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Region Cham
Mittwoch, 22. August 2018 28° 3

Jubiläum

Das Thomas-Wiser-Haus wird 10

Zum zehnjährigen Bestehen des Thomas-Wiser-Hauses Willmering gab es ein internes Fest und als Zuckerl obendrauf: Spenden.
Von Holder Hierl

Seele und Körper baumeln lassen zum Jubiläum .Fotos: chi
Seele und Körper baumeln lassen zum Jubiläum .Fotos: chi

Willmering.„Achtsamkeit, Wertschätzung, liebevoller Umgang, Sicherheit, Struktur“ – das sind Grundhaltungen, die die Verantwortlichen der Dechant-Wiser-Stiftung in den Häusern für betreutes Wohnen für Kinder und Jugendliche aus – meist vorübergehend – problematischen Familienverhältnissen als Maxime ihrer Arbeit anstreben. So auch im Thomas-Wiser-Haus in Willmering, das am Sonntag seinen zehnten Geburtstag mit einer internen, aber sehr gut besuchten Feier und mit zwei Spendenübergaben feierte.

Mit so viel Gästen hätten Erziehungsleiter Franz Raschof und seine Gruppenleiterinnen und pädagogischen Fachkräfte gar nicht gerechnet, als sie zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Wohngruppe für Kinder in Willmering geladen hatten, um so größer war die Freude, dass sich so viele mit der Einrichtung mitten im Dorf identifizierten und das Jubiläum mitfeiern wollten. Unter den Gästen war auch Willmerings früherer Bürgermeister Michael Dankerl, der sich maßgeblich für den Bau des Hauses in seiner Heimatgemeinde eingesetzt hatte und die Wohngruppe seitdem unterstützend begleitet, wie auch der Rektor der Grundschule Willmering-Waffenbrunn, Hans Kraus.

Viele feierten mit

Sie haben zugunsten des Thomas-Wiser-Hauses Theater gespielt, das "Theater-Patchwork Bad Kötzting". .Fotos: chi
Sie haben zugunsten des Thomas-Wiser-Hauses Theater gespielt, das "Theater-Patchwork Bad Kötzting". .Fotos: chi

Es war eine Art Familientreffen, die sich da im Garten des Hauses abspielte, denn ehemalige Gruppenmitglieder, Erzieherinnen wie auch aktuelle Eltern und Geschwister kamen hier zu einem gemütlichen Beisammensein bei Gegrilltem oder Kaffee und Kuchen zusammen und wurden zunächst von den derzeit im Haus wohnenden Kindern mit Liedern begrüßt. Doch das Hauptanliegen war einfach das Wiedersehen mit dem Haus und seinen Bewohnern sowie den pädagogisch Verantwortlichen und das Kennenlernen der neuesten Entwicklungen in der Wohngruppe. Ein normaler „Tag der offenen Tür“ hätte den Rahmen des Jubiläums und des Geländes wohl gesprengt.

Wie Franz Raschof erläuterte, wohnen derzeit acht Kinder im Haus, zwei Jungen und sechs Mädchen, im Alter zwischen sechs und 14 Jahren. Jugendliche werden in den beiden Wohngruppen in Cham Im Quader geherbergt. Die Kinder kommen aus Familien, „in denen die Eltern im Moment nicht in der Lage sind, ihre Erziehungsaufgabe zu bewältigen“. Die Gründe dafür seien sehr unterschiedlich, von plötzlicher Erkrankung über seelische Überlastung bis zu generellen Problemen, Erziehung zu leisten. Die Kinder lebten in der Regel nur für einen bestimmten Zeitraum in der Wohngruppe, „einige werden aber bei uns groß“. Grundsätzlich sei aber das Ziel, dass sie wieder in ihre Familien zurückkehren. Daher wird auch eng mit den Eltern zusammengearbeitet, auch wenn dies manchmal schwierig sei. Bei Geschwistern werde versucht, diese in einer Gruppe unterzubringen, selbst wenn eines davon schon in eine Jugendgruppe wechseln könnte.

