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Integration

Der Helferkreis wünscht sich Hilfe

Örtliche Asylhelfer in Falkenstein beklagen die fehlende Unterstützung durch die Gemeinde, kirchliche Verbände und Vereine.
Von Anton Feigl

  • In der Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Café Schwarz sind derzeit 59 Flüchtlinge untergebracht. Fotos: rto
  • Bürgermeisterin Heike Fries (Mitte) hörte sich die Nöte und Probleme des Helferkreises an.

Falkenstein. Seit Dezember 2015 gibt es in Falkenstein einen Helferkreis. Die ersten Asylbewerber trafen dann am 10. März 2016 in der Marktgemeinde ein. Zunächst wurden damals 16 Personen im ehemaligen Café Schwarz untergebracht. Nach und nach erhöhte sich die Anzahl, derzeit wohnen dort 59 Flüchtlinge – für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer eine große Herausforderung, mit den verschiedenen Kulturen und Sprachen zurechtzukommen.

Den Helfern ist es sicherlich zu verdanken, dass sie durch ihr ehrenamtliches Engagement ein Signal setzen für mehr Interesse, Akzeptanz und Verantwortung zwischen den Bürgern der Marktgemeinde und diesen neuen Mitbürgern, um ein harmonisches Zusammenleben zu bewirken.

Dass die Flüchtlingsbetreuung nicht nur auf den Schultern der Kommunen und Ehrenamtlichen liegen sollte, wird immer wieder von Politikern betont. Dass da aber einiges im Argen liegt und es seitens der örtlichen Asylhelfer viele Kritikpunkte gibt, wurde bei einer Gesprächsrunde in der Flüchtlingsunterkunft deutlich, zu der der Helferkreis Bürgermeisterin Heike Fries und die Mitglieder des Marktgemeinderats eingeladen hatten. Gekommen waren seitens des Ratsgremiums Bürgermeisterin Fries, Vizebürgermeister Georg Höcherl, Joachim Eberl, Peter Hintermeier, Helmut Holzer sowie Franz Schambeck. Die Schule war vertreten durch Rektor Stefan Höchbauer.

Zeitraubende Telefonate

Die erste Sprecherin des Helferkreises zählte dann einige Beispiele auf, wo sich die Helfer allein gelassen fühlen. Mit den klaren Worten „Wir hätten uns von der Gemeinde und dem Gemeinderat mehr Engagement erwartet“, sprach sie sicherlich ihren Helferkollegen aus dem Herzen. Zudem habe man sich von der Gemeinde mehr Öffentlichkeitsarbeit dahingehend gewünscht, dass dringend mehr Helfer benötigt werden und „dass jemand vom Gemeinderat vorbeischaut – aber nichts ist passiert“. Für kompetente Ansprechpartner in der Gemeinde, Schule und bei den Johannitern (Kooperationspartner der offenen Ganztagsschule) wäre man sehr dankbar.

Telefonate mit Behörden, dem Jobcenter oder anderen Stellen seien zeitraubend und oftmals unter Hinweis auf den Datenschutz nicht möglich. Hilfreich wäre, wenn anstelle der Ehrenamtlichen die Gemeinde bei Problemen Telefonate mit Regierung, Landratsamt und den Johannitern übernehmen würde.

So habe es beispielsweise zahlreiche Anrufe wegen der Mittagsbetreuung gegeben und es habe Monate gedauert, bis die Nachricht gekommen sei, dass Kinder von Asylbewerbern kostenfrei sind. Die Sprecherin betonte, dass alle Behörden sehr hilfsbereit seien, nur „das Entgegenkommen der Gemeinde fehlt uns“.

Weiter wurde beklagt, dass ständig neue, bürokratische Hürden in Form von Formularen hinzukämen. Die Asylbewerber seien auf sich selbst gestellt und mit der Beantwortung von behördlichen Schreiben oder dem Ausfüllen von Formblättern jedweder Art meist völlig überfordert.

