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Baumart

Der Totembaum kommt in den Bayerwald

Schon die Indianer schätzten die Riesenlebensbäume. Heute punkten sie bei Experten mit ihrer Wachsleistungen.
Von Petra Schoplocher

Der ein oder andere Waldbesitzer ist schon auf den Lebensbaum aufmerksam geworden, so dass es vereinzelte Exemplare auch bei uns gibt. Foto: Schoplocher
Der ein oder andere Waldbesitzer ist schon auf den Lebensbaum aufmerksam geworden, so dass es vereinzelte Exemplare auch bei uns gibt. Foto: Schoplocher

Cham.Wer einen „Riesen“ im Namen hat, der muss was am (Holz)Kasten haben. Hat er auch, der Lebensbaum, betont Dr. Arthur Bauer. Etwas wie sehr gutes Höhenwachstum, bodenverbessernde Wirkung, keine Schädlinge und sogar einen Duft gegen Motten. Umso verwunderlicher, dass der Riesenlebensbaum im Wald kaum anzutreffen ist – was sich aber ändern könnte, als Beimischung unter Schirm wird die sehr schattentolerante Baumart mittlerweile von Fachleuten empfohlen. Schließlich kommen die Exemplare mit einer Referenz von bis zu 70 Metern Höhe und einem Durchmesser auf Brusthöhe von bis zu sechs Metern daher. Sie können bis zu 1000 Jahre alt werden.

Dr. Arthur Bauer Foto: ps
Dr. Arthur Bauer Foto: ps

Schon die Indianer wussten die immergrüne Baumart zu schätzen und bauten ihre Totempfähle und Kanus aus deren Holz. Der Grund: Dieses verfügt über eine ausgesprochen hohe natürliche Dauerhaftigkeit im Außenbereich und ist zugleich sehr leicht, erklärt Dr. Bauer. Ob deshalb das Riesenlebensbaumholz das bevorzugte Material für Zigarrenkästen ist? Die (sehr dekorative) Rinde wurde zu Seilen und Netzen verarbeitet.

Wichtige Baumart in den USA

Und gleich noch einmal Amerika, wo der Riesenlebensbaum auch ursprünglich beheimatet ist: Im Nordwesten gehört der Riesenlebensbaum nach wie vor zu den forstlich wichtigen Baumarten, das Holz trägt den Namen Red Cedar – entstanden aus dem Rot der Rinde.

Etwa die Hälfte aller Dachschindeln in den USA sind aus Thuja plicata, so der lateinische Name. Das „Thuja“ verrät es: Als Park-, Friedhofs- oder Heckenbaum ist der Lebensbaum dann doch bei uns kein Unbekannter. Um ihn im Wald erfolgreich anzubauen, ist der Standort entscheidend: Zwar ist der Riesenlebensbaum eher tolerant und stellt auch keine großen Nährstoffansprüche, er braucht aber eine gewisse Feuchtigkeit. Ungeeignet sind staunasse Böden ebenso wie trockene und sandige.

Baumart

Dieser Baum ist ein Zeuge der Zeiten

Mammutbäume werden in Kalifornien bis zu 3000 Jahre alt. Bei uns im Bayerwald könnte es ihnen bald gut gefallen.

Weil die Borke sehr dünn ist, ist sie sonnenbrandgefährdet – etwa bei plötzlicher Freistellung – und bekommt bei Früh- und Spätfrost Probleme. Extreme Kälte „packt“ er ebenso wenig wie entsprechende Trockenperioden. Wegen flacher Wurzeln besteht Windwurfgefahr und weil Rehe Feinschmecker sind, muss auf den Verbiss hingewiesen werden.

Die Stämme werden wie (die giftigen!) Blätter und Zweige gerne von Pilzen bewohnt, mit Ausnahme des Hallimaschs aber meist ohne Folgen. Das Holz ist dem entgegen sehr widerstandsfähig gegen Insekten- und Pilzbefall. Was vielleicht mit dem Duft zu tun hat, „ein bisschen nach Ananas“.

Baum hat bodenverbessernde Wirkung

Bemerkenswert ist für Arthur Bauer neben dem Höhen- das anhaltende Volumenwachstum und die ausgesprochene Neigung zur Naturverjüngung. Diese bringt für den Waldbesitzer praktischerweise die bodenverbessernde Wirkung gleich mit.

Unser Experte

  • Zur Person

    Dr. Arthur Bauer (58) stammt aus Regenpeilstein. Er studierte Forstwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist seit Februar 2017 Leiter des Bereichs Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Cham.

  • Verbundenheit

    „Schon immer“ war Arthur Bauer gerne in der Natur, vor allem aber im Wald.

  • Beratung/Kontakt

    AELF Cham, Bereich Forsten. Ölbergstraße 3, Waldmünchen. Telefon (09972) 94 30 20

Zwar keine „Riesen“, aber immerhin noch Lebensbäume sind der orientalische, koreanische, abendländische, japanische und der Sichuan-Lebensbaum. Die zeichnen sich durch unglaubliche Duftvielfalt von Apfelmus bis Mandelkuchen aus. Der abendländische gilt als Namensgeber. Zur Zeit der Kolonialisierung des heutigen Quebec erkrankten Seeleute während der langen Überfahrt an Skorbut. Auf Anraten der Indianer tranken sie einen Sud aus den Blättern und wurden gesund. Lebensbaum eben. Den Indianern sei dank.

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