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Osser-Kraftwerk

Die Angst vor einem Auslaufmodell

Verschandelnd, veraltet und langfristig wasserdurchlässig – Gegner des geplanten Pumpspeicherkraftwerks am Osser bekräftigen in Lam ihre Ablehnung.

  • Ein solches Pumpspeicherkraftwerk will die Initiative am Osser verhindern. Foto: dpa
  • Erwin Pfeffer hält PSW grundsätzlich für nicht notwendig.
  • Christian Billig befürchtet langfristig Undichtigkeiten.
  • Prof. Peter Löffelmann fühlt sich von Vispiron hintergangen.

Lam. Rund 220 Zuhörer füllten am Samstagabend den Saal des Hotels „Zur Post“. Zum Infoabend des Aktionsbündnisses gegen das Pumpspeicherkraftwerk (PSW) waren ausschließlich Gemeinderätinnen sowie eine Abordnung der Freien Wähler mit Dr. Karl Vetter, Hans Kraus, Hans Stangl und Bürgermeisterin Karin Bucher gekommen. Lams neuer Bürgermeister Paul Roßberger jun. sowie die CSU-Räte blieben absent.

„Argumente und Befürchtungen gegen das von der Firma Vispiron geplante PSW einer breiten Öffentlichkeit darzulegen“, war laut Bündnis-Chef Erwin Molzan der Abend überschrieben. Dass daran Interesse bestehe, zeige die Unterschriftenliste gegen das Projekt, auf der sich 7500 Menschen eingetragen haben, darunter 850 aus dem Markt Lam. Molzans Dank galt den 151 Mitgliedern, die dem Bündnis beigetreten sind, aber auch jenen, die den Mitstreitern mit Rat und Tat unter die Arme greifen.

Aus den Quellen im Ossergebiet beziehen die Lamer und Lohberger ihr Trinkwasser. Eine Beweidung der Osserwiese mit Schafen musste vor einigen Jahren wegen der Keimbelastung des Trinkwassers eingestellt werden. „Niemand kann sagen, was durch die Sprengungen mit den Quellen passiert“, gab Molzan zu bedenken. Ebenso fragwürdig sei, dass aus dem Lambach 600 000 Kubikmeter Wasser entnommen werdn solle, obwohl er zu den schützenswerten Gewässern der Güteklasse 1 zählt.

Ministerin Aigner habe sich vor drei Wochen eindeutig gegen PSW ausgesprochen. „Wir hoffen, dass die Pläne von den zuständigen Stellen abgelehnt werden oder das Bistum Regensburg von einer Verpachtung der Osserwälder absieht“, so Molzan.

Batterien werden immer besser

Elektroingenieur Erwin Pfeffer referierte über die Bedeutung der PSW für die Energiewende. Vor zwei Monaten sind die Ergebnisse dieser Untersuchung in der sogenannten „Road map Speicher“ veröffentlicht worden. Dessen Kernaussage: Bis zu einem erneuerbaren Energieanteil von 60 Prozent, das heißt bis 2030 sei der Ausbau von Stromspeichern keine Voraussetzung für den weiteren Ausbau von Windenergie und Photovoltaikanlagen, wenn eine Abschaltung von Stromspitzen akzeptiert wird.“ Das bedeutet, Strom aus Wind und Sonne verpufft nutzlos – was für den Verbraucher aber immer noch viel günstiger sei, als neue PSW. Pfeffers Fazit: „Die Energiewende braucht keine Stromspeicher“.

Laut einer Folie des Regensburger Professors Michael Sterner decke Bayern aktuell 47 Prozent seines Stromverbrauchs mit Kernkraftwerken ab, die allerdings 2022 abgeschaltet werden. Sterner behaupte, Bayern habe genügend Potenzial an erneuerbaren Energien, um sich selbst zu versorgen. „Stromspeicher werden in 20, 30 und 40 Jahren gebraucht. Dann aber als Batteriespeicher“.

