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Region Cham
Donnerstag, 26. April 2018 15° 3

Verkehr

Der Rufbus – das Thema der Zukunft

Die Rufbus-Linie zwischen Bad Kötzting und Viechtach soll Mobilität jenseits des Autos möglich machen.
Von Fred Wutz

Das Rufbus-System des Landkreises Regen, seine Verbindung in den Bereich Bad Kötzting und generell den ÖPNV stellten Dr. Wolfgang Schlüter (M.), Thomas Ederer (r.) und Bürgermeister Markus Hofmann vor. Fotos: Fred Wutz

Bad Kötzting.„Der ÖPNV wird immer wichtiger, auch wenn das der Bevölkerung noch nicht bewusst ist!“ – Mit dieser Aussage eröffnete Bürgermeister Markus Hofmann am Donnerstagabend im Sinocur einen Informationsabend zur Thematik „Rufbus“, wobei der Schwerpunkt der Veranstaltung auf der Linie Bad Kötzting-Viechtach lag. Der Rathaus-Chef sprach von einem „absoluten Zukunftsthema“. Der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) bekomme, so seine Einschätzung bald wichtige Funktion, weil er die Menschen integrieren wird, die kein eigenes Fahrzeug mehr haben. Die Rufbus-Linie aus der Pfingstrittstadt in den Nachbarlandkreis solle besser angenommen werden, so Hofmann, jeder solle doch ausprobieren, „wie es ist, wenn man das Auto einmal stehenlässt“.

Mit Dr. Wolfgang Schlüter stand an diesem Abend der Vorsitzende im Verein „Verein zur Förderung nachhaltiger Mobilität zwischen Gotteszell und Viechtach“ am Referenten-Platz. Er schilderte die Bemühungen im Bereich Viechtach, die Bahnlinie wiederzubeleben. Man habe demonstriert, Vorschläge gemacht, sei zum zuständigen Minister nach München gefahren und schreibe es sich letztlich auf die Fahnen, dass im Landkreis Regen ein Rufbus-System entstanden sei.

„Mobilitätswende kommt“

„Es kommt die Mobilitätswende!“, zeigte sich Schlüter überzeugt. Umweltschutz sei ein Grund, aber andererseits werde der Individualverkehr weniger, „weil wir es uns nicht mehr leisten können“. Der ÖPNV sei wichtig, es gehe langsam in diese Richtung, aber es sei in jedem Fall eine Verbesserung des Zustandes.

Die Nutzung der ÖPNV-Angebote und speziell des Rufbusses, so der Referent, erfordere „dass man seine Reise plant“ und „dass man lernt, damit umzugehen“. Der Rufbus habe seinen Namen davon, dass die Benutzer spätestens eine Stunde vor ihrer beabsichtigten Abfahrt unter der Telefonnummer (0 99 22) 94 99 694 ihre Fahrt bestellen müssten und dass dieses Verkehrsmittel nur fahre, wenn es eben durch den Anruf bestellt sei.

„Der ÖPNV wird immer wichtiger, auch wenn das der Bevölkerung noch nicht bewusst ist.“

Markus Hofmann, Bürgermeister von Bad Kötzting

Im Landkreis Regen gibt es laut Schlüter 18 Rufbus-Linien mit rund 700 Haltestellen, zu denen jeder Fahrgast spätestens nach 500 Metern Fußweg gelangen könne. Abfahrt und Ankünfte an den Endpunkten seien auf andere Verkehrsmittel – etwa die Waldbahn – abgestimmt, „und es funktioniert schon“. Flexibel zu buchen, bedarfsorientiert einsetzbar, im Vergleich preiswert und umweltschonend, das sind nach Darstellung des Referenten die Vorteile des Rufbusses.

Dr. Wolfgang Schlüter zeigte auf, wie die Buchungen und Festlegungen der Fahrten ablaufen und empfahl die Verwendung einer Handy-App mit dem Namen „WohinDuWillst“ für die Rufbus-Interessenten. Sie zeigt nach seinen Worten diverse Fahrmöglichkeiten auf und gibt exakte Zeiten an. Eine bei der Rufbus-Zentrale gebuchte Fahrt wird von dieser eingerichtet, Änderungen bekommt der Fahrgast rechtzeitig mitgeteilt – wobei er am besten dazu seine Handy-Nummer hinterlässt und erreichbar ist. Darüber hinaus kann im Internet unter der Adresse www.fahrtwunschzentrale.de geplant und gebucht werden, so der Referent, der empfahl, „idealerweise auch die Rückfahrt gleich mit zu buchen“.

Günther Schmauder zeigte auf, dass der Rufbus ein Verkehrsmittel ist, das bestehende ÖPNV-Linien ergänzt. Fotos: Fred Wutz

Die Linie Bad Kötzting-Viechtach verbindet laut Schlüter die beiden Bahnhöfe, bietet 25 mögliche Ein- und Ausstiegsstellen und über Deggendorf/Niederbayern Anbindungen bis in alle deutschen Regionen. Die folgende Diskussions- und Vorschlagsrunde eröffnete Bürgermeister Hofmann mit der Forderung: „Wir müssen das System annehmen, nur dann wird es klappen!“ Günther Schmauder (Miltach), der in vielen Bereichen des ÖPNV aktiv und im Verkehrsclub Deutschland (VCD) aktiv ist, betonte, der Rufbus sei „ein ergänzendes Verkehrsmittel“ und stellte die Fahrpläne von ÖPNV-Linien neben die Fahrzeiten des Rufbusses.

Tourismus nutzt ÖPNV

Aus Sicht des Tourismus ist der ÖPNV in der Region auf gutem Niveau, sagte Bad Kötztings Kurdirektor Sepp Barth, der auf die Bemühungen der Kommunen verwies und auf die Möglichkeit, dass Gäste und Einheimische sich umfassend im Internet informieren können. Die Gäste aus den deutschen Ballungsgebieten würden im übrigen die Angebote in der Region durchaus schätzen und nutzen.

Dr. Thomas Klyscz regte an, man solle sich touristisch gemeinsam aufstellen; dazu sei der ÖPNV sehr wichtig. Fotos: Fred Wutz

Thomas Ederer, der am Landratsamt Cham für den ÖPNV zuständig ist, lobte die landkreisübergreifende Funktion der dargestellten Rufbus-Linie. Er stellte die laufenden Bemühungen beim ÖPNV-Aufbau dar und erwähnte den grenzüberschreitenden Aspekt in Sachen Tschechien. Derzeit entstehe ein Mobilitätsgutachten, darauf werde für die Zukunft aufgebaut. Ederer sah beim Rufbus „die Möglichkeit, die Lücken zu schließen, die es bei öffentlichen Verkehrsmitteln gibt“. Dr. Thomas Klyszc, Kreis- und Stadtrat, verwies auf das bestehende touristische Angebot der Region („Toll, hier so gut wie nirgends!“) und forderte, auch vor diesem Hintergrund solle man sich bei ÖPNV und Rufbus-Systemen gemeinsam aufstellen.

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