mz_logo

Region Cham
Montag, 20. August 2018 27° 2

Dilemma

Dem Freibad droht der „Sudden Death“

Roding arbeitet sich daran ab, das Platschare vital zu halten. Dennoch rückt das Ende näher. Markus Söder weiß Bescheid.
Von Rupert Schlecht

Bange Frage trotz glitzernder Kulisse: Wie lange noch stürzen sich wagemutige Badegäste im Platschare vom Sprungturm? Foto: Rupert Schlecht
Bange Frage trotz glitzernder Kulisse: Wie lange noch stürzen sich wagemutige Badegäste im Platschare vom Sprungturm? Foto: Rupert Schlecht

Roding.Zweifelsohne – das Rodinger Familienspaßbad mit dem lautmalerischen Namen „Platschare“ ist ein Juwel in der Bäder-Landschaft des Landkreises Cham, schlicht und ergreifend, weil es „hoch über Stadt“ am Nanzinger Weg genial positioniert ist: Ringsum umkränzen Bäume und Sträucher das Gelände mit sattem Grün, das reichlich Schatten spendet. Andererseits sind dort die Liegwiesen derart großflächig dimensioniert, dass die Besucher ausgiebig in der Hitze brutzeln können. Die Wasserratten indes sind erpicht auf 60-Meter-Rutsche, 50-Meter-Sportbecken, beheiztes Freizeitbecken, Sprungbecken samt Fünf-Meter- und Drei-Meter-Turm sowie Ein-Meter-Brett. Und währenddessen sich der jüngste Nachwuchs im Kinderplanschbecken tummelt, fließt auf den Beach-Volleyballfeldern der Schweiß.

Und immer wieder Reparaturen

Die Freude darauf, dass das Platschare diesen Samstag startet, ist enorm. Andererseits könnte einem aber auch das Blut in den Adern gefrieren, wenn man bedenkt, dass für’s Freibad heuer „von heute auf morgen“ das letzte Stündlein schlagen könnte. Mit dieser unbequemen Wahrheit hält Vorstand Manfred Janker von den Städtischen Betrieben Roding nicht hinter dem Berg. Jancker ist weder Pessimist, Fatalist noch Utopist, sondern Realist. Bekanntermaßen sei die Technik des Mitte der 1970er Jahre eröffneten Freibades definitiv arg veraltet und dementsprechend nicht vor Defekten, Ausfällen etc. gefeit. Janker erinnert zum Beispiel an jenen Riss in einem Becken, welchen man in der Saisonpause schweißen musste (wir berichteten). Allein diese Reparatur habe 35 000 bis 40 000 Euro an Kosten verschlungen.

Bauchgrimmen verursache die marode Technik von anno dazumal allemal. „Jede Sekunde kann ein technischer Ausfall passieren.“ Er persönlich, und das gehöre sich ehrlicherweise auch so nach außen kommunziert, könne echt keine Garantie dafür geben, dass das Platschare diese Freibad-Badesaison durchhält. Ein undichter Filter etwa könnte schon das plötzliche Ende signalisieren. Mit Sicht auf eine möglicherweise defekte Umwälzpumpe hingegen könnte man „irgendwo auf der Welt“ ein Ersatzteil herbringen – aber auch nur „vielleicht“ ...

Generalsanierung oder Neubau?

Glosse

Mit Söder baden gehen

Der bis dato zumeist sonnig-warme Mai schürt die Hoffnung auf Sommer. Und Sommer bedingt mitunter jene erfrischende Aussicht darauf, sich an heißen Tagen...

Mit dieser Wahrheit müsse man leben. Wer als Außenstehender annehme, dass man sich auf Dauer mit Flickwerk an Reparaturen im Platschare über Wasser halten könne, irrt. Angesichts (notwendiger) moderner Technik würde der jetzige Raum dafür aber ohnehin gar nicht ausreichen. Und so, auch darum macht Janker kein Geheimnis, hänge das Eine auch vom Anderen ab... Die Kommune sei mächtig in der Bredouille. Auf Nachfrage macht auch Bürgermeister Franz Reichold, Verwaltungsratsvorsitzender der Städtischen Betriebe Roding, kein Hehl daraus, dass dem Platschare 2018 womöglich die letzte Freibadsaison beschieden sein könnte. Insofern stünde Roding 2019 und folgende Jahre ohne Freibad da, ein tieftrübes Szenario deshalb, weil ein/das Freibad wichtiger „weicher Standortfaktor“ für eine/die Kommune sei.

Vor diesem Hintergrund spiegelten sich für Roding am Horizont zwei denkbare Szenarien wider: 1. Generalsanierung des Platschare (Reichold beziffert die Kosten auf geschätzt zehn bis zwölf Millionen Euro); 2. neues Ganzjahresbad (Kosten geschätzt 15 bis 18 Millionen Euro). Die Stadt aber stecke so oder so in der Zwickmühle. Weder das eine noch das andere Mammutprojekt wäre für Roding ohne eine Förderung zu stemmen. Der Freistaat Bayern könnte helfen, weshalb sich Reichold an Ministerpräsident Markus Söder gewandt hat – Reichold zufolge mit der Bitte um Förderung. Diesen Schritt habe er nicht ad hoc, sondern seit längerem in Erwägung gezogen.

„Der große Wurf“

Franz Reichold ist sich nach wie vor teils heftiger Kritik bewusst, die mit der Absicht, ein Ganzjahresbad zu errichten, einhergeht. Er erinnert aber daran, dass einst, als das Platschare vor über 40 Jahren gebaut worden ist, die Stadt jenes Projekt auch nicht einfach so locker habe finanzieren können. Und dennoch sei der Stadt Roding einst „der große Wurf“ gelungen, einer, der jetzt beinahe schon fast 50 Jahre reiche. Reichold argumentiert: Ein Bad sei eine lohnende Investition in die Zukunft von Stadt und Region und Bürgern, und zwar über Jahrzehnte hinaus. Selbst Unternehmer, mit denen er spreche, goutierten weiche Standortfaktoren (wozu ein tolles Bad zähle), um den Ort, selbst, wenn er aufblühender Industriestandort sei, für die Bevölkerung und kommenden Generationen attraktiv(er) zu gestalten.

Derzeit liegt der Ball also bei Söder. Nicht nur beim Landesvater gräbt sich die Gretchenfrage wohl in den Gehörgang: Gewährt das Land Förderung, ja oder nein? Die Antwort werde die weitere Debatte im Stadtrat sowie in der Bevölkerung bestimmen, sagt Bürgermeister Reichold. Die Entscheidung könne nicht mehr bis ultimo hinausgeschoben werden. „Ein Entschluss sollte noch heuer getroffen werden.“ Reichold: „Wir müssen auf alle Fälle verhindern, dass Roding kein Bad hat.“

Weitere Themen aus Roding lesen Sie hier

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht