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Tiere

Das Warme mit den großen Augen

Daniel Weinfurter und Cornelia Kerscher züchten seit 2011 Alpakas in Trefling. Sie sind genügsam und pflegeleicht und tun den Menschen gut.
Von Rebecca Gleixner

  • Alpakas sind sehr neugierige Tiere. Stute Ines inspiziert die Kamera daher ganz genau. Fotos: Gleixner
  • Ganz besonders stolz ist Cornelia Kerscher auf ihre Stute Dominga.
  • Alpaka-Stute Ines hatte im Sommer das erste Mal Nachwuchs bekommen.
  • Cornelia Kerschers Tiere lieben Müsli – wenn sie Wind davon bekommen, was im Topf ist, sind sie gleich zur Stelle.

Landkreis. Spucken Alpakas eigentlich? Eine Freundin hatte mich gewarnt: Alpakas sind Kamele – wie die Lamas. Und Lamas spucken. Das weiß jeder. Ganz wohl war mir also nicht vor dem Besuch der Alpaka-Farm in Trefling.

Alpakas leben in den südamerikanischen Anden. Bereits 3000 vor Christus wurden die Tiere domestiziert und besonders wegen ihrer hochwertigen Wolle gehalten. In ihrem natürlichen Lebensraum sind die Tiere Temperaturschwankungen von Minus 15 Grad bis zu Plus 25 Grad ausgesetzt. So können sie den harten Bedingungen ihrer natürlichen Heimat trotzen.

Vier Alpakas leben aber auch in Trefling bei Traitsching: auf der Farm „Sun Star Alpacas“ von Daniel Weinfurter und Cornelia Kerscher. 2011 hat das junge Paar mit der Zucht angefangen. „Es war der Reiz am Besonderen“, sagt Weinfurter auf die Frage, warum es ausgerechnet Alpakas sein mussten. Nach einiger Recherche stießen die beiden auf die Tiere und waren sofort „verzaubert“. Angefangen hat es mit den zwei Stuten Ines und Minou.

Alpakas sind genügsam

Alpakas ausgerechnet im Bayerischen Wald? „Die Tiere kommen aus den Anden, da ist das Klima im Bayerischen Wald ein Witz dagegen“, sagt Weinfurter. Für die Tiere sprach, dass sie besonders pflegeleicht sind und die Haltung einfach ist. Als Faustregel gilt: Für die ersten beiden Tiere reichen 1000 Quadratmeter aus. Weinfurters Vater hat eine Landwirtschaft mit Kühen, Platz für die genügsamen Alpakas steht daher ohnehin zur Verfügung – auch ein Grund, warum sich die beiden für eine Alpaka-Zucht entschieden. Dazu brauchen die Tiere eine Zuflucht vor Regen, Wind, Schnee und Hitze.

Alpakas sind genügsame Fresser. „Die vier fressen etwa zwei Heuballen im Jahr“, erklärt Weinfurter. Die können von der väterlichen Landwirtschaft einfach abgezweigt werden. Kerscher kann das immer noch nicht ganz glauben, dass seine Lieblinge wirklich nicht mehr Futter brauchen.

Elf Monate Warten auf Nachwuchs

Weinfurter und Kerscher haben schnell eine Leidenschaft für die Tiere entwickelt. Nach den beiden Stuten holten sie noch Dominga auf ihre Weide. Und letztes Jahr im Sommer bekam Ines Nachwuchs. Christobal ist das erste Cria für die „Sun Star Alpaca“-Zucht. Cria – so werden die Jungtiere genannt. Die Tragezeit der Tiere ist mit elf Monaten lange.

