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„Der Bräu von Minsta“ ist tot

Mit Brauereibesitzer Alfons Hintereder wird am Donnerstag eine Institiution in Chammünster zu Grabe getragen. Er starb mit 91 Jahren.

Alfons Hintereder am Holzherd in der Minstacher BrauereiFoto: Archiv

CHAMMÜNSTER. Am Montag verstarb Alfons Hintereder, Brauereibesitzer von Chammünster, im Alter von 91 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls im Chamer Krankenhaus. In den letzten Monaten war er noch im BRK-Seniorenheim in Bad Kötzting umsorgt worden, doch nun war sein Körper trotz seiner bekannten Zähigkeit doch zu sehr geschwächt, so dass er den Krankheitsauswirkungen nicht mehr standhalten konnte. Eine Minstacher Institution ist tot. Er war nicht unumstritten, das Granteln war sein Markenzeichen und doch war er recht beliebt im Dorf und darüber hinaus.

Am 7. März 1922 wurde Alfons Hintereder in Chammünster geboren, als zehntes von elf Kindern (eigentlich 13, doch waren zwei Geschwister noch als Kleinkinder gestorben) des Minstacher Bräus. Nach dem Besuch der Volksschule in Chammünster, damals noch gleich über der Straße im Kirchhof gelegen, wechselte er an die Mittelschule (heute Realschule) Donauwörth und begann danach eine Lehre im Brauhandwerk im elterlichen Betrieb in Chammünster.

Doch der Zweite Weltkrieg nahte und Alfons wurde als Jugendlicher zunächst zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, bevor er als Soldat in den Russlandfeldzug geschickt wurde. Diese Kriegsjahre haben ihn sehr geprägt und er erzählte später immer wieder von seinen schrecklichen, aber auch einigen schönen Erlebnissen.

55 Jahre als Brauerei-Chef

Nach Ende des Krieges kehrte er nach Chammünster zurück und erlangte bei der Handwerkskammer in Cham den Meisterbrief im Brauerhandwerk. Nach dem Tod seines Vaters 1957 übernahm er den Betrieb und führte ihn bis zuletzt als Inhaber und Eigentümer, insgesamt 55 Jahre war er also „da Brai vo Minsta“.

Stolz war er stets auf die lange Tradition der Minstacher Brauerei als einer der ältesten Privatbrauereien Altbayerns – und damit der Welt –, die er weiterführen durfte. So war es ihm auch ein Anliegen, dass diese Geschichte mit ihm nicht endet, und er band, da trotz kurzer Ehe kinderlos geblieben, seinen Neffen Georg Siegl, Sohn seiner Schwester Luise Siegl, als seinen Nachfolger schon vor vielen Jahren in die Brauerei ein und ließ ihn in den letzten Jahren dort eigenverantwortlich walten.

Tradition und Fortschritt waren zwei Gegensätze, die in Alfons Hintereder vereint waren. So baute er in der Zeit, als er neben der Brauerei noch eine Landwirtschaft führte, als einer der ersten in Bayern einen so genannten Schwedenstall für die Bullenmast, der viele Interessenten anlockte. Heute findet man in der Halle anderes Getier: der Rassegeflügelzuchtverein Cham hält dort seine Verkaufsausstellungen ab – und sonst haben Fest- und Partygäste immer wieder ihre Gaudi oder der Minstacher Fasching.

Andererseits war die Brauereigaststätte noch bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Pilgerort für Chamer Bürger am Sonntagmittag, die gute bayerische Küche von Alfons Schwestern war weit bekannt und der Alfons stand hinter der Theke und füllte die Biergläser mit „Minsta Hell“. Heute gibt’s nichts mehr zu essen, aber das Minstacher Bräubier lockt weiter etliche Liebhaber in die ursprüngliche Gaststube oder im Sommer auf die Bierbänke vor dem Haus.

Die Jagd und das Glück in der Ferne

Eine Leidenschaft des Minstacher Bräus war die Jagd. Als er noch richtig marschieren konnte, richtete er Treibjagden aus oder ging auch alleine auf die Pirsch. Überhaupt liebte er die Natur und den Wald, und seine Forstparzellen auf dem Lamberg pflegte er mit viel Liebe. Andererseits suchte er auch das „Glück in der Ferne“ und unternahm fast jedes Jahr Fernreisen. Ganz im Gegensatz dazu lebte er aber im Alltag ganz bescheiden und gönnte sich selbst sehr wenig. Sein uraltes, grünes Mercedes-Cabriolet war sein einziges Statussymbol, das mit ihm ein recht hohes Alter erreichte.(chi)

Trauergottesdienst mit Beerdigung am Donnerstag um 14.30 Uhr im Marienmünster Chammünster

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