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Wirtschaft

Der Gastronomie fehlt das Personal

Sinkende Ausbildungszahlen machen auch Kötztinger Betrieben zu schaffen und zwingen einige, ihre Öffnungszeiten zu verändern.
Von Stefan Weber

Ausdruck des Mangels am Personal in der Gastronomie: Die Zahlen der Auszubildenden an der Hotelfachschule in Viechtach haben sich in den vergangenen zehn Jahren auf ein Drittel reduziert. Foto: dpa
Ausdruck des Mangels am Personal in der Gastronomie: Die Zahlen der Auszubildenden an der Hotelfachschule in Viechtach haben sich in den vergangenen zehn Jahren auf ein Drittel reduziert. Foto: dpa

Bad Kötzting.Sonja Schmelmer steht vor gut 30 Schülern der Karl-Peter-Obermeier-Mittelschule in Bad Kötzting – es ist Berufs-Informations-Tag. An diesem Tag ist sie die „Spitzenreiterin“ unter den Angeboten, wie Rektor Mario Kleinert erklärt. Schmelmer ist Personalleiterin im Bayerwaldhof in Liebenstein und erfährt an diesem Tag einemal mehr: „Masse ist nicht gleich Klasse.“

Ihr Thema sind die Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten auf den Gebieten Hotelfachfrau und -kauffrau sowie Koch und Kosmetikerin. Sonja Plötz, die derzeit im zweiten Lehrjahr zur Fachfrau in Liebenstein steht, ergänzt die Erklärungen von Schmelmer mit eigenen Erfahrungen. Es geht um das Ausbildungsgehalt, die Arbeitszeiten – auch am Wochenende – und die Möglichkeiten, später auch sehr leicht im Ausland Arbeit zu finden, wenn man das möchte. Am Ende der halbstündigen Präsentation meldet sich auf die Frage, wer sich denn ernsthaft für eine Karriere in der Gastronomie interessiere, genau ein Schüler. Der möchte Hotelfachmann werden und kellnert nebenbei bereits. Ansonsten meldet sich niemand.

Rund 200 Mitarbeiter im Hotel

Schmelmer kennt das, denn selbst das renommierte Haus in Liebenstein muss um seine Mitarbeiter werben. Das Interesse an Jobs in der Gastronomie sinke seit Jahren. „Schuld daran sind vor allem die schwarzen Schafe, die über Jahre ihre Mitarbeiter zu schlecht bezahlt und zu lange haben arbeiten lassen“, sagt sie. Um gegenzusteuern, hat der Bayerwaldhof im vergangenen Jahr einen aufwendig produzierten Werbefilm gedreht, in dem um neue Auszubildende geworben wird.

Lesen sie hier, wie der Bayerwaldhof in der Nachwuchswerbung neue Wege geht:

Berufswelt

Bei dieser Werbung fliegen die Federn

Das Hotel Bayerwaldhof Liebenstein bei Bad Kötzting hat eine einzigartige Kampagne gestartet, um Personal zu finden.

Das habe seine Wirkung auch nicht verfehlt, berichtet Schmelmer. Habe sie im vergangenen Jahr insgesamt nur vier Praktikanten gezählt, seien es alleine seit Beginn des Jahres nun schon vier. Insgesamt seine im Hotel 180 feste Mitarbeiter und 20 Auszubildende beschäftigt – wobei das Hotel auch etwa Heizungsbauer selbst ausbilden lasse.

70 Prozent weniger Schüler

Der Bayerwaldhof ist mit diesem Problem bei Leibe nicht alleine. Viele Gaststätten in der Stadt haben in den vergangenen Wochen und Monaten schon die Konsequenz aus dem Mangel an Mitarbeitern ziehen müssen und die Zahl ihrer Ruhetage erhöhen müssen. Es fehlt an Köchen und Servicekräften.

Xaver Dietrich ist Außenstellenleiter der staatliche Hotelberufsschule in Viechtach und kann den Negativ-Trend mit Zahlen untermauern. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Schüler bei uns auf ein Drittel reduziert“, sagt er. Von rund 700 auf heute 260. Für ihn liegt der Hauptgrund in der Wertschätzung des Berufsbildes. „Es braucht ein Umdenken in der Gesellschaft“, lautet seine Überzeugung deshalb. Gerade der Bayerische Wald als Tourismus-Region sei auf die Leistung der Schüler aus Viechtach angewiesen.

„Das Ansehen für die Berufe muss auch bei uns steigen.“

Sonja Schmelmer, Personalleiterin Bayerwaldhof

Zudem verweist auch er auf Fehler einiger weniger Gastronomie-Betriebe in der Vergangenheit. „Wir als Schule können nur Anreize schaffen“, sagt er. Vonseiten der Schule sehe das im Moment so aus, dass vermehrt Schüler der achten und neunten Klassen nach Viechtach eingeladen würden, um sich über den Beruf und die damit verbundenen Aufstiegschancen zu informieren. Außerdem starte die Schule ab dem kommenden Schuljahr das Pilotprojekt die DBFH-Maßnahme. Wer daran teilnehme, schließe seine Berufsausbildung nach zweieinhalb Jahren ab, besuche die Fachoberschule ein halbes Jahr in Vollzeit und schließe letztendlich mit der Fachhochschulreife ab.

Kommentar

Die Gäste und der Gastgeber

Wegen Reichtum geschlossen“ ist nur einer der vielen Kommentare, den sich Wirte in diesen Tagen anhören müssen, wenn die Gäste vor verschlossener Türe...

Dafür müsse der Ausbildungsbetrieb den Schüler allerdings für weitere elf Wochen für die Berufsschule freistellen. Durchaus eine Hürde, wie Dietrich zugibt, „aber eine, die die Betriebe nehmen sollten, wenn sie gut ausgebildetes Personal haben und den Beruf attraktiver gestalten wollen“, ist er sicher. 350 Betriebe habe er bereits angeschrieben und über das neue Angebot informiert. „Ich hoffe, dass wir unterm Strich ein gutes Dutzend Schüler bekommen werden“, sagt er. Anreize, die Hotels und Gastronomien selbst schon geschaffen haben, seien etwa, dass die Arbeitskleidung gestellt und Geld für Fortbildungen zugestanden werde.

„In Österreich hat die Gastronomie einen viel höheren Stellenwert als in Bayern“, bringt es Sonja Schmelmer auf den Punkt. „Aber auch in Bayern leben sehr viele Menschen und Betriebe vom Tourismus, darum muss auch bei uns das Ansehen für diesen Beruf steigen“, sagt sie. Ganz mit leeren Händen gehen sie und Sophia Plötz an diesem Tag dann aber doch nicht von der Mittelschule wieder zurück an die Arbeit im Hotel. Sechs Schülerinnen haben sich nach dem Vortrag der beiden, als alle anderen Schüler den Raum schon verlassen haben, dann doch noch zu den beiden begeben und wenigstens Informations-Material mitgenommen. Vielleicht die neuen Hotelfachfrauen oder -kauffrauen, Restaurantfachfrauen oder Köchinnen von morgen.

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