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Mode

Der Turnschuh ist längst der Superstar

Stofftreter haben Kultstatus – auch in Chams U-Bahn. Deswegen klingelt im „Sneaker-Tube“ in der Fuhrmannstraße die Kasse.
Von Michael Gruber

Expertinnen für die Trendtreter: Christina Steinbauer (links) und Melanie Klemm starten mit dem Sneaker-Tube ins dritte Geschäftsjahr. Fotos: gruber
Expertinnen für die Trendtreter: Christina Steinbauer (links) und Melanie Klemm starten mit dem Sneaker-Tube ins dritte Geschäftsjahr. Fotos: gruber

Cham.James Dean und Elvis Presley haben es in den 50ern vorgemacht. Mick Jagger legte nach und spätestens seitdem Joschka Fischer seine Füße im Bundestag hochgelegt hat, ist eines klar: Der Turnschuh hat es ganz nach oben geschafft. Geboren in England und geschmiedet für den richtigen Tritt beim Croquetspiel, hat der Sneaker heute Kultstatus und erobert nicht nur die Schuhregale von Popstars und Prominenten.

U-Bahn-Gäste in Berlin beispielsweise, können sich seit wenigen Wochen das Jahresticket als Turnschuh abholen: 180 Euro kostet der BVG-Sneaker, mit eingenähter Fahrkarte in der Zunge. Mit diesem Marketinggag setzen die Berliner Verkehrsbetriebe auf einen Schuhtrend, der auch die einzige Chamer U-Bahnstation erobert hat.

Statussymbol unter Männern

Der BVG-Sneaker mit eingenähter Jahreskarte in der Zunge war auf 500 Stück limitiert. Inzwischen wird er für bis zu 1.000 Euro bei eBay gehandelt. Foto:  Foto: Paul Zinken/dpa
Der BVG-Sneaker mit eingenähter Jahreskarte in der Zunge war auf 500 Stück limitiert. Inzwischen wird er für bis zu 1.000 Euro bei eBay gehandelt. Foto: Foto: Paul Zinken/dpa

„Sneakers sind längst zum Statussymbol geworden, vor allem unter Männern“, sagt Melanie Klemm, Geschäftsführerin im „Sneaker-Tube“ in der Fuhrmannstraße 13. Vor drei Jahren hat Klemm mit ihren Azubi-Kollegen im Modehaus Frey das Projekt ins Leben gerufen, wo der modische Turnschuh auf knapp 60 Quadratmetern eine eigene Abteilung bekommen hat. Rund 200 Sneaker in allen Farben und Formen der bekannten Hersteller liegen dort neben Caps und Accessoires auf dem Regal.

200 Sneakers in allen Farben und Formen der bekannten Hersteller finden die Chamer seit 2015 in der Fuhrmannstraße. Auf den Weg gebracht wurde das Konzept von Frey-Azubis. Die Idee: modischen Turnschuhen eine eigene Abteilung zu widmen.
200 Sneakers in allen Farben und Formen der bekannten Hersteller finden die Chamer seit 2015 in der Fuhrmannstraße. Auf den Weg gebracht wurde das Konzept von Frey-Azubis. Die Idee: modischen Turnschuhen eine eigene Abteilung zu widmen.

Gestaltet und dekoriert ist der Laden im Look eines urbanen U-Bahnhofs – eben das, was Tube zu Deutsch auch meint. Als Geschäftsführerin berät Klemm seit eineinhalb Jahren ihre Kunden bei der Wahl des passenden Turnschuhs – und sie weiß, was die Chamer am Stoffschuh reizt: „Der geschniegelte Look mit Anzug, Krawatte und Lackschuhen liegt nicht mehr so im Trend wie früher. Inzwischen möchten die Leute ein wenig legerer und bequemer angezogen sein und der Sneaker passt da perfekt rein.“

Kaum zu glauben, aber wahr: Lange Zeit galten die Plastikschlapper, besser bekannt als Adiletten, als modisches No-Go. Inzwischen erobern sie wieder die Laufstege und auch den Sneaker-Tube in Cham. Dort schnellen die Verkaufszahlen in die Höhe.
Kaum zu glauben, aber wahr: Lange Zeit galten die Plastikschlapper, besser bekannt als Adiletten, als modisches No-Go. Inzwischen erobern sie wieder die Laufstege und auch den Sneaker-Tube in Cham. Dort schnellen die Verkaufszahlen in die Höhe.

