mz_logo

Region Cham
Mittwoch, 20. Juni 2018 28° 1

Gesundheit

Der kleine Rückschritt von Sana in Cham

Nach zwei Jahren im Plus steht eine rote Zahl: 989 000 Euro. Doch die Vorzeichen sind laut Geschäftsführer Bredel positiv.
Von Johannes Schiedermeier

Die Notaufnahme bleibt weiter Baustelle. Dort, wo die Stützen unter der psychiatrischen Klinik stehen, will Sana den Bau der Chamer Klinik auch im Erdgeschoss nach vorne ziehen und erweitern. Foto: Schiedermeier
Die Notaufnahme bleibt weiter Baustelle. Dort, wo die Stützen unter der psychiatrischen Klinik stehen, will Sana den Bau der Chamer Klinik auch im Erdgeschoss nach vorne ziehen und erweitern. Foto: Schiedermeier

Cham.„Es macht heuer nicht so viel Spaß wie in den letzten Jahren. Es ist kein Rückfall in alte Zeiten, aber es ist ein kleiner Rückschritt!“ So umschreibt Sana-Geschäftsführer Oliver Bredel die Leistungsbilanz 2017 seiner drei Landkreis-Kliniken. Unter dem Strich stehen nach zwei Jahren im Plus heuer erstmals wieder rote Zahlen. Genau: 989 00 Euro.

Für Bredel ist das allerdings aus mehreren Gründen kein Anlass zur Panik. Zum einen waren 3,5 Prozent Gehaltserhöhung für die rund 800 Beschäftigten nicht so einfach aufzufangen. Und das, obwohl die Fallzahlen um 189 auf 20222 gestiegen sind im Vergleich zu Vorjahr. Bei den ambulanten Fällen waren es sogar 1261 Fälle mehr. Insgesamt waren es trotzdem 1000 Fälle zu wenig, um die auflaufenden Unkosten wie Steuern, Finanzierungen und Abschreibungen auszugleichen.

Die Kliniken bleiben eine Diva

Auch unter Bredel bleiben die Kliniken eine Diva. So recht erklärbar wird es nie sein, was sich da alljährlich abspielt. So berichtet der Geschäftsführer, dass 2017 überraschend viele leichte Fälle aufgeschlagen sind. Die Grippewelle war auch nur ein leises Plätschern. Und heuer: Eine derartige Grippewelle, dass zum Teil 100 Prozent Belegung erreicht waren und die Klinken am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. Dazu gibt es heuer seit Januar viele schwere Fälle. „Es läuft bereits wieder völlig in eine andere Richtung und wir können eigentlich gar nicht sagen, ob das jetzt einfach nur eine natürliche Schwankung ist, oder ob sich vielleicht wieder irgendein Leistungsparameter geändert hat, der sich nun auswirkt.“

Sana-Geschäftsführer Oliver Bredel (rechts) und sein Pressesprecher Alexander Schlaak präsentierten die Leistungsbilanz 2017 der Kliniken im Landkreis Cham. Foto: Schiedermeier
Sana-Geschäftsführer Oliver Bredel (rechts) und sein Pressesprecher Alexander Schlaak präsentierten die Leistungsbilanz 2017 der Kliniken im Landkreis Cham. Foto: Schiedermeier

2017 berichtet Bredel auch über Neueinstellungen: Vier Ärzte, zwei Pflegekräfte, 154 Azubis aus der Krankenpflegeschule. Das ist auch notwendig, denn die Kliniken kämpfen immer noch mit einem Berg an Überstunden, den das Personal zum Großteil schon seit früheren Zeiten mitgeschleppt hat. 30 000 sollen es sein, hat der Betriebsrat vor kurzem gesagt. Bredel hat die genaue Zahl nicht parat, zumal sie saisonal schwanke. Sein Pressesprecher Alexander Schlaak weiß allerdings, dass in 2017 mehr als 17 Prozent davon abgebaut worden seien.

Was ist noch machbar?

