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Einblicke

Der Schlüssel zum Nachbarland

Tschechisch boomt in Waldmünchen, die Kurse im MGH und auch ein neuer Stammtisch bringen Sprache und Kultur näher.
Von Petra Schoplocher

MGH-Bildungskoordinatorin Nadine Himmelhuber (links) hat die Kurse eingeteilt und zeigte sich überrascht von der großen Resonanz auf einen Info-Abend rund ums Tschechisch lernen. Der Stammtisch von Bohumil und Renate Kricner ist ein wertvoller Mosaikstein, findet sie. Foto: Schoplocher
MGH-Bildungskoordinatorin Nadine Himmelhuber (links) hat die Kurse eingeteilt und zeigte sich überrascht von der großen Resonanz auf einen Info-Abend rund ums Tschechisch lernen. Der Stammtisch von Bohumil und Renate Kricner ist ein wertvoller Mosaikstein, findet sie. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Sie machen es einem nicht leicht, die Häkchen, Striche und Kringel über den verschiedenen Buchstaben, dazu sieben Fälle und Stolperfallen bei der Aussprache: Keine Frage, Tschechisch zu lernen, ist eine Herausforderung. Aber eine, die sich lohnt, sagen all diejenigen, die sich in Waldmünchen auf das Abenteuer eingelassen haben und an diesem Abend zur Einteilung der neuen-alten Kurse gekommen sind.

Sie war überrascht

Nadine Himmelhuber, die als Bildungsreferentin des Mehrgenerationenhauses für die Sprachkurse zuständig ist, zeigte sich überrascht: „Mit so viel Resonanz hatte ich nicht gerechnet.“ Als sich eine Woche später, bei Beginn der Kurse, zeigte, dass sich sogar noch mehr Menschen für die Tschechisch-Kurse angemeldet hatten, war sie geradezu „platt“. Und erfreut, schließlich ist es ihr und dem Erwachsenenbildungsträger ein Anliegen, die Hemmschwellen zum Nachbarland abzubauen. Wichtigster Schlüssel dafür: die Sprache.

Im Herbst haben Renate und Bohumil Kricner (links) den Tschechisch-Stammtisch ins Leben gerufen. „Keine Angst, es darf auch Deutsch geredet werden“, lädt die Montagsrunde zum Vorbeischauen ein. Foto: Schoplocher
Im Herbst haben Renate und Bohumil Kricner (links) den Tschechisch-Stammtisch ins Leben gerufen. „Keine Angst, es darf auch Deutsch geredet werden“, lädt die Montagsrunde zum Vorbeischauen ein. Foto: Schoplocher

Nicht zuletzt deswegen sieht sie den Tschechisch-Stammtisch, der sich im Oktober unter der Regie von Renate und Bohumil Kricner gefunden hat, als absolute Bereicherung. Da dieser momentan „nur“ deutsche Besucher hat, schweben Himmelhuber regelmäßige deutsch-tschechische Tandem-Treffen vor, damit auch der kulturelle Austausch gepflegt wird.

Eine der Tschechisch-Dozentinnen, Marcela Řezníčková, verfügt über entsprechende Kontakte, weil sie im Nachbarland einen Deutsch-Kurs leitet. „Wäre doch toll, wenn man das zusammenspannen würde“, meint die Bildungsreferentin. Ob angedockt an den bestehenden Montagstreff oder extra, das müsse man noch erdenken, meint sie.

Rund um Tschechisch

  • Kurse:

    Aktuell werden im Erwachsenenbildungsprogramm des Mehrgenerationenhauses zwei Tschechisch-Kurse angeboten. Der Fortgeschrittenenkurs mit Alena Sanseverino trifft sich montags von 18.30 Uhr bis 20 Uhr, die Anfänger werden jeden Mittwoch zur gleichen Uhrzeit von Marcela Řezníčková an die Sprache des Nachbarlandes herangeführt.

  • Einsteiger:

    In beiden Kursen können Interessierte noch unterkommen, für den nicht mehr ganz blutigen Anfängerkurs sind Grundkenntnisse hilfreich. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter (09972) 5 97 98 78 sowie unter mgh-waldmuenchen.de.

