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Der Sanierer aus Cham geht von Bord

Günther Lommer tritt am Wochenende als BLSV-Präsident nicht mehr an, will aber aktiv bleiben – auch in der Stadtpolitik.
Von Johannes Schiedermeier

Neben harter Sanierungsarbeit hatte das Leben als BLSV-Präsident auch glanzvolle Auftritte zu bieten, wie hier mit Eisprinzessin Kathi Witt.Fotos: BLSV
Neben harter Sanierungsarbeit hatte das Leben als BLSV-Präsident auch glanzvolle Auftritte zu bieten, wie hier mit Eisprinzessin Kathi Witt.Fotos: BLSV

Cham.Der ehemalige Lehrer hat Wirtschaft nie gelernt, aber in Günther Lommer steckt ein Talent als Sanierer. Dieser Sanierer geht nun als BLSV-Präsident am Wochenende von Bord. „Ich habe gesagt, wenn ich 71 werde, dann trete ich ab. Und da bin ich konsequent“, sagt er im Interview.

Es hat sich schon früh abgezeichnet, dieses Talent. Im Mai 1974 stand er in Jeansjacke vor den ASV-Granden und wurde zum Präsidenten gewählt. Damals stand der Verein mit 60 000 Mark im Minus. In Lommers Präsidentenzeit wurden Rasentrainingsplatz, Vereinsheim und die Kindersportschule gebaut. Als er ging, hatte der ASV 110 000 Euro auf dem Konto.

Als Günther Lommer beim BLSV antrat, war dieser als Selbstbedienungsladen verschrieen. Heute unterhält sich Lommer auch mit Ministern auf Augenhöhe.
Als Günther Lommer beim BLSV antrat, war dieser als Selbstbedienungsladen verschrieen. Heute unterhält sich Lommer auch mit Ministern auf Augenhöhe.

Das zog sich durch. Beim Bayerischen Fußballverband bügelte er als Schatzmeister ein 80-Millionen-Loch aus und war Vizepräsident des BLSV. Dann geriet sein Präsident in die Schlagzeilen, weil er trotz solider privater Finanzlage seiner Frau Flugkosten erstattete und den Dienstwagen für die Familie einsetzte. Bis 3.30 Uhr morgens bekniete der Vorstand Lommer, er solle als Präsident antreten. „Ich hatte Bauchweh. Der BLSV ist ein Unternehmen mit 340 Leuten und einem Umsatz von 12,5 Millionen Euro im Jahr. Und ich war nie ein Manager. Ich habe einen Verband übernommen, der damals den Ruf eines Selbstbedienungsladens hatte“, erinnert sich Lommer.

Heute kann er sich auf dem Balkon seines Hauses am Kalvarienbergweg mit Genugtuung zurücklehnen: „Wir haben Ansehen gewonnen in diesen Jahren und wir verhandeln heute mit Ministern auf Auenhöhe.“ Der Bayerische Landessportverband ist heute mit seinen Liegenschaften 65 Millionen Euro wert. Lommer hat unter anderem das Haus des Sports gekauft und hintelässt solide Finanzen. „Wir sind nicht reich, aber es ist Geld da“, sagt er. Stolz ist er auch darauf, dass er seine beiden Versprechen zum Amtsantritt gehalten hat: „Ich habe 14 Jahre lang die Vereinsbeiträge nicht erhöht und keine betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen.“

Ausgeschieden – und jetzt?

Seine Eloquenz ist ein Pfund, mit dem Lommer bis heute wuchert. So war er auch gerne eingeladener Gast bei Talk-Shows und vertrat dort Sportbelange.
Seine Eloquenz ist ein Pfund, mit dem Lommer bis heute wuchert. So war er auch gerne eingeladener Gast bei Talk-Shows und vertrat dort Sportbelange.

Der scheidende Präsident wird einen gediegenen Abschied erhalten, wenn sein Nachfolger, der Schatzmeister Jörg Ammon, gewählt worden ist. Wovon Lommer ausgeht: „Ich schlage ihn vor und es gibt keinen Gegenkandidaten.“ Es wird einen Empfang mit 600 Gästen im Münchner Cuvilliéstheater geben. Ministerpräsident Söder und Sportminister Herrmann werden da sein. Unter anderem. Und jetzt. Lommer lacht. „Ich bin ja noch nicht ganz raus!“ Und er zählt Fördergesellschaften, BLSV-Vertretungen und Curatorien auf, deren Mitglied er immer noch ist. Und eine Ehrenpräsidentschaft ist ihm auch angetragen worden. Da sitzt er dann immer noch in München, wenn auch ohne Stimmrecht. Vielleicht musste Lommer Cham wirklich verlassen, um Anerkennung zu finden. Sämtliche Anläufe zu einer politischen Karriere wurden ihm verbaut. Meist von seiner eigenen CSU. Doch Lommer ist keiner, der deswegen die Fronten wechselt. Nun erst recht nicht. Mit Cham ist er noch lange nicht fertig – im Gegenteil.

„Dann werde ich halt 109!“

Lommer hat noch viel vor. Schließlich ist er erst 71. „Ich will 101 Jahre alt werden. Das wollte ich schon immer, weil ich gerne lebe. Und kürzlich hat ein Referent bei einer Seniorenveranstaltung gesagt: Wer Ehrenamt macht, der wird nachgewiesenermaßen acht Jahre älter. Gut. Werde ich halt 109!“

Öffentlichkeit war noch nie Lommers Problem: Hier verleiht er dem BLSV-Aufsichtsratsvorsitzendem Heinz-Peter Birkner die Verfassungsmedaille.
Öffentlichkeit war noch nie Lommers Problem: Hier verleiht er dem BLSV-Aufsichtsratsvorsitzendem Heinz-Peter Birkner die Verfassungsmedaille.

Ob das reicht, die Chamer CSU zu sanieren? Lommer graut auf jeden Fall vor den nächsten Wahlen. Er hätte gerne eine schlagkräftige Liste und einen Bürgermeisterkandidaten. Er kandidiert auch selber wieder für den Stadtrat. „Ein paar Stimmen bringe ich auch noch!“ Da ist er sicher. Und Lommer weiß auch, wo er ganz sicher nicht so oft sein wird: daheim. „Mir ist jetzt schon stinklangweilig“, sagt er. Und deshalb will er auch weiterhin so fleißig für die ASV-Welt schreiben, die er für die beste Vereinszeitung Bayerns hält. „... und ich kenne alle!“ Im Chamer Kreistag sitzt Lommer sowieso noch immer. Es ist also dafür gesorgt, dass die Langeweile nicht zu gro´ß wird, auch nach der BLSV-Präsidentschaft.

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