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Ausdauer

Der TAR ist der sportliche Lebenstraum

Christian Mayer aus Chamerau hat für das Trailrunning sein Leben umgekrempelt. Im Sommer wagt er sich an den Transalpine Run.
Von Christian Mayer

Fokussiert auf seine die bisher größte Herausforderung –Christian Mayer startet Ende August beim Transalpine Run, der in der Trailrunner-Szene als eines der härtesten Rennen überhaupt gilt. Fotos: Mayer
Fokussiert auf seine die bisher größte Herausforderung –Christian Mayer startet Ende August beim Transalpine Run, der in der Trailrunner-Szene als eines der härtesten Rennen überhaupt gilt. Fotos: Mayer

Cham.Die Alpen sind eine natürliche geographische Barriere zwischen Nord- und Südeuropa. Sie stellen für viele einfach nur ein zu überwindendes Hindernis auf dem Weg in den Sommerurlaub dar. Für andere sind sie ein moderner Abenteuerspielplatz, der der persönlichen Erholung dient. Ein paar wenige haben es sich zum Ziel gesetzt, diesen Gebirgszug entweder auf Fernwanderwegen oder mit dem Rad zu überqueren. Und dann gibt es noch die Fraktion der Trailrunner, die sich Jahr für Jahr der Herausforderung stellt die Bergwelt von Nord nach Süd in Laufschuhen zu überwinden und dabei an ihren physischen und psychischen Grenzen geht.

Der Transalpine Run (TAR) feiert vom 31. August bis zum 7. September sein 15. Jubiläum. In acht Etappen geht es im Zweier-Team von Oberstdorf aus über eine Distanz von 275 Kilometern mit insgesamt 16 416 Höhenmeter im Anstieg und 14 674 Höhenmeter im Abstieg bis zum Zielort Sulden in Südtirol. Dieser Etappenlauf ist eine der härtesten Veranstaltungen dieser noch relativ jungen Sportart. Besondere Bekanntheit erlangte der TAR vergangenes Jahr, als der Bad Kötztinger Markus Mingo und Hannes Namberger den Transalpine gewonnen haben.

Und nun soll dieser sportliche Lebenstraum im Jubiläumsjahr 2019 für mich Wirklichkeit werden. Mein Name ist Christian Mayer, ich bin 42 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder (vier und sechs Jahre). Ich wohne in Chamerau, führe ein gutbürgerliches, fast schon langweiliges Leben, wäre da nicht... – das Trail Running!

Start: Der 42-Jährige wohnt in Chamerau und ist Späteinsteiger. Mit 37 Jahren hat er da Laufen für sich entdeckt. Fotos: Mayer
Start: Der 42-Jährige wohnt in Chamerau und ist Späteinsteiger. Mit 37 Jahren hat er da Laufen für sich entdeckt. Fotos: Mayer

Als Späteinsteiger entdeckte ich mit 37 Jahren das Laufen als eine Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen. Anfangs lief ich nur zwei bis dreimal die Woche mit Distanzen bis zu zehn Kilometer. Bereits ein Jahr später startete ich beim Halbmarathon in Regensburg. An diesem Tag hat einfach alles gepasst. Dieses Erlebnis war so einschneidend für mich, dass ich von nun an mit großem Ehrgeiz mein Lauftraining intensivierte und an Rennen teilnahm.

Meine Begeisterung für den Trail wurde 2015 geweckt, nachdem ich beim Osserriesen in Lam zum ersten Mal erste Trailluft schnupperte. Im selben Jahr startete ich noch beim „Kine vom Kaitersberg“ in Bad Kötzting und fasste den Entschluss, mich von nun an auf Trailläufe zu fokussieren.

120 Kilometer in der Woche

Im Jahr 2016 absolvierte ich meinen ersten Marathon in Hamburg in Vorbereitung auf den U. Trail Lamer Winkel. Meine persönliche Ultratrailpremiere vier Wochen später brachte mir den Muskelkater meines Lebens ein und zugleich die Gewissheit, dass ich die passende Sportart für mich gefunden habe. Schritt für Schritt steigerte ich mich. Mittlerweile trainiere ich sehr zielgerichtet zwischen fünf bis sechsmal die Woche. Dies bedeutet im Schnitt eine Laufleistung von etwa 80 bis 120 Kilometer die Woche in den unterschiedlichsten Laufformen.