Der Unterstützungsbedarf der Asylsuchenden und Flüchtlinge sei umfangreicher, anspruchsvoller und langwieriger, als man zunächst erwartet habe. So sei insbesondere Unterstützung bei der Wohnungssuche, der Suche von Praktikumsstellen, bei Erledigung der vielen Post und allen Schreiben von Behörden vonnöten, „denn wenn keiner etwas tut, baut sich Frust auf und dann könnte eventuell der Gemeindefrieden in Frage gestellt werden“, so die Aussage einer Helferin.

Brigitte Schambeck (Helferkreis) schlug vor, dass Unternehmer, eventuell auch im Rahmen des nächsten Unternehmerfrühstücks der Gemeinde, wegen Praktikumsplätzen angesprochen werden sollten. Mit den Worten: „Bei uns gehen die Zeugen Jehovas ein und aus“ wurde darauf hingewiesen, dass auch die Kirche gefordert sei. Im Übrigen wurde auch bedauert, dass bislang keiner der örtlichen katholischen Vereine oder Verbände Kontakt mit den Asylsuchenden aufgenommen habe, zumal nicht nur der TSV, sondern jeder Verein zur Integration beitragen könne.

Während Karl Reichhart das schwierige Thema Familienzusammenführung ansprach, warf Martha Hallermeier die Frage auf: Wer reagiert, wenn beispielsweise ein Kind geholt (abgeschoben) wird? Vorgeschlagen wurde in diesem Zusammenhang, die erst kürzlich von der Gemeinde bestellte Familienbeauftragte mit ins Boot zu holen. Susanne Bernkopf ließ den Einwand, dass bei vielen das Sachwissen fehle, nicht gelten, denn man könne sich auch einarbeiten.

Rektor Stefan Höchbauer, dem der Helferkreis ein Riesenkompliment für seine umfassende Arbeit aussprach, sah es als sehr unbefriedigend, „wenn der Staat sagt, die Leute sind jetzt da, wir integrieren sie“. Es könne aber nicht sein, „dass uns der Staat nicht bei der Integration unterstützt“.

Des Weiteren finde er es nicht befriedigend, wenn er wegen oftmals ganz banaler Angelegenheiten, weil beispielsweise ein Kind in der Schule fehlt, bei irgendwelchen Privatpersonen oder Ämtern anrufen müsse oder, wie geschehen, ein Kind bereits zwei Monate in Falkenstein war und er davon keine Kenntnis hatte. Offensichtlich wüssten manche Eltern nicht einmal, dass die Kinder schulpflichtig sind.

Gespräch bei der Regierung

Zur Frage der Zuständigkeit führte Marktrat Joachim Eberl aus, dass diese nach seinen Recherchen bei der Regierung und dem Landratsamt liege. Unter Bezugnahme auf ein zusammen mit dem ehemaligen Bürgermeister Thomas Dengler geführtes Gespräch bei der Regierung zitierte er deren Sprecher, wonach „sich die Gemeinde um nichts kümmern muss“. Marktrat Helmut Holzer schlug vor, dass sich die Bürgermeister aus betroffenen Gemeinden zusammensetzen und massiv auf die bestehenden Probleme hinweisen.

Angeregt wurde ferner ein ehrenamtlicher Fahrdienst, da die Fahrmöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln für die Asylbewerber/Flüchtlinge in Falkenstein sehr eingeschränkt ist.

Abschließend bedankte sich Bürgermeisterin Fries sehr herzlich für das mustergültige und anerkennenswerte Engagement des Helferkreises. Sie versprach, sich um eine Lösung der angesprochenen Themen zu bemühen und sich künftig öfter mit dem Helferkreis in Verbindung zu setzen, was bislang daran gescheitert sei, weil ihr keinerlei Beschwerden oder negative Fakten zu Ohren gekommen seien.

Fazit: Der Helferkreis freute sich über jede konstruktive Idee und Unterstützung durch die Falkensteiner Bevölkerung. Die Palette, sich zu engagieren, ist groß. Jeder ist willkommen, den Helferkreis in Form, Umfang, Zeit und Aufwand, ganz nach eigener Einschätzung zu unterstützen.

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