  • Stammtisch:

    Neu ist ein Tschechisch-Stammtisch im MGH, den die Wahl-Waldmünchner Renate und Bohumil Kricner leiten. Zu diesem sind jeden ersten Montag im Monat alle eingeladen, die Tschechisch üben wollen und sich über Themen des Nachbarlandes austauschen wollen. Treffpunkt ist um 20 Uhr im Offenen Treff des MGH.

Impulsgeberin für den Stammtisch (am ersten Montag im Monat von 20 bis 21.30 Uhr) war Renata Kricner. Sie lernt schon seit etwa 20 Jahren Tschechisch, nach dem Tod ihrer Eltern stellte sich zudem heraus, dass ihr Großvater einst aus Südböhmen ausgewandert war. „Vielleicht hat sie das gespürt“, sagt ihr Mann Bohumil, der seinerseits tschechische Wurzeln hat, und der sie in der Initiative unterstützt.

Menschen zusammenbringen, ist Ziel des Mehrgenerationenhauses. Dazu gehört auch, Kontakte zum Nachbarland zu pflegen. Foto: Schoplocher
Menschen zusammenbringen, ist Ziel des Mehrgenerationenhauses. Dazu gehört auch, Kontakte zum Nachbarland zu pflegen. Foto: Schoplocher

Ihren Wunsch, in Grenznähe zu leben, haben sich die früheren Münchner in der Trenckstadt erfüllt. Der Stammtisch entstand aus dem Ansinnen, die Sprache weiterhin zu pflegen, als die Kricners hierherzogen, gab es gerade keinen passenden Sprachkurs. Mit acht bis zehn Männern und Frauen, von denen viele (auch Renata Kricner) aus dem zeitlich vorgelagerten Fortgeschrittenen-Kurs hinüberspringen, sind die beiden Wahl-Waldmünchner zufrieden, wenngleich es ein paar mehr sein dürften.

Reden und rätseln

Neben Anregungen aus dem Unterricht, die Renata Kricner mitnimmt, sucht das Ehepaar Artikel zu jahreszeitlich passenden Themen heraus, die miteinander gelesen, übersetzt und besprochen werden; gerne ergänzt um ein Rätsel. Zuletzt ging es um Winter und Fasching. Weil auch diejenigen, die in der Sprache noch nicht so bewandert sind oder sich (noch) nicht reden trauen, wird natürlich auch Deutsch gesprochen, will Bohumil Bedenken bei Interessierten ausräumen.

Angetan vom Interesse

Er selbst spricht „nahezu perfekt“, hat immer viel gelesen und geschaut, dass er von der Sprache seiner Mutter so wenig wie möglich vergisst, verrät der Waldmünchner. Den Stammtisch pflegt und moderiert er zum einen seiner Frau zuliebe, ganz wichtig findet er aber auch, durch die und mit den Treffen Gespür für das Nachbarland zu wecken. Kricner findet es bemerkenswert, dass und wie die Menschen hier Interesse zeigen. „Das ist sehr angenehm“, betont er.

Für kommende Stammtische – der nächste findet am 2. März statt – hat das Ehepaar schon ein paar neue Ideen, einen Filmausschnitt zum Beispiel oder Lieder. Alena Sanseverino, die Lehrerin des Fortgeschrittenen-Kurses, kann Klavierspielen... Ansonsten gilt: Mal schauen und gerne auch Anregungen aus den Reihen der Stammtisch-Besucher aufgreifen.

Nadine Himmelhuber ist froh, dass alle Interessenten untergekommen sind und die beiden Kurse die Mindestteilnehmerzahl von sechs locker überschritten haben. Die Teilnehmer, die mit einer Ausnahme alle schon in ihre Nasen in die Lehrbücher gesteckt hatten, schwärmen unisono von den Kursen und deren Leiterinnen.

„Nur Mut!“

Gerade die überschaubaren Gruppengrößen ermöglichen es, individuell zu helfen und das Tempo anzupassen. Sie sind allesamt überzeugt, dass sich der Aufwand auszahlt, weil die Belohnung in vielerlei Hinsicht erfolgt: Wenn man etwa im Restaurant auf Tschechisch bestellen kann und dafür Anerkennung bekommt, wie ein Mann unterstreicht. Deswegen lautet das Motto des Stammtisches wohl nicht umsonst: Povídat si česky, sprechen Sie Tschechisch.

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