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Der Todesmarsch durch Wutzldorf

Ein Zeitzeuge erzählt von den Gräueltaten der Nazis kurz vor Kriegsende.
Karin Hirschberger

Josef Stuber senior im Wald neben einem Schild, das an die Ereignisse erinnern soll. Foto: Karin Hirschberger
Josef Stuber senior im Wald neben einem Schild, das an die Ereignisse erinnern soll. Foto: Karin Hirschberger

Wald.Im Wald zwischen Luckstein und Mainsbauern befindet sich ein großes Loch. Davor steht ein Holzschild mit der Aufschrift: „Im April 1945 mussten wir 14-jährigen Burschen 1-Meter tiefe Löcher graben, um mit der Panzerfaust vorbeifahrende, amerikanische Panzer abzuschießen.“ Josef Stuber war einer dieser Burschen. „Das Schild gibt es schon lange, jetzt wurde es durch ein neues ersetzt“, erzählt er.

Stuber will nicht, dass vergessen wird, was damals passiert ist. Mitglieder der NSDAP hatten ihn und ein paar andere Burschen damit beauftragt, drei metertiefe Löcher auszuheben. Dort sollten die Burschen liegen und auf amerikanische Panzer warten. Zum Einsatz kamen die Löcher aber nicht. Doch nicht nur daran soll das Schild erinnern. Ein weiteres Erlebnis hat sich fest in den Kopf von Josef Stuber eingebrannt.

Am 24. April 1945 kamen nachmittags um 15 Uhr 500 Insassen des Konzentrationslagers Flossenbürg nach Wutzldorf. Heute weiß man: Sie befanden sich auf einem der grausamen Todesmärsche. Begleitet hätten sie 15 Soldaten. Die Gefangenen seien in die Scheune der Familie Stuber und eines Nachbarn einquartiert worden, damit sie dort übernachteten. Die Soldaten schliefen im Wohnhaus. „In der Nacht hörte man die Gefangenen vor Hunger schreien“, erzählt Josef Stuber.

Einer der Gefangenen sei Friseur gewesen und am Abend ins Haus gekommen. Er habe den Soldaten die Haare geschnitten. Familie Stuber gab ihm heimlich etwas zu Essen mit. Am nächsten Morgen mussten Familie und Nachbarn je einen Zentner Kartoffel dämpfen. Jeder Gefangene habe drei Kartoffeln erhalten. Nachfassen sei nicht erlaubt gewesen. Die Gefangenen seien abgezählt worden: Zehn von ihnen fehlten. Sie hatten sich im Heu versteckt. Hinter dem Hof seien sie erschossen worden. Später habe man ihre Leichen auf dem KZ-Friedhof Wetterfeld bestattet. Für die anderen Gefangenen ging es weiter in Richtung Rettenbach. Dort sollten sie bald auf amerikanische Soldaten treffen, die sie befreiten. (rhi)

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