Zum Teil ganz kleinteilige Gesichtgemälde gab es beim Jubiläumsfest. .Fotos: chi
Zum Teil ganz kleinteilige Gesichtgemälde gab es beim Jubiläumsfest. .Fotos: chi

Die Kinder und Jugendlichen lebten in den Thomas-Wiser-Häusern einen ganz normalen Alltag, gehen in Kindergarten oder Schule, mittags gibt es ein gemeinsames Essen, am Nachmittag sind die Hausaufgaben dran und dann Spielen etc. Wichtig sei, dass der Tagesablauf einer festen Struktur folgt und den Kindern dadurch einen Halt gibt. Doch innerhalb dieses Rahmens gibt es auch Freiheiten. So dürfen die Kinder etwa in den örtlichen Vereinen aktiv werden, etwa bei der Feuerwehr oder den Fußballern. Auch therapeutisches Reiten wird angeboten, wenn es die finanziellen Möglichkeiten zulassen.

Denn: „Wir müssen schon gut wirtschaften“, sagte Franz Raschof. Das Geld reicht für den normalen Bedarf schon aus, aber größere gemeinsame Ausflüge, Kino-Besuche, Pizzaessen oder ähnliches sind nur ausnahmsweise möglich. Dafür gibt es dann Zuschüsse des Fördervereins der Stiftung, der in Regenstauf seinen Sitz hat und solche Unternehmungen auf Antrag unterstützt. Oder eben Spenden von Vereinen oder Institutionen aus der Region.

Alltag im Heim

  • Zielsetzung

    Die Kinder sollen erleben, was ein Stück Normalität ist. Deswegen wird Wert auf den festen Tagesablauf, eine Tischkultur mit gemeinsamem Essen, schön gedecktem Tisch und auch mal Tischschmuck, gegenseitige Rücksichtnahme, aber auch Hilfestellung und Vertrauen gelegt. Dafür stehen rund um die Uhr Erzieher bereit, außer während der Schulzeit. Damit soll die Wohngruppe ein „soziales Lernfeld“ für die Kinder sein, in dem sie erfahren, wie ihr Leben gelingen kann und auf was sie dabei achten sollten.

Geld fürs Haus

Da dürfen sich die Kinder der Willmeringer Wohngruppe freuen: 600 Euro gab es von der Spielbank Bad Kötzting. .Fotos: chi
Da dürfen sich die Kinder der Willmeringer Wohngruppe freuen: 600 Euro gab es von der Spielbank Bad Kötzting. .Fotos: chi

So gab es auch am Sonntag zwei Spenden für das Willmeringer Haus. Zunächst war eine Abordnung des „Theater-Patchworks Bad Kötzting“ gekommen, einer losen Verbindung von theaterbegeisterten Mitgliedern verschiedener Vereine, die zusammen für soziale oder karitative Kinderprojekte Theaterstücke aufführen und den Erlös spenden. Zum dritten Mal spendeten sie heuer und hatten 300 Euro mitgebracht, die Ramona Zollner an Gruppenleiterin Lena Schönberger überreichte. Und dann kam auch noch der Direktor der Spielbank Bad Kötzting, Klaus Schleicher, zum Thomas-Wiser-Haus und hatte einen symbolischen Riesen-Jeton im Wert von 600 Euro dabei. Zum Dank hatten die Kinder eine hübsche Karte gestaltet, die ein Mädchen der Wohngruppe an den Direktor überreichte.

Solche Spenden seien auch Ergebnis davon, dass einmal die Erzieherinnen in der Region „gut vernetzt“ seien und somit Beziehungen zu Vereinen und Kommunen hätten, die die Arbeit in der Wohngruppe unterstützen, meinte Franz Raschof. „Wir sind fester Bestandteil der Gemeinde“, ist er dankbar für die gute Integration der Wohngruppe. Zum anderen sehe aber auch die Politik im Landkreis die Notwendigkeit solcher Wohnheime für Kinder und Jugendliche. Der Bedarf sei offenbar da, denn erst im Mai sei in Katzbach eine neue Wohngruppe gegründet worden und schon jetzt sei sie voll belegt mit Kindern allein aus dem Landkreis. Im Kreis Cham gebe es damit vier Wohngruppen. Für Notfälle, wenn also Eltern kurzfristig ausfallen, halte jede Wohngruppe einen Notfallplatz bereit. Doch dürften die Gruppen auch nicht zu groß sein, da sonst ein normales Leben für die Kinder nicht mehr gegeben sei.

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