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Der Ökologische unter den Apfelbäumen

Der Wildapfel ist eine der seltensten heimischen Baumarten. Das ist sehr schade, findet der Förster Hans Geiger.
Von Petra Schoplocher

Typisch: Die Rinde des Apfelbaums. Der Wildapfel als solcher ist allerdings kaum mehr zu finden.
Typisch: Die Rinde des Apfelbaums. Der Wildapfel als solcher ist allerdings kaum mehr zu finden. Foto: Geiger

Bad Kötzting.Nein, wir beginnen nicht mit Adam und Eva. Alleine schon deshalb, weil es zu deren Zeit noch gar keine Apfelbäume gegeben hat. Und auch nicht mit Begriffen wie Zankapfel, Reichs- oder Augapfel. Wir stellen eine philosophische Frage, um die keiner herum kommt, der sich mit dem Wildapfelbaum näher beschäftigt: Ist ein genetisch nicht ganz reiner Baum weniger wertvoll? – Denn einen „echten“ Wildapfel wird man in der freien Wildbahn kaum finden.

Für Hans Geiger ist die Antwort klar: Selbst, wenn nur 30 Prozent Wildapfel in einem Baum stecken, ist er hoch zu schätzen. Und der Bad Kötztinger Förster kann Gründe für dieses Urteil liefern: Allen voran die große ökologische Bedeutung. Doch auch als Zwischenform bietet sich der Wild- , oder auch Holzapfel an – oder zur Gestaltung von Waldrändern. Jäger nutzen ihn gerne als Wildäsungspflanze, was im Umkehrschluss bedeutet, dass zu anderen Zwecken gepflanzte Bäumchen Schutz brauchen – auch gegen Mäuse.

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Kleiner, saurer, dorniger

Seit der Jungsteinzeit versucht der Mensch, ihn zu kultivieren, die Römer und Griechen perfektionierten dies. Mit der Folge, dass es durch fortwährende Kreuzungen heute kaum noch „echte“ Bäume gibt. Unterscheiden kann man Wild- und Kulturapfel am besten an den Früchten. Die sind bei der wilden Sorte mit etwa dreieinhalb Zentimetern Durchmesser wesentlich kleiner, zudem hart und schmecken extrem sauer. Auch die rosa-weißen Blüten (im Übrigen eine Pracht) sind kleiner und die Blätter sind im Gegensatz zum Kulturapfel an der Unterseite nicht behaart. Die Sprossdornen des Wildapfels hat der Mensch „herausgezüchtet“, sie sind deshalb ein weiteres Abgrenzungsmerkmal.

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Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich mit Ausnahme von Island, Nordskandinavien und dem Südzipfel Europas über den ganzen Kontinent bis nach Vorderasien. Das lässt auf Robustheit schließen, klärt Hans Geiger auf.

Weil eben die Durchmischung der Arten so groß ist, hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft schon Mitte der 1980er Jahre eine Untersuchung gestartet. Ergebnis: In den Donau- und Isarauen wurden einzelne Bäume kartiert, in Schwaben und Franken drei Bestände entdeckt – wobei dafür schon sechs Bäume reichten. In Teisendorf gibt es zwar zwei Erhaltungsplantagen, die Formulierung „vom Aussterben bedroht“ darf aber dennoch verwendet werden.

Licht ist besonders wichtig

Die „Funde“ in den Auen kommen nicht von ungefähr, die Baumart mag nährstoffreiche, basenreiche Lehmböden und luftfeuchte Bedingungen. Halbschatten kann sie gerade noch ertragen, noch lieber mag der Holzapfel aber Licht, erklärt Hans Geiger. Weil er sehr konkurrenzschwach ist und somit in einem geschlossenen Bestand gegen etwa 90 Prozent anderer Arten keine Chance hätte, bietet sich allenfalls ein Anbau mit viel Platz und in Gesellschaft zum Beispiel von Linden oder an Rändern an.

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Das sehr dauerhafte Holz ist hart und schwer zu bearbeiten, zumal es leicht reißt. Allerdings punktet der Apfel wie andere Obsthölzer auch mit seinem anmutenden Farbspiel. Deshalb können einzelne Bäume, vor allem mit geradem Stamm, durchaus ertragreich sein, weiß Geiger. Ab einem Alter von rund 100 Jahren setzt der Wildapfel Stammfäule an, älter als 140 wird er kaum. Durch diese Morschheit brechen immer wieder auch Kronenteile ab – ein Paradies für viele seltene Pilz- und Käferarten, allen voran der Hirschkäfer und der Eremit.

Auch, wenn Hans Geigers Rat oft zum Anpflanzen gefragt ist, hat er zum (Wild)Apfel ein viel größeres Anliegen: „Wer was für die Natur übrig hat, sollte einen alten Baum nicht einfach umsägen!“

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