„Ich habe immer noch ein Faible für Süßigkeiten.“

Christian Mayer, Trailrunner

Meine Ernährung habe ich umgestellt und mich von ein paar Gewohnheiten verabschiedet. Ich achte darauf, was und in welcher Menge ich es zu mir nehme. Dies klingt asketisch, ist es aber nicht. Ich habe immer noch ein Faible für Süßigkeiten, meistens sage ich zu einem Stück Kuchen nicht nein. Seit 2018 gehe ich für das GORE Wear xc-run.de Trailrunning Team an den Start. Auch aus diesem Grund möchte ich bei jedem einzelnen Rennen mein Bestes geben und möglichst gute Resultate erlaufen. Ein achter Platz über die 65-Kilometer-Distanz beim Innsbruck Alpine Trail Festival und ein vierter Platz bei der Walser Trail Challenge waren meine Highlights im vergangenen Jahr. Der Start am Fuße des Matterhorns bleibt unvergessen, auch wenn ich dieses Rennen im vorderen Teil des Läuferfeldes aufgrund einer Verletzung abbrechen musste.

Reiz: Beim Trailrunning lotet er seine Grenzen aus und erlebt dabei unvergessliche Naturschauspiele. Fotos: Mayer
Reiz: Beim Trailrunning lotet er seine Grenzen aus und erlebt dabei unvergessliche Naturschauspiele. Fotos: Mayer

Trailrunning – speziell bei Wettkämpfen – bedeutet mir aber wesentlich mehr als der Kampf um Platzierungen. Man ist bei vielen Läufen auf sich alleine gestellt, lotet die eigenen Grenzen aus und erlebt dabei unvergessliche Naturschauspiele. Besonders einprägsam war der Großglockner Ultratrail, bei dem ich einen Großteil der Strecke nachts bewältigen musste. Dabei durfte ich beim Abstieg von der unteren Pfandlscharte zum Glocknerhaus auf über 2100 Meter Seehöhe einen traumhaften Sonnenaufgang erleben, der für die mentalen Prüfungen der Nacht entschädigte. Nach Möglichkeit nehme ich meine Familie zu den Wettkämpfen mit, da diese in der Vorbereitungszeit sehr oft zurückstecken muss und die zeitliche Belastung durch das Training enorm ist. Dann ist es jedes Mal ein absolut unbeschreibliches Gefühl, nach 60 teilweise harten und entbehrungsreichen Kilometern seine Kinder in den Arm zu schließen und mit diesen gemeinsam die Ziellinie zu überqueren.

Im Team mit Eric Leidenfrost

Plan: Christian Mayer startet beim Transalpine Run. Er gibt Einblicke in die Vorbereitung auf dieses harte Rennen. Fotos: Mayer
Plan: Christian Mayer startet beim Transalpine Run. Er gibt Einblicke in die Vorbereitung auf dieses harte Rennen. Fotos: Mayer

Da man die Herausforderung einer anstrengenden Alpenüberquerung gemeinsam besser bewältigen kann, wurde der Transalpine Run von Anfang an als Teamwettbewerb für zwei Läufer angelegt. Die gegenseitige moralische Unterstützung ist vor allem ab der Wochenmitte von großer Bedeutung, um das Abenteuer TAR erfolgreich zu bestehen. Mein Teampartner heißt Eric Leidenfrost, er ist 30 Jahre jung und ist mittlerweile beruflich und privat in Berchtesgaden zuhause. Kennengelernt haben wir uns vor drei Jahren, als Eric auf der Suche nach Trails im Bayerischen Wald war und wir uns bei dem einen oder anderen Wettkampf über den Weg liefen. Dabei stellten wir viele Gemeinsamkeiten fest. Als sich die Möglichkeit der Teilnahme am Transalpine Run ergab, stand für mich sofort fest, dass ich diesen Lauf mit Eric als Partner bestreiten möchte. Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können und alles daran setzten, um diesen Lauf erfolgreich zu bestehen. Eric und ich nutzen die folgenden fünf Monate, um uns mit Vorbereitungswettkämpfen individuell und durch gemeinsame Laufunternehmungen miteinander auf den TAR vorzubereiten. In den nun folgenden Wochen und Monaten möchte ich Sie auf die Reise zum Transalpine Run mitnehmen, von Erlebnissen berichten und dem Leser diese wundervolle Sportart näherbringen.