Bredel listet die Belegung auf: Cham 85 Prozent, Bad Kötzting 70, Roding 60. Ist das mit dem existierenden Personal zu stemmen? „Die 85 Prozent in Cham sind grenzwertig. Das heißt ja auch, dass es irgendwann über 90 sein können, oder in Zeiten der Grippe schon mal 100.“ Insgesamt halte man das Personal vor, mit dem man den Durchschnitt der Jahresbelastung stemmen könne. „Den Rest müssen wir irgendwie anpassen“, laviert Bredel.

Die Zentrale in Cham ist zu Stoßzeiten oft mit 100 Prozent belegt, im Schnitt sind es 85. Foto: Schiedermeier
Die Zentrale in Cham ist zu Stoßzeiten oft mit 100 Prozent belegt, im Schnitt sind es 85. Foto: Schiedermeier

Die neuen Ideen der Geschäftsführung seien inzwischen Erfolgsgeschichten. Die Neurologie verzeichne eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung. „Da können wir die Fachärzte gar nicht so schnell nachbesetzen, wie das nötig wäre“, sagt der Geschäftsführer. Die gleiche Aufwärtsentwicklung gebe es in der Kardiologie. Das Problem: Egal welche Abteilung, es gebe immer saisonale Schwankungen und neue Leistungsbewertungen. „2017 hatten wir mehr Patienten, haben aber weniger Geld dafür bekommen“, schildert Bredel.

Sana 2017 – Zahlen, Daten, Fakten

  • Die Bilanz:

    Unter dem Strich der Sana-Bilanz für 2017 bleibt erstmals seit drei Jahren ein Minus von 989 000 Euro.

  • Die Gründe:

    Geschäftsführer Oliver Bredel begründet das Minus unter anderem mit der ausgehandelten Steigerung der Personalkosten von 3,5 Prozent. Obwohl man im operativen Geschäft ein Plus geschrieben habe, sei es nicht gelungen, die auflaufenden Kosten zu kompensieren.

  • Positiv und negativ:

    Sana hat die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 189 Fälle auf 20 222 gesteigert, dafür aber gleichzeitig weniger Geld von den Kassen bekommen. Um die Kosten zu kompensieren wären aber noch 100 Fälle mehr nötig gewesen.

  • Die Belegung: Von den drei Häusern hatte Cham 85 Prozent Belegung, Bad Kötzting 70 und Roding 60 Prozent. Im Schnitt wären das 71 Prozent gewesen. 80 bis 85, so der Geschäftsführer, wären angestrebt.

  • Das Personal:

    Sana beschäftigt am drei Standorten rund 800 Mitarbeiter. 2017 habe man Vollzeit vier Ärzte, zwei Pflegekräfte und 14 Auszubildende aus der Krankenpflegeschule eingestellt.

  • Die Notaufnahme:

    In die Notaufnahme kamen 2017 insgesamt 24 166 Patienten. Im Vorjahr waren es noch 23 166.

Die Notaufnahme platzt mit 24 166 Patienten weiter aus allen Nähten. Das Zusammenspiel mit der Bereitschaftsarzt-Praxis der KV habe eher die Anziehungskraft der Zentrale in Cham noch verstärkt. Bredel denkt deswegen bereits über die Ausweitung im Erdgeschoss nach. Diese Option hatte man sich durch den Einbau von Stützpfeilern unter dem Überbau der Bezirksklinik offengelassen.

Über eine Klinik auf der grünen Wiese, wie es im Landtagswahlkampf angesprochen wurde, denkt Bredel nicht nach. „Wir haben im Bereich der Zentrale in Cham noch genügend Möglichkeiten und im Fall der Fälle auszuweiten!“ Er denkt derzeit auch nicht an irgendwelche neuen Abteilungen. Sein Zukunftskonzept: „Wir schärfen jetzt unser vorhandenes Spektrum. Etwas Neues anzufangen, das sehe ich derzeit nicht!“

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht