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Theater

Der Brandner Kaspar spielt mit dem Tod

„Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ feiert auf der Burgruine Lichtenegg Premiere und löst Begeisterungsstürme aus.
Von Alois Dachs

Der Brandner Kaspar lässt sich überreden zu einem unverbindlichen Blick ins Paradies. Foto: Rabl-Dachs
Der Brandner Kaspar lässt sich überreden zu einem unverbindlichen Blick ins Paradies. Foto: Rabl-Dachs

Lichtenegg.So müsste der Himmel der Bayern aussehen! Franz von Kobell, der Verfasser der „Gschicht vom Brandner Kaspar“, die 1934 von dem Münchner Schriftsteller Joseph Maria Lutz unter dem Titel „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“ dramaturgisch gesteigert und von dem Münchner Regisseur Kurt Wilhelm unter dem Titel „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ schließlich zu Weltruhm geführt wurde, wäre sicher mit dem LiBu zufrieden gewesen. Schöner als bei der Premiere im dritten Aufführungsjahr kann dieses Stück kaum gezeigt werden – ein Bravo allen Mitwirkenden auf, vor und hinter der Bühne!

Peter Lang, der Schirmherr 2018, ist seit 2001 Fan des Theatervereins auf der Burg. Foto: Rabl-Dachs
Peter Lang, der Schirmherr 2018, ist seit 2001 Fan des Theatervereins auf der Burg. Foto: Rabl-Dachs

2. Bürgermeister Heinz Niedermayer freute sich mit den LiBu-Verantwortlichen unter Führung von Walter Kolbeck, dass auch im dritten Aufführungsjahr alle Vorstellungen binnen zwei Tagen ausverkauft waren. Er dankte allen Mitwirkenden, die zum Teil schon seit Jahrzehnten den Namen Rimbach weit über die Gemeindegrenzen hinaus mit den Theaterinszenierungen unter der Regie von Johannes Reitmeier bekannt machen. Neben dem diesjährigen Schirmherrn, dem Landschaftsmaler Peter Lang, hieß der 2. Bürgermeister eine Reihe von Ehrengästen willkommen, auch mehrere Vereinsabordnungen und Mitarbeiter von Unternehmen aus der Region.

Generationen übergreifend

Die Erfolgsgeschichte des Lichtenegger Bundes zeigt sich beim „Brandner Kaspar“ besonders deutlich in der nach Jahren bunt gemischten Spielschar. Von sieben bis über 70 Jahren reicht altersmäßig die Zusammensetzung der Akteure, und das zeigt eindrucksvoll, dass dem LiBu für die Zukunft nicht bange sein muss. Talentierter Nachwuchs ist vorhanden und fügt sich bestens in das schauspielerische Gesamtkonzept ein. So haben in dem aktuellen Stück die Kinder nicht nur das „erste Wort“, sie wirken auch in den himmlischen Szenen als lebhafte Engelschar am Schluss gekonnt mit.

Hier finden Sie eine Theaterkritik zur Vorführung des Erfolgsstückes auf der Lichtenegger Bühne

Der Brandner Kaspar muss sich für seine irdischen Verfehlungen beim Portner erklären. Foto: Rabl-Dachs
Der Brandner Kaspar muss sich für seine irdischen Verfehlungen beim Portner erklären. Foto: Rabl-Dachs

Nicht nur der Landschaftsmaler Peter Lang, der heuer als Schirmherr beim Lichtenegger Bund tätig ist, zeigte sich am Ende begeistert von der großartigen Ensembleleistung, der Situationskomik und dem Einsatz aller Spieler. Minutenlange Ovationen der begeisterten Zuschauer machten deutlich, dass die Leistung aller Mitwirkenden Anerkennung beim Publikum findet. Die Ehrengäste wurden nicht müde, bei der anschließenden Premierenfeier vor allem den „Boindlkramer“ (Ernst Martin) als Partner für ein Selfie zu bitten. Wann ist schon Gelegenheit, sich mit jener Gestalt ablichten zu lassen, deren Begegnung naturgemäß jeder Mensch zu Lebzeiten gerne vermeiden möchte?

In unserer Bildergalerie finden Sie die schönsten Impressionen der Premiere

Brandner Kaspar Premiere

Schirmherr Peter Lang ermunterte die Festspieler, mit ähnlich erheiternden Aufführungen weiter zu machen, denn nichts sei schöner, als den Menschen auf diese Art Freude zu bereiten. Die Schlüsselszene des Stückes, das vom Brandner Kaspar inszenierte Kartenspiel um den Grasober, dessen Besitz über weitere 14 Lebensjahre für ihn entscheiden soll, zählt wohl zu den bekanntesten Theaterszenen im gesamten deutschsprachigen Raum.

Die Musikanten und Sänger tragen viel zum Erfolg des „Brandner Kaspar“ bei. Foto: Rabl-Dachs
Die Musikanten und Sänger tragen viel zum Erfolg des „Brandner Kaspar“ bei. Foto: Rabl-Dachs

Die anfänglich noch durch himmlisches Alkoholverbot gebremste Gier des Boindlkramer nach Kerschgeist kommt danach umso stärker zum Ausdruck und der steigende Alkoholpegel scheint die schauspielerische Ausdruckskraft regelrecht zu beflügeln. Trotzdem muss er die durch Hinterlist geübte Überlegenheit seines „Opfers“ letztlich anerkennen, auch wenn nicht klar ist, wie er dem Portner später erklären soll, warum der Brandner Kaspar noch lebt.

Ein Portrait zum Hauptdarsteller des Traditionsstückes, Walter Kolbeck, lesen Sie hier

Wo der Weltverdruss hilft

Während er bemüht ist, sein Versäumnis durch den Diebstahl des himmlischen Journals zu verschleiern, kommt durch den viel zu frühen Tod der Enkelin Marerl auf, dass hier etwas schief läuft. Wie sich der Boindlkramer unter den Vorwürfen des Portners windet, wie er um Gnade winselt, um im nächsten Moment frech Verständnis einzufordern, das alleine würde das Stück schon sehenswert machen.

Letztlich spielt die fehlende Lebensfreude des Brandner Kaspar dem Boindlkramer in die Karten. Selbst die himmlische Obrigkeit kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Und der Satz „D’Maria locht heut no!“ trifft sicher auch auf viele Zuschauer zu.

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