Training

Mingos Spagat zwischen zwei Welten

Der Trailrunner hat einen Weg gefunden, Familie und Sport unter einen Hut zu bringen. Meistens sind alle glücklich damit.

Eric Leidenfrost und Christian Mayer, beide Mitglieder (GORE Wear xc-run Trailrunning) sind das Team 162 bei der 15. Ausgabe des Transalpine Runs. Lesen Sie hier ein Interview mit den beiden:

Wie seid Ihr zum Laufen gekommen und was ist das Besondere dieser Sportart?

Christian Mayer und Eric Leidenfrost (r.) haben gemeinsam Großes vor – sie starten beim TAR. Foto: Mayer
Christian Mayer und Eric Leidenfrost (r.) haben gemeinsam Großes vor – sie starten beim TAR. Foto: Mayer

Eric: In Vorbereitung auf eine Backpacking-Tour quer durch Norwegen habe ich mit 21 Jahren mit dem Laufen angefangen. Aber das waren nur kurze Distanzen. Bei einem Trailrun ist es notwendig, viele unterschiedliche Komponenten zu berücksichtigen. Man muss eine Routenplanung machen, sich bei längeren Läufen um die Verpflegung kümmern, das Wetter spielt eine wichtige Rolle. Diese unterschiedlichen Punkte machen für mich den Reiz dieser Sportart aus.

Christian: Bei mir war es eine Wette mit einem Arbeitskollegen. Er war im Oktober 2013 der Meinung, dass ich es nicht schaffen werde, den Halbmarathon in Regensburg zu laufen. Am Ende finishte ich in 1:39 h. Trailrunning ist für mich die beste Möglichkeit vom Alltag abzuschalten. Wenn ich absolut gestresst von der Arbeit nach Hause komme, suche ich mir einen steilen Anstieg, um mich komplett verausgaben zu können. Gehe ich dagegen mit einer guten Grundstimmung ins Training, suche ich Strecken, bei denen der Laufgenuss im Vordergrund steht.

Was war das bisher interessanteste Lauferlebnis?

Eric: Der Zugspitz Ultratrail 2017 mit 103 Kilometern und 5500 Höhenmetern im Anstieg war mein intensivstes Wettkampferlebnis, da es mein erstes Rennen mit einer Distanz über 100 Kilometern war. Bei diesem Umfang kann man nie wissen, wie Körper und Geist reagieren. Nach 30 Kilometern war ich an fünfter Position und fühlte mich einfach gut.

Christian: Für mich die Walser Trail Challenge 2018 bei der ich von Weltuntergangsstimmung mit Wetterumschwung auf 2000 Metern Höhe bis zu brütender Hitze viele klimatische Grenzerfahrungen mitmachte. Die Kraft des Wetters war für mich faszinierend und erschreckend zu gleich.

Wie sieht eine Trainingswoche aus?

Eric: Meistens trainiere ich sechsmal die Woche mit unterschiedlicher Belastung. Dabei variieren Streckenlänge und die Intensität. In unmittelbarer Wettkampfvorbereitung trainiere ich meistens über 100 Kilometer mit mehr als 5000 Höhenmetern. Zusätzlich mache ich Alternativtraining, um die Stabilität des Körpers zu trainieren.

Christian: Bei einer Wochenbelastung von 80 bis 120 Kilometern ist es wichtig, auch genügend Zeit für Kräftigungsübungen der Muskeln, Sehnen und des Rumpfes einzuplanen. Das kommt dann noch zusätzlich hinzu. Dabei kann es dann schon zu einer Gesamtzeit von 15 Stunden in der Woche kommen.

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