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Region Cham
Dienstag, 19. Juni 2018 24° 3

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Den Plausch gibt’s zur Frische obendrauf

Jeden Dienstag ist in Waldmünchen Wochenmarkt. Wir haben uns umgesehen und und eine überraschende Erkenntnis gewonnen.
Von Petra Schoplocher

Schlangen- oder Minigurke? Die Kunden wissen die Auswahl, Qualität und Frische der Anbieter, hier die Gemüsegärtnerei Steinhilber, zu schätzen. Für sie ist Christine Hoch im Einsatz, die immer gerne auf den Waldmünchener Wochenmarkt fährt. Foto: Schoplocher
Schlangen- oder Minigurke? Die Kunden wissen die Auswahl, Qualität und Frische der Anbieter, hier die Gemüsegärtnerei Steinhilber, zu schätzen. Für sie ist Christine Hoch im Einsatz, die immer gerne auf den Waldmünchener Wochenmarkt fährt. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Pilze. Ausgerechnet Pilze! Aber Nadine Eger und Christine Hoch müssen es schließlich wissen. Bei Wind und Wetter stehen die beiden Frauen Dienstag für Dienstag auf dem Marktplatz und verkaufen Obst, Gemüse und Pflanzen. Sie kennen „ihre“ Waldmünchener und deswegen wissen sie auch, dass die weniger Salat kaufen, dafür aber „mehr Pilze“.

Jeder Markt hat seine Eigenheiten, berichtet Eger zwischen zwei Kunden. In der Trenckstadt sei das eben die Pilz-Nachfrage. Mit ihrer Kollegin verkauft sie aber nicht nur, die beiden packen und verladen die frischen Bio-Waren auch selbst. „Erfahrungswerte“, erklärt sie auf die Frage, wie das Sortiment zusammengestellt wird. Sechs Märkte von Weiden bis Nabburg fahren beide an, den Waldmünchener mögen sie besonders. Im Gegensatz zu den größeren sei nämlich Zeit, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. „Es ist schön familiär hier“,. ergänzt Christine Hoch, die auf der Rückfahrt schon einmal nachrechnet, welcher Stammkunde an jenem Tag abgegangen ist.

„Es ist solange supi, solange der Wind nicht geht“, weiß Nadine Eger aus jahrelanger Waldmünchen-Erfahrung. Im Winter sei die Kleidung zudem „das A und O“ und wenn es richtig kalt werde, „machen wir an den Seiten zu“. Zuhause bleiben geht selbst bei Minusgraden nicht.

Der Kunde schätzt Zuverlässigkeit, folglich müsse man immer präsent sein, weiß auch Raphael Albrecht, der Kartoffeln aus eigenem Anbau in Schäferei verkauft. „Wie schon mein Großvater“, erzählt der Junior vom Lenznhof. Für ihn ist Waldmünchen der einzige Markt, mehr (Zeit) kann der Kleinbetrieb, der noch einen Hofverkauf hat, nicht stemmen. An dem Dienstagsmarkt mögen er und seine Frau Julia aber festhalten, wenngleich sie beobachten, dass das Publikum zusehends älter wird „und die Jungen nicht nachkommen“. Auftrieb gebe aber, dass die Kunden die Produkte zu schätzen wissen. „Weil sie wissen, wo es herkommt.“

Erst ein paar Dienstage hat Raphael Ermeier auf dem Waldmünchener Markt absolviert, den er „echt schön“ findet. Vor allem, weil die Leute „voll nett“ seien, erzählt der junge Mann, der für den Spargelhof Waldmüller aus Abensberg die Stellung hält. Neben Waldmünchen, wo er von 8 bis 12 Uhr „Dienst“ hat, fährt er an anderen Tagen noch bis fast an die Grenze nach Baden-Württemberg und den Landkreis Tirschenreuth.

