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Umwelt

Demonstranten bieten Industrie die Stirn

Auch eine Chamer Delegation trat in Berlin unter dem Motto „Wir haben es satt!“ für eine weltweite Agrarwende ein.

Eine große Delegation aus Ostbayern nahm an der Kundgebung in Berlin teil. Foto: Kurzmann
Eine große Delegation aus Ostbayern nahm an der Kundgebung in Berlin teil. Foto: Kurzmann

Landkreis.Trotz widriger Witterungsbedingungen machten sich Mitglieder des BN, Kreisgruppe Cham, des LBV und der Bürgerinitiative Bayerischer Wald (BI) auf den Weg nach Berlin, um bei einer Demonstration unter dem Motto „Wir haben es satt! – Der Agrarindustrie die Stirn bieten!“ ihr Anliegen für eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft sowie für den Erhalt der Artenvielfalt lautstark kund zu tun. Zahlreiche Organisationen, darunter Umweltverbände, kirchliche Gruppierungen, Verbraucherschutzorganisationen und bäuerliche Vereinigungen, fanden sich zu einem Trägerkreis zusammen, um auf Missstände hinzuweisen und für eine zukunftsfähige Agrar- und Ernährungspolitik zu werben.

30 000 Teilnehmer, so die Angaben der Veranstalter, folgten dem Aufruf. Die Demonstration fand zum achten Mal statt – und noch nie kamen so viele Bürger in der Bundeshauptstadt zusammen. Gerade der Schulterschluss zwischen Umweltverbänden und bäuerlichen Organisationen wie dem Bund Deutscher Milchviehhalter sollte laut einer Pressemitteilung zeigen, „dass die Forderungen für den Erhalt einer bäuerlichen Landwirtschaft anstelle von Agrarfabriken ein gemeinsames Anliegen sind“. „Vier weitere verschenkte Jahre in der Agrarpolitik? Das können wir uns nicht leisten“, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, bei der Auftaktkundgebung am Hauptbahnhof. Dringender denn je brauche man eine bäuerliche, ökologischere Landwirtschaft.

Doch wer etwas verändern wolle, lege sich mit der mächtigen Agrarlobby an. Die Politik müsse endlich den Interessen der Menschen folgen, „statt Konzernen zu mehr Macht zu verhelfen“.

Der Sprecher der Umweltschutzorganisation NABU machte den drastischen Rückgang der Artenvielfalt deutlich. 76 Prozent weniger Insekten – das sei eine alarmierende Zahl, deren Ursache der enorme Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln sei. Die stete Zunahme des Pflanzenschutzmitteleintrags und der Eintrag von Gülle verunreinigten das Grundwasser, unterstrich ein Vertreter der Wasserwirtschaft. Trinkwasser gelte es zu schützen, denn die steigenden Kosten der Wasseraufbereitung könnten nicht wie bisher dem Steuerzahler aufgebürdet werden. Hier müsse endlich das Verursacherprinzip angewandt werden.

„Gesundes Essen von Bäuerinnen und Bauern für alle“, forderte ein Sprecher von attac. Unternehmen wie Bayer und Monsanto fusionierten zu Megakonzernen, „wollen Macht vom Acker bis zum Teller und verdienen Milliarden mit unserem Essen“, kritisierte er.

Für eine globale Agrarwende sprach sich Professor Antônio Andrioli aus Brasilien aus. Der Fachmann war im November in Cham zu Gast und den Teilnehmern von BN, LBV und BI bestens bekannt. Aggressive Exportstrategien und verfehlte Agrarpolitik ruinierten Bauern auf der ganzen Welt, sagte Andrioli. Mit Kampfpreisen und Landraub zögen Konzerne den Bauernhöfen den Boden unter den Füßen weg.

Das Höfesterben zu stoppen sowie „gesundes, gentechnikfreies Essen für alle“ lauteten einige Forderungen der Bauern, die die Abschlussveranstaltung vor dem Brandenburger Tor gestalteten.

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