sobald es um kriminelle Machenschaften geht. Merkwürdig erscheinende Sachverhalte sollten immer dokumentiert werden, im Zweifelsfall sollte die Polizei in Kenntnis gesetzt werden. Vorsicht geboten ist, sobald die 110 auf dem Display erscheint. Unter dieser Nummer kann man keine Anrufe erhalten, betont Rappert. Als Anruf-Nummer existiert die Nummer nicht, womit sich der Betrug selbst entlarvt..

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