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Der Luchskoordinator zieht Bilanz

Heinrich Moser ist seit einem Jahr Luchskoordinator der BJV-Gruppe Bad Kötzting – seine Zahlen und Daten wurden bestätigt.
Von Maria Frisch

Die Rechnung geht in der Natur laut Heinrich Moser nicht auf: Es sind nicht genügend Rehe vorhanden, um den Bedarf für die Luchse zu decken und den Abschussplan zu erfüllen.  Foto: Wildkamera
Die Rechnung geht in der Natur laut Heinrich Moser nicht auf: Es sind nicht genügend Rehe vorhanden, um den Bedarf für die Luchse zu decken und den Abschussplan zu erfüllen. Foto: Wildkamera

Lohberg. LohbergFast genau ein Jahr ist es her, dass Heinrich Moser zum Luchs- und Wolfskoordinator der BJV-Kreisgruppe Bad Kötzting gewählt wurde. „Ehrlich mit dem Luchs umgehen“, lautete dabei die Maxime. Seit drei Jahren hält er die Schnappschüsse der Luchse im Lamer Winkel mit Wildkameras fest.

Um aussagekräftiges Bildmaterial zu gewinnen, stellte die Wildlandstiftung der Hegegemeinschaft Lamer Winkel 30 Kameras zur Verfügung, die er an fast alle Jäger des Lamer Winkels verteilte. Das Bildmaterial erhielt er nun zurück. Der Luchskoordinator sortierte es und stellte, wenn möglich, fest, um welches Pinselohr es sich handelte. So konnte er die Anzahl der verschiedenen Tiere ziemlich genau bestimmen, wie er sagt. Im Juni 2018 bezifferte er den Bestand auf zehn Unterschiedliche. Im Herbst prangerte der Sommerauer bereits an, dass aufgrund der Vielzahl der Luchse und des geforderten Rehwildabschussplanes die Rechnung in der Natur nicht aufgehe. Zu den geforderten 200 Rehen im Abschussplan der Hegegemeinschaft Lamer Winkel wären nach Berechnungen von Manfred und Sybille Wölfl, bei einem 2017 ermittelten Luchsfaktor von 1,75, noch 300 Rehe für die Luchse abzustellen.

Moser vereinbarte mit der Wildlandstiftung eine Auswertung der Fotofallenbilder. Lange dauerte es, bis man dafür in Dr. Werne d’Oleire, Vorsitzender des BJV Umweltausschusses Natur und Umwelt, einen Fachmann fand. Er nahm die Bilder von 2016/17 und 2017/18 unter die Lupe. „Kürzlich traf das Resultat aus München ein“, berichtet Moser. Bei der Auswertung wurden nur erwachsene Tiere berücksichtigt.

Das ist nur die Mindestzahl

Wie viele Luchse sind nun im Lamer Winkel? Alle Aussagen in diesem Zusammenhang basieren auf den Fotofallen und der unterschiedlichen Verteilungsdichte auf einer Mindestzahl. „Das ist die Grundlage für alle Betrachtungen“, so Moser. Insgesamt konnten in beiden Luchsjahren elf Tiere bestimmt werden.

„Nicht vergessen werden dürfen die 46 Bilder von Luchsen, bei denen keine Zuordnung zu einem bestimmten Tier möglich war“, so der Fachmann. Diese Aufnahmen verteilen sich auf einen Großteil der Fotofallen. „Hier liegt sicher viel Stoff für Spekulationen“. Die 93 auswertbaren Bilder zeigen eine deutliche Präsenz von Luchsen im Lamer Winkel. „Die unterschiedliche Verteilung der Fotofallen und die vielen Schnappschüsse, die nicht zuzuordnen sind, sind ein Indiz, dass keinesfalls noch weitere Individuen ausgeschlossen werden können.“

Weitere Probleme

  • Wölfe:

    Das nächste Problem steht laut Luchskoordinator schon vor der Tür. Bilder von Wölfen aus Tschechien kündigen diesen Beutegreifer an. Ein Tier sei bereits im Lamer Winkel gesichtet worden. Nähe Zelezna Ruda hielten sich mindesten vier Wölfe auf, bestätigte ein tschechischer Förster dem Koordinator.

  • Herkunft:

    Der Ursprung des aufgetauchten Fotos mit den sieben Wölfen bei Hamry sei noch nicht definitiv geklärt. Es ist nicht einfach den Fotografen zu ermitteln, wenn diese mit Handys schon zigmal verschickt wurden. „Hier wird aber gemeinsam mit dem LFU gesucht. Wie sich ein einzelner Wolf oder ein Wolfsrudel ohne dessen Hauptbeutetierart hier durchschlägt, werde man sehen“.

„Wir können, wie von Heinrich Moser angegeben, von 3,3 Luchsen pro 100 Quadratkilometern ausgehen“, bestätigte Dr. d’Oleire. Dabei sei klar, dass der Betrachtungsraum nicht fix begrenzt ist, weshalb es immer wieder zu zeitweiser Zu- und Abwanderung komme. Fakt sei, so Moser, dass alle seine Daten bestätigt wurden.

Kein Jäger habe Lust, auf jedes Reh zu schießen, sobald es auch nur den Kopf herausstrecke. Mit Hege habe so etwas nichts zu tun.“ Das sei nicht im Sinne der FFH-Richtlinie, die schließlich EU-Recht ist. Somit müsse das Ganze mit Brüssel abgeklärt werden.

„Im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet zwischen Furth im Wald und Wegscheid halten sich mittlerweile über 60Luchse auf“, beziffert der Koordinator. 2007 wurden laut Luchsbericht erstmals drei Pinselohren im Bereich Bad Kötzting/Lamer Winkel erfasst. „Der Luchsbestand hat sich also in den zehn Jahren bis 2017 nahezu verzwanzigfacht“, machte Heinrich Moser bewusst. Der Rehwildbedarf für die Luchse erstrecke sich jährlich auf 3000 bis 4000 Rehe. „Mag sich jeder selbst eine Meinung bilden, ob diese Zahlen ,marginal‘ sind, so wie es der Forst verkündet, und welchen Naturfrevel das zusammen mit dem Abschussplan ergibt“, sagt Moser.

Er hoffe, „dass langsam auch die Politik zur Vernunft kommt“. Der CSU Politiker Dr. Georg Nüßlein habe im vergangenen November eine Erklärung der CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag abgegeben, als die Deutsche Wildtierstiftung das Reh zum „Tier des Jahres 2019“ deklariert hatte. „Es ist höchste Zeit für einen besseren Umgang mit dem Reh.“

Ein „Feldzug“ gegen das Reh?

Der massive Jagddruck, der insbesondere von den staatlichen Forstverwaltungen ausgehe, komme einem Feldzug gegen das Reh gleich, zeigte er sich damals überzeugt. Wer das Reh alleine verantwortlich mache für den Verbiss und Waldschaden, „will damit nur von eigenen ökologischen Versagen ablenken“, so der CSU-Politiker Dr. Georg Nüßlein. (kfl)

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