Die Altersspanne ihrer Kunden beschränkt sich dabei längst nicht mehr auf Teenager und Twens. Senioren mit stylischen Sneakers? In der Fuhrmannstraße keine Seltenheit: „Letztens war ein älterer Kunde da, der wollte unbedingt die schwarz-weißen Vans Old Skool haben. Seine Frau hat nur mit dem Kopf geschüttelt. Von ihr habe ich erfahren, dass er 80 Jahre alt ist“, sagt Klemm. Das Modell des amerikanischen Schuhherstellers mit dem geknickten Streifen am Schaft zählt Klemm zufolge auch zu den großen Kassenschlagern im Landkreis, weit vor den „Chucks“, den berühmten Stofftretern von Converse, die an den Füßen von Profi-Skateboardern und Stars wie Kurt Cobain Karriere gemacht haben. Im kommenden Sommer werden aber auch längst vergessene Juwelen ein großes Comeback feiern: „Adiletten sind seit Jahren wieder im Kommen und der Trend hat jetzt auch im Landkreis eingeschlagen“, sagt Christina Steinbauer, zuständig für Digitalentwicklung im Modehaus Frey.

Sneakerfans auf WhatsApp

Sie kümmert sich mit ihrer Kollegin Melanie Klemm um das Marketing auf den digitalen Kanälen: Neben dem Webshop füttern sie ihre Kunden auf Facebook, WhatsApp und Instagram regelmäßig mit Fotos und Neuigkeiten aus der Sneakerwelt – mit reichlich Follower am anderen Ende. „Wir bekommen am Tag bestimmt fünfzehn Anfragen per WhatsApp, ob wir bestimmte Sneaker auf Lager haben oder zurücklegen können“, sagt Steinbauer.

Sondermodelle wie dieser Adidas-Schuh, der von der Tennislegende Stan Smith kreiert wurde, wecken bei Turnschuh-Fans den Sammlertrieb. Vor allem unter jungen Männern im Landkreis wird das Sneaker-Sammeln immer beliebter und ist eine Art Statussymbol.
Sondermodelle wie dieser Adidas-Schuh, der von der Tennislegende Stan Smith kreiert wurde, wecken bei Turnschuh-Fans den Sammlertrieb. Vor allem unter jungen Männern im Landkreis wird das Sneaker-Sammeln immer beliebter und ist eine Art Statussymbol.

Die Jagd nach den neusten Turnschuhen sei unter vielen Kunden mittlerweile zu einer Art Sammelleidenschaft geworden, vor allem bei jungen Männern, für die der Schuh inzwischen wichtiger geworden ist als das restliche Outfit, berichtet Melanie Klemm – auch aus eigener Erfahrung. „Mein Freund hat mittlerweile mehr Schuhe zu Hause als ich. Und bei mir sind es bestimmt 20 Paare. Die Meisten sehen es als eine Art Statussymbol. Für die teuersten Adidas muss man ja schon mal 180 Euro hinblättern.“

Passend zu den Turnschuhen finden die Kunden in der Fuhrmannstraße Stoffcaps und Sportsocken. Letztere sind vor allem bei den Fashionistas in Berlin-Mitte und München wieder en vogue. Weiße Wadenstrümpfe zu den Sandalen gelten wieder als hip, genauso wie der „Nerd-Look“.
Passend zu den Turnschuhen finden die Kunden in der Fuhrmannstraße Stoffcaps und Sportsocken. Letztere sind vor allem bei den Fashionistas in Berlin-Mitte und München wieder en vogue. Weiße Wadenstrümpfe zu den Sandalen gelten wieder als hip, genauso wie der „Nerd-Look“.

Einen Grund für die große Nachfrage sieht Klemm auch in den großen Marketingaktionen der Hersteller, die ihre Schuhe auf die Bühne der Stars heben: „Rhianna macht inzwischen Werbung für Puma. Pharell Williams hat für adidas sein eigenes Modell entworfen. Die großen Marken treten damit die großen Hypes los.“ Die Chamer U-Bahnstation dürfte das freuen. Die Passagiere werden nicht ausgehen.

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