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Trauer

Der Unternehmer Hans Stangl ist tot

Der langjährige Stadtrat und Firmeninhaber aus Roding ist am Donnerstag an seiner Krebserkrankung gestorben. Ein Nachruf.
Von Rupert Schlecht

Hans Stangl hatte aus seiner Erkrankung kein Geheimnis gemacht und das Lachen nicht verlernt. Auch dem Bayerwald-Echo hatte er mutig und kämpferisch, wie es seine Art war, über seine Krankheit berichtet. Damals entstand dieses Bild. Foto: Archiv, Betthausen
Hans Stangl hatte aus seiner Erkrankung kein Geheimnis gemacht und das Lachen nicht verlernt. Auch dem Bayerwald-Echo hatte er mutig und kämpferisch, wie es seine Art war, über seine Krankheit berichtet. Damals entstand dieses Bild. Foto: Archiv, Betthausen

Roding.Einmal habe ich Hans Stangl persönlich um einen kleinen Gefallen gebeten. Er, obwohl mit 1000 anderen Dingen beschäftigt, hat sich spontan darum gekümmert. Diese, wenngleich freilich nur kleine Episode, beschreibt im Kern schon ein bisschen den Unternehmer, Lokalpolitiker, Familienvater, Ehrenamtler, Freund und Weggefährten so vieler Menschen weit über die Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus.

Am Donnerstag hat Hans Stangl im Alter von 56 Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren. Seine Krankheit, die vor über zwei Jahren ausgebrochen ist, hat er wie sein Leben gemeistert, mit Tatkraft, Würde, Realitätssinn, enormer Ehrlichkeit sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber sowie reichlich Gottvertrauen. Landrat Löffler, der den Stangl Hans in der schweren Zeit der Tumorerkrankung ein ums andere Mal besucht hat, bringt ihm Respekt entgegen. „Ich habe ihn zu keiner Sekunde jammern gehört.“

Von jung an kein Risiko gescheut

Hans Stangls Energie – beinahe bis zu seinem Tod hat er, obwohl schwer vom Krebs gezeichnet, keine Auftritte in der Öffentlichkeit gescheut  – spiegelt sich wider in seinem Wirken, zunächst als erfolgreicher Unternehmer. Es gehört sich schon eine gewaltige Portion Mut dazu, als junger Mensch den Weg vom Werkzeugmacher über die Firmengründung (1988, gemeinsam mit Stefan Kulzer) hin zum Geschäftsführer eines global erfolgreichen, aber in Roding verorteten Unternehmens zu beschreiten. Die Wertschätzung, aber auch große Trauer der rund 370 Mitarbeiter der Stangl + Kulzer group drücken sich nach außen auf der Website der Unternehmensgruppe aus. Ein Bild in Schwarz-Weiß zeigt Hans Stangl: weißes, Hemd, Sakko, offenes Lächeln. Stefan Kulzer, Kompagnon in der Doppelspitze der Unternehmensgruppe, charakterisiert seinen Freund als „herausragende Persönlichkeit“. „Wir haben 30 Jahre vertrauenvoll zusammengearbeitet.“ Wichtig sei ihm gewesen, für die Belegschaft Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, zudem in der Ausbildung jungen Menschen Chancen auf eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen. „Wir werden uns nach seiner Beerdigung mit der ganzen Belegschaft sicher noch zusammensetzen.“ Das Unternehmen selber sei auf Kurs, auch dank Stangls Werk und Weitsicht.

