mz_logo

Region Cham
Mittwoch, 25. April 2018 20° 3

MZ-Serie

Dem altem Heilbrünnl auf der Spur

2018 wird die Kirche 350 Jahre: Die erste Kapelle war geostet, während das heutige Brünnl in einer unüblichen Richtung steht.
Von Jakob Moro

Die Wallfahrtskirche Heilbrünnl bei Roding vor Jahren, als ringsum noch alles bewaldet war. Fotos: Moro

Roding.Das 350. Jubiläum, das das Heilbrünnl heuer feiert, führt uns in die Zeit des mehrfachen Glaubenswechsels in der Oberpfalz zurück. Es herrschte in der Zeit von Anfang 1500 bis 20 Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges ein reformatorisches Tohuwabohu, auch in Roding. 20 Jahre später wurde die erste Kapelle beim Heilbrünnl gebaut. Der Frage nachgehend, woher das Patrozinium an Maria Magdalena am 22. Juli stammen könnte, führt möglicherweise zur ersten Kapelle am damaligen „Hochbrünnl“.

Hochbrünnl wurde es ursprünglich genannt, weil die hochgelegene Gnadenstätte ein „Brünnl“ umschloss. Wann das Gnadenbild, das heute im Mittelpunkt steht, aufgefunden wurde, kann nicht mit Bestimmtheit angegeben werden. Wie ein Chronist schreibt, wusste man vor 1665 von keinem Gnadenbild. Denn 1665 veranstalteten die Rodinger Bürger anlässlich des „großen Sterbens“ in der Umgebung eine Prozession nach Neukirchen b. Hl. Blut, um die Krankheit von Roding fern zu halten. Hätte man damals schon Kunde gehabt von diesem Gnadenbilde, so würde man ohne Zweifel hierher als zu einer neuen Heilsstätte seine Zuflucht genommen haben, so der Chronist weiter.

So könnte das erste Heilbrünnl ausgesehen haben.Foto: Bilderchronik Roding

Im Juni 1660 berichtete der Rodinger Bürgermeister dem Regensburger Bischof Kardinal Franz Wilhelm Graf von Wartenburg von einer Heilquelle auf dem „Hochbrünnl“. Er schrieb unter anderem, dass es diese Quelle vor hunderten Jahren bereits gegeben habe. Sie sei vertrocknet, als sich der Markt Roding der Ketzerei angeschlossen habe. Nach der Rückkehr zum katholischen Glauben zeigte der Allmächtige durch Wiederaufbrechen des alten Wasserlaufs den Rodingern seine segnende Hand. Dies waren die Anfänge des heutigen Heilbrünnl. Zudem wurden Heilungen bezeugt. Aus den Jahren 1664 und 1665 gibt es Aufzeichnungen über Heilungen beim Heilbrünnl. Wer in dieses Verzeichnis kam, musste die ihm geschehene Heilung im Beisein von Pfarrer, Bürgermeister und Marktschreiber mit einem Eid bezeugen. So soll der Rodinger Magistrat von einem Maurer gehört haben, der nach der Heilung seiner offenen Hand „aus schuldiger Dankbarkeit“ ohne Entlohnung arbeiten wolle, wenn eine „Martersäule“ errichtet würde.

Geld für Neubau vorhanden

1660 gibt der Rodinger Pfarrer Otto de Laburde einen „gehorsamen Bericht, das Hochbrünnl“ betreffend, an das bischöfliche Ordinariat. Im April 1662 teilte das Bischöfliche Ordinariat mit, dass für den Bau einer „neuen“ Kapelle beim „Heilbrunnen“ Geld vorhanden sei. Vermutlich Opfergeld, das die Gläubigen in den Heilbrunnen warfen; dessen noch Brauch heute – gelegentlich im Becken des Heilbrünnl – zu finden ist. 1668 wurde eine Kapelle gebaut, 1684 war sie bereits zu klein und wurde erweitert. Die ältesten Votivbilder zeigen nicht die Verehrung Mariens, sondern die des gegeißelten Heilands. Früher soll ein Pestbild, das nach Prag verkauft worden ist, im Heilbrünnl gehangen haben. Es erinnerte an die Seuche, die 1655 viele Todesopfer in Roding forderte.

Kapelle sollte 142 Gulden kosten

Der Bau der ersten Kapelle geht aus der Ziegelrechnung des Marktes Roding hervor. Nach ihr wurden 450 Ziegel zum „Hochbrunnen“ abgeführt und hierfür zwei Gulden und 15 Kreuzer bezahlt. Aus einer Kostenübersicht – eine Art Kostenvoranschlag, den der Rodinger Rat 1665 dem Pfleger zu Wetterfeld einreichte – ist das Ausmaß dieser Kapelle ersichtlich. Zum Bau waren 100 Fuder Sand, 100 Kübel Kalk, 300 Fuder Steine, 500 Ziegel, 6000 Schneidschindel, 7000 Schindelnägel, 120 Latten, 500 Lattennägel, 20 Falz Bretter und Bauholz im Werte von zwei Gulden notwendig. Insgesamt sollte die Kapelle ohne Glaser- und Schlosserarbeiten 142 Gulden kosten.

Sie war etwa 6,5 Meter lang und 5,5 Meter breit geplant und sollte vier Fenster haben. Der Andrang zur Kapelle wuchs so sehr, dass sie 1684 erweitert werden musste. 1691 wurde die Kirche konsekriert und fortan als „Unser Lieben Frau Hoch- oder Heilbrünnl“ bezeichnet. Erst im Jahr 1730 entstand die Kirche der heutigen Form. Es ist ein Rokokobau, der sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügt.

Während die meisten Kirchen geostet sind, ist dies beim heutigen Heilbrünnl anders. Die Altäre der geosteten Kirchen stehen im Osten und der Eingang ist in der Regel im Westen. Der primäre Zweck der ostseitigen Ausrichtung ist, die Altarseite für den Frühgottesdienst in das Morgenlicht zu stellen. Die Eingangsseite der Kirchen ist ab dem Mittelalter immer die Westfassade. Über dem Portal, dem Eingang der Kirchen, gibt es häufig Rundfenster, durch die die Nachmittags- oder Abendsonne fällt.

Weitere Nachrichten aus Roding und der Region lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht