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Justiz

Das wüste Ende einer Beziehung

Ein 25-jähriger Mann aus dem Raum Furth im Wald soll seine junge Partnerin immer wieder misshandelt haben.

Das Paar sei sich wegen Nichtigkeiten in die Haare gekommen, so die Aussagen vor Gericht.Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa
Das Paar sei sich wegen Nichtigkeiten in die Haare gekommen, so die Aussagen vor Gericht.Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa

Furth im Wald.Nach einem Einspruch gegen einen Strafbefehl, fand am Donnerstag vor dem Chamer Amtsgericht der Prozess gegen einen 25-Jährigen aus dem Further Umland statt. Der Vorwurf lautete Körperverletzung. Er soll im Streit seine Ex-Freundin mehrfach geschlagen haben. Auf ein Statement des Beschuldigten wartete man über den gesamten Prozess hinweg vergeblich, lediglich die Verteidigerin äußerte zu Beginn, dass die Tatvorwürfe bestritten werden.

Am 15. Oktober letzten Jahres soll es zu einem heftigen Streit zwischen dem Paar gekommen sein. Ohnehin schon kurz vor der Trennung, lebte man noch in der gemeinsamen Wohnung. Auszugspläne seitens des Angeklagten seien bereits im Raum gestanden. Banalitäten hätten sich immer wieder hochgeschaukelt: So sei nur wenige Tage später ein Disput über die Wäsche eskaliert, wie zuvor sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen.

Das Opfer sei erst einige Tage später zur Polizei gegangen. In diesem Zusammenhang war sie zudem wegen einer anderen Sache vorgeladen. Nach eigener Aussage habe sie Furcht vor dem Ex-Freund gehabt.

An jenem 15. Oktober sei der Hintergrund der dauerhaft anhaltende Sorgerechtsstreit zwischen den Beiden gewesen. Der Angeklagte habe Anstalten gemacht, mit dem gemeinsamen Kind verschwinden zu wollen. Dies konnte und wollte die 22-Jährige nicht zulassen. Er habe daraufhin aggressiv und mit Beleidigungen reagiert. Sie sei seiner vehementen Bitte des Angeklagten, den Raum zu verlassen, nicht nachgekommen. Schließlich habe er sie gewürgt. Würgemerkmale und Hämatome am Arm würden davon zeugen. Auch massive Bedrohungen seien auf sie eingeprasselt, unter anderem habe er ihr mit dem Tode gedroht. Zusammenhängend sei der Satz gefallen: „Alles was jetzt passiere, hast Du Dir selbst zuzuschreiben“.

Beweisführung war schwierig

Bei der zweiten Auseinandersetzung habe er ihren Kopf genommen und gegen die Fließen geknallt. Sie wollte daraufhin sofort die Polizei rufen, doch der Angeklagte habe ihr das Handy weggenommen und auch das Festnetz abgestellt. Er habe sich im Zimmer eingesperrt und seine Mutter gebeten, zu kommen, was diese dann auch tat. Sie selbst habe sich in der Zwischenzeit übergeben müssen und sei dann zu einer Freundin gefahren. Im Übrigen habe sie auch noch Prellungen davongetragen. Wie sich vor Gericht herausstellte, war das unglückliche Paar auch im Begriff sich zu trennen, weil das Opfer jemanden anderes kennengelernt hatte.

Die Problematik im Prozess bestand nun in der Beweisführung. So wurde beispielsweise der WhatsApp-Chat-Verlauf in Augenschein genommen. Hierdurch wurden zwar einige Aussagen des Opfers bestätigt, andere Äußerungen erschienen nun jedoch als fraglich. Die Verteidigung des Angeklagten zweifelte ohnehin am Wahrheitsgehalt der Aussagen des Opfers und nahm sie mehrmals ins Kreuzverhör. Eindeutige Sachverhalte kamen aber auch dadurch nicht ans Tageslicht.

Nach einem Rechtsgespräch zwischen Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung kam man schließlich zu einem Vergleich, der mehrere Punkte umfasste: So wurde ein Täter-Opfer-Ausgleich geschlossen. Der Angeklagte muss seiner Ex-Freundin 500 Euro bezahlen. Alle Ansprüche sind damit abgegolten. Die Kosten des Vergleichs trägt der Angeklagte.

Vergleich im Interesse des Kinds

Wie dem Vergleich zu entnehmen war, handelte es sich weniger um ein verspätetes Schuldeingeständnis seitens des Angeklagten, sondern um ein „Entgegenkommen“ in Bezug auf das Interesse, das Bestmögliche für das gemeinsame Kind zu realisieren. Durch den Täter-Opfer-Ausgleich sieht das Gesetz eine Verschiebung des Strafrahmens nach unten vor. Somit beließ es das Gericht dabei, gegen den nicht vorbestraften Mann eine Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu je 50 Euro zu verhängen. Ohne den Ausgleich wäre ein strengerer Strafrahmen in Frage gekommen. Allerdings bleibt nach der Prozessbeobachtung fraglich, ob die Beweise ausreichend gewesen wären, da es kein Geständnis gab. (cya)

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