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„Der Mensch sucht sich Ersatzreligionen“

Josef Amberger war 16 Jahre Pfarrer in Roding. Seit sieben Jahren ist er im Ruhestand – sein Terminkalender aber gut gefüllt.
Von Bastian Schreiner

1969 wurde Josef Amberger in Regensburg zum Priester geweiht. Das Motto des 77-Jährigen lautet: „Tu deine Pflicht nach deinen besten Möglichkeiten und Kräften, alles andere überlass der Barmherzigkeit Gottes. Foto: Schreiner
1969 wurde Josef Amberger in Regensburg zum Priester geweiht. Das Motto des 77-Jährigen lautet: „Tu deine Pflicht nach deinen besten Möglichkeiten und Kräften, alles andere überlass der Barmherzigkeit Gottes. Foto: Schreiner

Roding.Welche Verbindungen haben Sie noch nach Roding?

Eigentlich sehr wenig. Man soll ja zur früheren Pfarrei Distanz wahren – das wünscht die Diözese. Man soll nicht zu starke Kontakte pflegen. Es kommt aber schon vor, dass man mal jemanden besucht oder an einer Beerdigung teilnimmt.

Wenn Sie auf die Station zurückblicken, wie fällt Ihr Resümee aus?

Roding ist eine sehr große und somit auch arbeitsintensive Pfarrei – denkt man an die Filialen, die Expositur, das Krankenhaus, den Wallfahrtsort und die Kindergärten. Auf der anderen Seite war es sehr interessant und reichhaltig, wenn man an die Feste und das ehrenamtliche Engagement denkt. Trotz der Fülle an Aufgaben war es eine schöne Zeit in einer lebendigen Pfarrei mit vielen Begegnungen.

Seit Jahren begleiten die Pfarrei Baumaßnahmen. Wie war das in Ihrer Amtszeit?

Es war für mich kein leichter Start in Roding, als ich festgestellt habe, dass einige Schulden da sind. Zunächst stand die Renovierung des Pfarrhofs an. Zudem waren noch Schulden da vom Heilbrünnl-Wirtshaus, die Darlehensraten haben wir bis zu meinem letzten Jahr in Roding zurückbezahlt. Auch Raten vom Pfarrheim waren noch zu begleichen. In Trasching sind die Kirche und das Josefs-Haus saniert worden. 2002 kam die Kirchturmsanierung. Damals hatte ich schon die Sanierung der Pfarrkirche beantragt, jedoch keine Genehmigung vom Baureferat in Regensburg erhalten, da eigentlich der Grundsatz gilt, dass keine Baumaßnahmen durchgeführt werden dürfen, solange Schulden da sind. 2011 konnte ich die Pfarrei dann schuldenfrei übergeben.

War Pfarrer ihr Berufswunsch?

Der Wunsch, Priester zu werden, ist früh gewerkt werden. Ich war in meiner Heimat Zenching Ministrant und Aushilfsmesner und hatte einen guten Kontakt zum Pfarrer. Ich bin somit frühzeitig in die Liturgie der Kirche, in das gottesdienstliche Leben hineingewachsen – und hatte also kein Berufungsereignis zu späterer Zeit.

Das Heilbrünnl wird heuer 350 Jahre: Welche Bedeutung hatte die Wallfahrtskirche für Sie?

Beim Höhepunkt, dem Fest am 15. August, war ich immer oben. Ich habe auch viele Kirchenführungen gemacht sowie Markusprozessionen und Hochzeiten gestaltet.

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Warum haben Sie sich für Cham als Ruhesitz entschieden?

Pfarrer Fischer wusste eine Wohnung für mich in Cham-West. Ich habe mich dann dafür entschieden – mit Blick auf das Regental und bis zum Kalsinger Windrad. Ich wohne also in St. Josef, bin aber hauptsächlich für St. Jakob tätig. So bin ich durch Zufall in meine frühere Pfarrei St. Jakob, wo ich fünf Jahre Kaplan war, zurückgekommen.

Trotz Ruhestands sind Sie noch sehr eingespannt ...

Ja, mir wird nicht langweilig. Solange man gesundheitlich in der Lage ist, sollte man Gottesdienste halten, Aushilfen leisten und Mitbrüdern helfen. Ich lege Wert darauf, möglichst jeden Tag Messe zu feiern. Ich „pendle“ zwischen den beiden Chamer Pfarreien. Am Anfang war ich oft in Untertraubenbach und Penting, jetzt bin in Schönferchen und Vilzing, an Fronleichnam jedes Jahr in Martinsneukirchen und zur Urlaubsvertretung in Arnschwang.

Wie halten Sie sich fit?

Ich mache jeden Tag eine dreiviertel Stunde Gymnastik. Wenn es möglich ist, gehe nachmittags eine Stunde im Wald spazieren. Man muss für die Gesundheit etwas tun – morgens früh aufstehen und den Tag gut strukturieren. Da gehört auch Gebet und geistliche Lesung dazu.

Wie will man die Leute künftig für Kirche und Glauben begeistern?

Die Glaubensweitergabe wird heute immer schwerer, da sich der Mensch Ersatzreligionen sucht. Man soll aber nicht schwarz sehen, es gibt nämlich immer noch viel religiöses Leben.

Weitere Meldungen aus Roding finden Sie hier.

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