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Theaterkritik

Der Bayerwald im Brandner-Bann

Was bewegt die Zuschauer am Brandner Kaspar des Lichtenegger Bundes? Unser Autor Alois Dachs ergründet einen Dauerbrenner.
Von Alois Dachs

Das Marerl darf durch das himmlische Fernrohr auf die Erde sehen, wo sie in Rimbach kurz zuvor durch die Kugel des Simeth Jackl den Tod gefunden hat. Foto: Christa Rabl-Dachs
Das Marerl darf durch das himmlische Fernrohr auf die Erde sehen, wo sie in Rimbach kurz zuvor durch die Kugel des Simeth Jackl den Tod gefunden hat. Foto: Christa Rabl-Dachs

Rimbach.Auf jeden Fall anschauen, kann als Empfehlung an Theaterfreunde gegeben werden, wenn es um den „Brandner Kaspar“ auf der Burgruine Lichtenegg geht. Diese Empfehlung erscheint aber weitgehend überflüssig, denn auch im dritten Aufführungsjahr waren alle Vorstellungen innerhalb weniger Tage ausverkauft. Was bewegt eigentlich die Menschen, sich eine Komödie anzusehen, deren Inhalt zumindest (fast) jeder erwachsene Bayer kennt?

Vielleicht ist es gerade der hohe Bekanntheitsgrad des Stückes, das deshalb immer mit bekannten Schauspielern in Verbindung gebracht wird, denn ohne Zweifel wird verglichen, zwischen Profischauspielern wie Toni Berger, Paul Hörbiger, Franz Xaver Kroetz oder Michael Bully Herbig und Laiendarstellern wie Ernst Martin und Walter Kolbeck.

Messlatte liegt hoch

Der Vergleich hinkt? Nicht für das Gros der Zuschauer, die natürlich vor allem bei den Hauptdarstellern der Theaterfassung von Franz von Kobell die Messlatte sehr hoch anlegen. Dabei zeigte die Premiere auf Lichtenegg am Samstagabend eindrucksvoll, dass es keineswegs nur die allseits bekannten „Schlüsselszenen“ wie das Karteln um 14 Lebensjahre mehr für den Brandner Kaspar oder die Aufdeckung der peinlichen Panne in der himmlischen Eingangshalle sind, die das Publikum mitreißen.

Den Bericht zur Premiere des Brandner Kaspars am Samstagabend finden Sie hier

Schlussapplaus für eine gelungene Premiere mit Schirmherrn und Regisseur Johannes Reitmeier (links) Foto: Alois Dachs
Schlussapplaus für eine gelungene Premiere mit Schirmherrn und Regisseur Johannes Reitmeier (links) Foto: Alois Dachs

Nein – es ist das gelungene Konglomerat von Schauspielkunst, genialen Regieeinfällen, zünftiger musikalischer Einstimmung und einer durchdachten Bühnentechnik, die das Publikum mitreißt. Es geht hier nicht darum, zu bewerten, ob Laien oder Profis diese oder jene Rolle besser spielen können, sondern ganz klar um den persönlichen Bezug zu den Akteuren, die vom kleinsten Engerl bis zum lang gedienten Senior auf der Bühne ihr Bestes geben. Die enorme Disziplin aller beeindruckt, da sind die Spitzenleistungen in einigen Hauptrollen gar nicht so wichtig – auch wenn sie natürlich am meisten beklatscht werden.

Die Bediensteten verfolgen interessiert das Geschehen beim Bürgermeister. . Foto: Christa Rabl-Dachs
Die Bediensteten verfolgen interessiert das Geschehen beim Bürgermeister. . Foto: Christa Rabl-Dachs

Es mag als Synonym für das besondere Engagement vieler Beteiligter zu werten sein, dass sie nicht nur eine Rolle in diesem Stück spielen. Den aufmerksamen Zuschauern entgeht natürlich nicht, dass die im ersten Teil hochnäsig und verschlagen auftretende Bürgermeisterstochter später in der himmlischen Gesellschaft als ausdrucksstarker Engel zu bewundern ist, und dass selbst der Stoiber Gustl vom Wildschützen auf Erden zum Harfe spielenden „Portalengel“ im Himmel wird. Das ist kein Ausdruck von „Personalverknappung“, sondern ganz einfach Ausdruck der Begeisterung, von der schon viele Inszenierungen der Rimbacher Theaterspieler getragen wurden.

In unserer Bildergalerie finden Sie die schönsten Impressionen der Premierenfeier

Brandner Kaspar Premiere

Beim Kartenspiel legt der Brandner den betrunkenen Boindlkramer herein. . Foto: Christa Rabl-Dachs
Beim Kartenspiel legt der Brandner den betrunkenen Boindlkramer herein. . Foto: Christa Rabl-Dachs

Unter der Regie von Johannes Reitmeier sind seit Jahrzehnten schauspielerische Charaktere entwickelt worden, die viele Rollen professionell umsetzen, und es kommt nicht von ungefähr, dass einzelne Akteure beim Brandner Kaspar noch kein Wort gesagt haben, aber schon tosenden Applaus ernteten. Als ein Beispiel sei der schusselige Zeremonienmeister an der Himmelspforte („Flammenschwert“ müssen ihn die Engel immer wieder erinnern) genannt, der mit frisch gewickeltem Haupthaar, goldenen Schuhen und weibischen Gesten zur unvergesslichen Figur an der Himmelpforte wird. Wie bei allen Darstellern wird bei ihm besonders sichtbar, welch gute Arbeit von den Maskenbildnern und in der Kostümkammer geleistet wird.

Es sind nicht nur die großen Gesten und die allseits bekannten Zitate wie „Es ist dir aufgesetzet“, die das Publikum begeistern, sondern die vielen kleinen Details, die den „Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ in den Herzen der Zuschauer unsterblich machen. Deshalb freuen sich die Theaterspieler zu Recht über ein volles Haus – es ist der Verdienst aller.

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