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Verkehr

Der Führerschein verliert an Stellenwert

Immer mehr Fahrschüler in Bayern fallen durch. Rodings Fahrlehrer sehen das nicht, fordern aber eine präzisere Vorbereitung.
Von Bastian Schreiner

In Deutschland fallen immer mehr Schüler durch die Führerscheinprüfung. Rodings Fahrschulen können dien Trend nicht bestätigten. Foto: Armin Weigel/dpa
In Deutschland fallen immer mehr Schüler durch die Führerscheinprüfung. Rodings Fahrschulen können dien Trend nicht bestätigten. Foto: Armin Weigel/dpa

Roding.In Bayern fallen immer mehr Fahrschüler durch die Führerscheinprüfung. Mehr als jeder Dritte hat im vergangenen Jahr nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts den Schein nicht auf Anhieb bestanden. Das ist das schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren. Den Trend kann Armin Prommersberger von der gleichnamigen Rodinger Fahrschule nicht bestätigen. „Die Kandidaten sind nicht schlechter, aber der Stellenwert des Führerscheins sinkt“, sagt er. Viele Schüler würden sich viel mehr Zeit lassen und den Schein nur „nebenbei machen“.

Prommersberger kann sich durchaus vorstellen, dass in Großstädten mehr Fahrschüler durchfallen. Auf dem Land würden die jungen Leute noch andere Grundqualifikationen mitbringen: „Da wächst man mit Maschinen auf, schaut dem Papa über die Schulter und hat so mehr Bezug zur Technik.“ In der Großstadt hingegen würden die Schüler in das Fahrschulauto einsteigen und zum ersten Mal drei Pedale sehen.

Reihenweise null Fehler

Papier-Fragebogen haben ausgedient: Die Theorie-Prüfungen finden mittlerweile ausschließlich digital statt. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Papier-Fragebogen haben ausgedient: Die Theorie-Prüfungen finden mittlerweile ausschließlich digital statt. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Dass die Theorieprüfung mittlerweile am Computer stattfindet, sieht Prommersberger nicht als Nachteil: „Die jungen Leute sind fit mit modernen Medien.“ Zudem seien die Videofragen auch nicht schwerer. Seiner Meinung ist es jedoch sinnvoller, am PC zu lernen als mit dem Smartphone, da auf dem andere Apps ablenken. Dass die Belastung im Laufe der vergangenen Jahre durch mehr pädagogischen Input gestiegen ist, streitet er nicht ab. Lernt man gewissenhaft, schaffe man die Prüfung auch. „Eine gute Vorbereitung ist das A & O“, betont er gegenüber unserem Medienhaus. Auch wenn die Theorieprüfung der ein oder andere nicht gleich besteht, würden viele mit null Fehlern abschließen.

Auch Hermann Pinzinger von der gleichnamigen Fahrschule in Roding kann die hohe Durchfallquote nicht bestätigen. Gründe für das Nichtbestehen kann er nicht nennen. „Lernen muss man ohnehin, egal, ob mit Papierfragebogen oder online“, sagt Pinzinger. Dass eine intensivere Betreuung der einzelnen Kandidaten als vor ein paar Jahren nötig ist, hätten ihm auch Regensburger Kollegen im Gespräch mitgeteilt.

Um die Prüfung zu bestehen, ist laut Pinzinger. eine präzise Vorbereitung wichtig. Die Leute würden viele Jahre in der Schule büffeln, dann einen Beruf erlernen. Doch den Führerschein würde man nur „machen“ statt „lernen“. Das sei der falsche Ansatz, so Pinzinger. Wer nur zum Unterricht „hingeht“, werde sich in der Prüfung schwerer tun.

Dass immer mehr Fahrschüler durch die Prüfungen fallen, beobachtet Thomas Heuberger, Inhaber der Rettenbacher Fahrschule easy drive, seit geraumer Zeit mit Sorge. Diese auf den ersten Blick erschreckenden Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes seien aber mit Vorsicht zu genießen. Die Gründe für die stetig ansteigenden Quoten seien vielfältig. Wie er mitteilt, seien die Prüfungen insgesamt deutlich anspruchsvoller geworden.

Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes

  • Prüfungen:

    Die Anzahl durchgeführter Fahrerlaubnisprüfungen stieg im Jahr 2017 weiter an. Damit setzt sich die seit 2014 zu beobachtende Entwicklung fort. Es wurden 1,82 Millionen (+6,7 Prozent) theoretische und 1,65 Millionen (+3,3 Prozent) praktische Prüfungen absolviert.

  • Misserfolg:

    Im Jahr 2017 fiel in Deutschland mit fast 37 Prozent (Bayern 34 Prozent) mehr als jeder dritte Anwärter durch die Theorieprüfung, rund 28 Prozent scheiterten (Bayern 25 Prozent) an der praktischen Fahrprüfung.

  • Entwicklung:

    Dies ist der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Während der Anteil der nicht bestandenen theoretischen Prüfungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich anstieg, lag die Misserfolgsquote bei den praktischen Prüfungen stets bei etwa 26 Prozent.

  • Grund:

    Eine Erklärung für diese Entwicklung gibt es nicht. Laut TÜV Süd werden die Gründe für das Nichtbestehen nicht erhoben. Trotz der bundesweit einheitlichen Standards lagen die Ergebnisse in den einzelnen Bundesländern weit auseinander.

Auswendiglernen reicht nicht

„In der Theorieprüfung zum Beispiel, die inzwischen ausschließlich am Computer stattfindet, sehen sich die Fahrschüler nicht nur einem von Jahr zu Jahr größer werdenden Fragenkatalog ausgesetzt“, so Heuberger. Anhand von animierten Filmsequenzen müssen teilweise komplexe Verkehrssituationen erfasst und richtig gedeutet werden. „Im Unterschied zu den analogen Fragebögen der Vergangenheit reiche bloßes Auswendiglernen somit häufig nicht mehr aus.“

In der praktischen Fahrprüfung kämpfen die Prüflinge hingegen insbesondere in städtischen Regionen mit hohem Verkehrsaufkommen, da der Straßenverkehr heute dichter und deshalb für Fahranfänger deutlich komplexer zu bewältigen sei. „Mehr Verkehr bedeutet auch mehr potenzielle Fehlerquellen in der Prüfung“, erklärt Heuberger weiter.

Trotz der genannten Gründe sieht Heuberger vor allem auch den eigenen Berufsstand in der Pflicht: „Letztlich ist es die Aufgabe von uns Fahrlehrern, unsere Schüler gezielt auf die Prüfungen vorzubereiten. Für den Erfolg ist dabei nicht nur die Kompetenz des Ausbilders entscheidend, auch die Chemie muss stimmen.“ Wichtig ist es aus seiner Sicht, gleich zu Beginn der Ausbildung auf die individuellen Bedürfnisse der Fahrschüler zu reagieren.

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