Vor kurzem wurde das größte Batteriekraftwerk in Schwerin seinem regulären Betrieb übergeben. „Die Leistung des Prototypen beträgt 50 Megawatt, es kann damit halb soviel Regelenergie bereitstellen wie das PSW am Osser könnte“. Außerdem fielen für das Projekt nur sechs Millionen Euro an Kosten an.

Die Zukunft sei, so Pfeffer, Batterie speicher neben Photovoltaik- und Windkraftanlagen zu bauen. „Die PSW sind hingegen Auslaufmodelle – zu weit weg von den Erzeugern und zu langsam für die Energiewende“.

Den von den Befürwortern im Lamer Marktrat erhofften Geldsegen widerlegte Stephan Koch. Die Gewerbesteuereinnahmen sollen nach Amir Roughani in der Bauzeit eine Million Euro jährlich betragen, ab dem achten Jahr eine halbe Million Euro. Aktuell habe die Betreibergesellschaft „DSW Solar 14 GmbH“ ihren Sitz in München, müsste diesen erst nach Lam verlegen. „Um 500 000 Euro Gewerbesteuer zu erzielen, müsste in Lam ein Ertrag von 4,5 Millionen Euro erzielt werden.

Steuereinnahmen hypothetisch

Der Konzerngewinn 2012 der 24 Firmen betrug lediglich 2,3 Millionen Euro“, berichtete der Steuerexperte. Nicht bekannt sei, ob die Baufirmen aus Lam oder von außerhalb kommen. Sollten es Firmen von außerhalb sein, würde der Gewinn auf die Betriebsstätten aufgeteilt, wo die Mitarbeiter tätig sind. Bei einem Mittelwert von 70 Millionen Bausumme entsprächen neun Millionen einem Ertrag von 13 Prozent. Laut IHK seien ein bis drei Prozent die Regel. Kochs Fazit: „Mit den prognostizierten Gewerbesteuereinnahmen während der Bauphase ist nicht zu rechnen“.

Elektroingenieur Christian Billig erläuterte, dass für die Stützung des Beckens ein „extremster Bauaufwand“ betrieben werden. Aber das Baumaterial gewährleiste keine Langzeitsicherheit, so Billig. „Ich habe keine Lust, mich mit Versicherungen herumzustreiten, wenn austretendes Wasser Gebäudeschäden verursacht“. Baulärm und Wartungsarbeiten führen außerdem zwangsläufig zum Wertverlust der Immobilien. „Das soll nicht heißen, dass wir zufrieden sind, wenn jeder 50000 Euro erhält“.

Somit kam auch Ilse Aigner zu dem Ergebnis, dass es keiner weiterer PSW bedarf. Die Planungsfirma, die am Jochberg tätig war, habe bereits ihren Antrag zurückgezogen. Billig ging schließlich auf die Drohung eines Atomendlagers ein: „Im Osser ist Gott sei Dank viel Wasser. Wo Wassereintritt befürchtet werden muss, sind Atomendlager nicht zu realisieren“.

Prof. Peter Löffelmann gab zu verstehen, dass die Behörden und der Gemeinderat „an der Nase herumgeführt werden“. Begründung: „Pumpenstrom ist keine erneuerbare Energie. Das PSW ist selbst ein Stromverbraucher. „Uns wird hier vorgemacht, das herausgenommene Gestein seitlich aufzutürmen und ähnlich einem Gartenteich Folie auszulegen. Da fühle ich mich verarscht“, machte der Fachanwalt klar. Auch seiner Ansicht nach seien PSW Auslaufmodelle. So sei geplant, den in der Nordsee geplanten Strom über Gasleitungen nach Süddeutschland zu leiten. PSW waren seiner Ansicht nach eine rein wirtschaftliche Überlegung, von denen Fachleute fordern, sie stillzulegen, weil die hohen Investitionskosten nicht amortisiert werden können.

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