Familiäre Atmosphäre

Auch dort sind es eher kleine Märkte, die den Vorteil haben, dass Zeit für einen Ratsch mit den Besuchern, aber auch die Kollegen ist. Obwohl er erst so kurze Zeit präsent ist, kennt er schon viele und weiß, „dass der Kartoffelbauer den gleichen Vornamen hat.“

Markus Bauer dürfte die kürzeste Anfahrt haben. Der Ulrichsgrüner bringt vorwiegend Eier, aber auch Nudeln und Honig mit. Er hat fast nur Stammkunden, der Waldmünchener Markt ist der einzige, den er und seine Frau Gaby, die Inhaberin, beliefern. Foto: ps
Markus Bauer dürfte die kürzeste Anfahrt haben. Der Ulrichsgrüner bringt vorwiegend Eier, aber auch Nudeln und Honig mit. Er hat fast nur Stammkunden, der Waldmünchener Markt ist der einzige, den er und seine Frau Gaby, die Inhaberin, beliefern. Foto: ps

Markus Bauer aus Ulrichsgrün hat fast nur Stammkunden. Manchmal, erzählt der „Eiermann“, würden sogar Urlauber noch extra halten und Eier mit nach Hause nehmen. Diejenigen, die er aktuell verkauft, wurden am Samstag gelegt, erzählt er. „da muss man sich bezüglich der Haltbarkeit keine Sorgen machen.“ Nicht einmal im Hochsommer benötigt er in seinem Verkaufsstand eine Kühlung – manchmal aus dem einfachen Grund, dass „kurz nach zehn schon alle Eier weg sind“. Direkt ab Hof mit 300 Legehennen werden noch Gockel verkauft, die meisten auf Vorbestellung, ergänzt er.

Auch Kinder mögen Rosswurst

Der Stand mit den Rosswürsten wirkt wie ein Magnet. „Viele kommen auch und holen Vesper“, weiß Elisabeth Bock. Wie die anderen Fieranten kann auch die Pferdemetzgerei Herbert Hierold aus Eslarn auf Stammkunden zählen. Foto: ps
Der Stand mit den Rosswürsten wirkt wie ein Magnet. „Viele kommen auch und holen Vesper“, weiß Elisabeth Bock. Wie die anderen Fieranten kann auch die Pferdemetzgerei Herbert Hierold aus Eslarn auf Stammkunden zählen. Foto: ps

Vom Kind bis zum Senior – Die Kunden am Rosswurststand sind bunt gemischt, berichtet Elisabeth Bock, etwa die Hälfte ist „Sofortverzehrer“. Dass vor allem Ältere Rosswurst schätzen, kann sie nicht teilen. Was sie aber weiß: Die meisten essen ihre Wurst warm.

„Ganz klar das Holzofenbrot“, sagt Verkäuferin Sonja über das beliebteste Produkt der Bäckerei Dirscherl aus Kühberg bei Furth im Wald. An diesem Tag waren aber auch „süße“ Kunden unterwegs. Vor 11 Uhr waren die Teilchen schon aus. Foto: ps
„Ganz klar das Holzofenbrot“, sagt Verkäuferin Sonja über das beliebteste Produkt der Bäckerei Dirscherl aus Kühberg bei Furth im Wald. An diesem Tag waren aber auch „süße“ Kunden unterwegs. Vor 11 Uhr waren die Teilchen schon aus. Foto: ps

Während Elisabeth Bock noch in Schwandorf oder Oberviechtach verkauft, ist die Bäckerei Dirscherl mit Furth im Wald, Kötzting, Roding und Cham regionaler unterwegs. Ein paar Schritte weiter duftet es nach den mediterranen Spezialitäten von Murat Tucer. Schon sein Vater war mit dem Stand in Waldmünchen, erzählt der junge Steinberger, dem vor allem auffällt, dass die Leute fast immer gut gelaunt sind. Seit Kurzem ist er auch der „Käsemann“, genauer Bergkäsemann.

„Marktmeister“ Richard Gschwendtner Foto: ps
„Marktmeister“ Richard Gschwendtner Foto: ps

Einen, den alle Fieranten kennen, ist Richard Gschwendtner, der vonseiten der Stadt für die Märkte zuständig ist – auch die, die vier Mal im Jahr extra stattfinden und kein Vergleich mehr zu früher sind. Jeden Dienstag dreht er seine Runde und kassiert die Standgebühren ab. Diese sind moderat, schließlich begrüße die Stadt die Belebung. Aus jedem Segment werde nur ein Anbieter zugelassen, erklärt er weitere Spielregeln.

Als Marktmeister, so sein Titel, hat er für die Standleute ein offenes Ohr, Klagen muss er sich aber so gut wie nie anhören, „die Fieranten scheinen mit den Geschäften zufrieden.“ Und wenn das nicht reicht, verrät ihm am Dienstag ein Blick aus seinem Bürofenster, dass der Wochenmarkt gut läuft.

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