Hans Stangls Herz hat auch für den Nachwuchs im Betrieb geschlagen. Dort lassen sich für die Mitarbeiter Beruf und Familie vereinbaren. Foto: Betthausen
Hans Stangls Herz hat auch für den Nachwuchs im Betrieb geschlagen. Dort lassen sich für die Mitarbeiter Beruf und Familie vereinbaren. Foto: Betthausen

Hans Stangl, verheiratet mit Monika, drei erwachsene Töchter, zwei Enkel, ist mit der Firma keineswegs ausgelastet, sprich in den Vereinen und seiner Heimat tief verwurzelt gewesen. Erinnert sei zum Beispiel an 2001, als nach Abriss und Neubau des Dorfwirtshauses Kalsing die Weiberwirtschaft eröffnet hat. 2014 hat Tochter Susanne das Haus der Eltern übernommen. Ihr Vater ist mit 15 bei den Rosenholzschützen eingetreten. Später hat er sich als Schützenmeister und 2015, obwohl bereits erkrankt, zusammen mit Vereinskassier Klaus Henseler als Festleiter des 50. Gründungsfestes um den Verein verdient gemacht. Henseler ist tief traurig. Er sagt: „Hans Stangl ist in Unterlintach geboren, hat in Unterlintach gelebt und ist in Unterlintach gestorben. Er ist, obwohl er als Unternehmer sehr viel Verantwortung getragen hat, immer Mensch geblieben.“

Gedanken

Er war einfach er selbst

In 20 Jahren bei der Zeitung – dafür ist der Beruf zu schnelllebig – ziehen viele Ereignisse und Augenblicke an dir vorbei. Du hast nicht immer Zeit –...

Er hat für die Bürger viel bewegt, etwa seit 2008 als Mitglied des Rodinger Stadtrates. „Der Hans war ein Weggefährte“, sagt Bürgermeister Franz Reichold. Stangls Tod geht ihm spürbar nahe. „Als Kommunalpolitiker, Aufsichtsrat, Verwaltungsrat und erfolgreicher Unternehmer setzte er sich für die Belange der Bürger und Bürgerinnen ein.“ Stangl (Freie Wähler) und Reichold (CSU) hätten zwar mitunter „in der Sache miteinander gerungen“, aber stets „mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen“. Auch Hans Kraus (Kreisvorsitzender der Freien Wähler) ist seit Jahren Stangls Weggefährte gewesen. Beide sind im Kreistag gesessen. „Es war phänomenal, wie der Hans aus dem Blickwinkel des Unternehmers Politik betrieben hat.“ Unvergessen bleibt Stangls Landratskandidatur. Sein Gegner 2014: der heutige Landrat Franz Löffler, CSU. „Der Wettbewerb“, erinnert sich dieser, „hat unserer persönlichen Freundschaft überhaupt nicht geschadet.“ Sie sei eher noch gewachsen, „weil es uns immer um die Sache gegangen ist“. Heiter, die erste Begegnung der beiden: Stangl ist im Wahlkampf 2003 mit einem Trike nach Waldmünchen auf den Marktplatz getourt und dort auf Franz Löffler getroffen, der, wie Stangl, einst für den Bezirkstag kandidiert hat. Franz Löffler schmunzelt: „Ich hab’ mir ein Eis gekauft, und dem Hans eines ausgegeben“. Löffler hat gleich gemerkt: Das ist ein Typ, der meint’s ehrlich“.

Ehrenamt vielfach gewürdigt

Ehrlich hat’s der Stangl Hans stets mit dem Ehrenamt gemeint, „sowohl als Vorsitzender als auch als Förderer von vielen Vereinen und der Dorfgemeinschaft Unterlintach“, so Bürgermeister Reichold. Die Stadt hatte ihn erst im November mit der Bürgermedaille geehrt. „Sein Engagement und sein Pflichtbewusstsein sind vorbildlich gewesen.“ Der Landkreis hat Stangl mit dem Kreisehrenzeichen gewürdigt.

In einem großen Interview, hier im Bayerwald-Echo, hat Hans Stangl im Juli 2015 diesen Satz gesagt: „Meine Aufgabe ist es, diesem Tumor möglichst viele Lebensjahre abzuluchsen.“ Hans Stangl waren noch knapp zweieinhalb Jahre vergönnt.

Sterberosenkranz für Hans Stangl ist am Samstag und am Dienstag um 19 Uhr in der Dorfkapelle Unterlintach. Trauergottesdienst mit Beerdigung ist am Mittwoch, 27. Dezember, um 14.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche Roding; vorher, 14 Uhr, ist Rosenkranz.

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