Minou wurde im Sommer gedeckt, und Kerscher kann es jetzt schon gar nicht mehr erwarten, bis der nächste Nachwuchs kommt. Alpakas bringen ihre Crias ausschließlich zur Mittagszeit zur Welt, dann ist es in ihrem natürlichen Lebensraum am wärmsten, und die Jungtiere trocknen schnell. Besonders Stute Dominga ist bei Show-Teilnahmen erfolgreich. Ihr Vlies ist von Kopf bis Fuß sehr dicht. Anders als bei den meisten Tieren ist auch ihr Gesicht behaart. Bei Shows werden die kleinen Kräuselungen im Fell bewertet, diese werden Crimp genannt. Für die Shows fährt das Paar mit der Vorzeige-Stute Dominga oft durch die ganze Republik. Wegen ihrer genügsamen Art, nennt Weinfurter Alpakas „das moderne Haustier“. „Die Leute haben nicht viel Zeit und wollen auch mal in Urlaub fahren können. Das geht mit den Alpakas problemlos.“ Eigentlich müsste man sich um die Tiere kaum kümmern, Weinfurter und Kerscher verbringen aber trotzdem viel Zeit mit ihnen.

„Sie sind zwar neugierig, aber sie müssen erst auf einen zukommen“, sagt Cornelia Kerscher. Und genau deshalb findet sie, dass es wichtig ist, sich mit den zurückhaltenden Tieren viel zu beschäftigen. Täglich machen die beiden Kontrollgänge zu dem Gehege. Im Dorf wurden die neuen Nachbarn übrigens gut aufgenommen. Und besonders die Kinder kommen gern vorbei und streicheln die Tiere. Das Fell der Alpakas ist besonders weich und schützt vor Hitze und Kälte. Einmal im Jahren werden die Tiere geschoren, bei Weinfurter und Kerscher ist es im April wieder soweit. 22 Naturfarbtöne kann das Vlies der Tiere haben, Ines und Christobal sind weiß, Dominga und Minou braun. Die Wolle ist fünfmal wärmer als Schafswolle. Mit der ersten Wolle ließen sich die beiden Bettdecken füllen.

Die Decken sind dünner als Federbetten, halten aber besser warm. „Die sind so dünn, wir waren selbst nicht recht überzeugt, ob man da nicht friert,“ geben beide zu. Aber ihre Erfahrung: Die Betten halten im Winter warm, und im Sommer schwitzt man nicht. Es ist eben wie mit dem Woll-Vlies der Tiere. Das schützt sie vor 15 Grad Kälte und 25 Grad Hitze auf den Höhen der Anden.

Alpaka-Trekking als Therapie

Die Alpaka-Wolle wird zum Stricken immer beliebter. Sie fusselt nicht und lässt sich regelmäßig verarbeiten. Natürlich halten auch Alpaka-Mützen besonders warm. Cornelia Kerscher strickt und häkelt die Mützen selbst und verkauft sie über ihre Homepage im Internet. „Allein ist das gar nicht mehr zu schaffen, mittlerweile hilft mir eine Freundin“, erzählt sie. Fünf Stunden braucht sie, bis eine Mütze fertig ist. Alle erhalten einen Echtpelz-Bommel. Die Mützen werden auch auf Wunsch der Kunden angefertigt. Ein eigenes Logo hat Kerscher auch entworfen: passend zum Namen der Zucht ziert ein Stern die Mützen. Ebenfalls im Sortiment: Socken, Schals und Bettdecken. Alpakas eignen sich auch zur Tiergeschützen Therapie mit Behinderten.

Beim Alpaka-Trekking wird mit den Tieren an der Leine spazieren gegangen. „Die unaufdringliche, neugierige Art und die Schönheit des weichen Tieres hat eine erstaunliche Wirkung auf Autisten, Menschen mit Handicap und Suchtkranke“, schreiben die beiden auf ihrer Homepage. Dank ihrer großen Augen und dem typischen Summen, strahlen die Tiere Ruhe aus.

„Für Menschen, die sich schlecht konzentrieren können, ist das Trekking super“, erklärt Kerscher. „Die Tiere wollen Aufmerksamkeit wenn man sie an der Leine hat, da darf man nicht abgelenkt sein.“ Alpaka-Trekking bieten die beiden noch nicht, aber sie gehen mit ihren Tieren durchs Dorf spazieren. Und alle schauen hin. – Bevor ich wieder wegfuhr von den „Sun Star Alpacas“ in Trefling, habe ich meiner Freundin schnell eine SMS geschrieben: „Alpakas spucken gar nicht!“

Mützen, Socken und Bettdecken gibt es unter: www.sun-star-alpacas.de

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