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Die Auferstehung der Gibacht-Galerie

Die Ausstellung von Adriana Vlcková und ihrer Oma ist nur der Anfang: Ralph Wenzel will am Gibacht wieder mehr Kultur bieten.
Von Petra Schoplocher

Adriana Vlcková vor dem großformatigsten Bild ihrer Ausstellung und zugleich dem modernsten. Die 20-Jährige kann aber auch ganz anders, stiller. Vor allem die Bilder mit Tieren strahlen eine tiefe Naturverbundenheit aus. Foto: Schoplocher
Adriana Vlcková vor dem großformatigsten Bild ihrer Ausstellung und zugleich dem modernsten. Die 20-Jährige kann aber auch ganz anders, stiller. Vor allem die Bilder mit Tieren strahlen eine tiefe Naturverbundenheit aus. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Ein wenig scheint es so, als habe es die drei Jahre Pause nicht gegeben. Ralph Wenzel steht im hinteren seiner beiden Galerieräume, „sehr schön“, sagt er über das Bild, das neben ihm hängt. Und er freut sich auf die bevorstehenden Konzerte am 29. Juni und 6. Juli. Kunst, Kultur, Berg. Diese Kombination gab es lange Zeit nicht. Zu sehr hatten den 59-Jährigen seine anderen Verpflichtungen – unter anderem das Gasthaus – in Beschlag genommen, als dass noch Zeit für die Organisation oder größeres eigenes künstlerisches Tun gewesen wäre.

 Ralph Wenzel in der Galerie. Er ist froh, dass wieder Leben einzieht. Die Folgeausstellung ist schon terminiert: Maler Franz Grundler wird ab 4. August die beiden Räume bestücken. Foto: ps
Ralph Wenzel in der Galerie. Er ist froh, dass wieder Leben einzieht. Die Folgeausstellung ist schon terminiert: Maler Franz Grundler wird ab 4. August die beiden Räume bestücken. Foto: ps

Viel mehr Freiraum ist zwar jetzt auch nicht, aber „ich habe gespürt, dass sich etwas bewegen muss.“ Und dann war da noch Horst Effenberger, der seit rund einem halben Jahr kreativ am Berg tätig ist, und ein wenig in die gleiche Richtung angeschoben hat. Das Ergebnis: Die erste Ausstellung seit Jahren, Konzerte und jede Menge Ideen.

Am Anfang war ein Geschenk

Diese ist nicht nur deshalb eine besondere, weil sie die Gibacht-Galerie wiederbelebt. Sie ist die erste Schau überhaupt von Adriana Vlcková, einem 20-jährigen Nachwuchstalent. Dabei hatte Ralph Wenzel eigentlich deren Oma im Auge, von der er wusste, dass sie gut malt. „Sie hat mir einmal ein Bild geschenkt“, erzählt der Glaskünstler und Gastwirt. Also hat er Jaroslava Jandarova Schleglova gefragt, ob sie sich vorstellen könne, bei ihm Bilder zu zeigen.

Oma und Enkelin verbindet das Malen. Insofern sind beide stolz und glücklich, dass sie Adrianas erste Ausstellung miteinander bestücken können. Die Resonanz ist sehr gut. Foto: ps
Oma und Enkelin verbindet das Malen. Insofern sind beide stolz und glücklich, dass sie Adrianas erste Ausstellung miteinander bestücken können. Die Resonanz ist sehr gut. Foto: ps

Konnte sie, aber viel lieber noch wäre ihr, wenn ihrer Enkelin eine Ausstellung ermöglicht würde, hielt sie ihrem Chef ehrlich entgegen. Der willigte seinerseits ein und so entstand eine Oma-Enkelin-Präsentation. Seit drei Jahren arbeitet die Tschechin bei Ralph Wenzel, genau die Zeit, in der die Galerie leer steht. „Schon ein netter Gedanke, dass nun ausgerechnet wir die Ersten sind“, schmunzelt sie.

„Ich konnte es erst gar nicht glauben“, schildert Adriana den Moment, als ihre Oma anrief und erzählte, dass sie am Gibacht ausstellen dürfe. Der Zeitpunkt für die Zusage hätte nicht passender sein können, „wir haben gerade mit ein paar Freunden meinen Geburtstag gefeiert“, erzählt sie. Die junge Künstlerin, die derzeit an der höheren Berufsschule in Písek studiert, ist die erste ihrer Klasse, die eine Ausstellung „ergattert“ hat. „Alle haben sich mit mir gefreut“, erzählt die 20-Jährige, die sich sieben Jahre an der Kunstschule ihrer Heimatstadt Kdyn!e ausbilden ließ und schon an einigen Restaurierungsaufträgen mitgewirkt hat – unter anderem an der Prager Staatsoper.

Die Oma war es, die das Talent der damals Neunjährigen erkannte und sie seitdem fördert. „Ich sollte in den Ferien auf sie aufpassen. Weil sie ungeduldig war, ließ ich sie eine Rose malen, nach fünf Minuten kam sie zurück – mit einer wunderschönen Zeichnung.“ Für Adriana war ab diesem Moment klar: „Das ist meins!“, und dass sie es zu ihrem Beruf machen kann, „ein Traum“.

Die Bilder für die Ausstellung am Gibacht, die noch bis zum 31. Juli dauert, auszusuchen, sei nicht leicht gewesen, berichtet sie. „Ich habe dann die genommen, die mir am Besten gefallen haben.“ Wichtig war ihr, zu zeigen, dass sie verschiedene Techniken beherrscht. So finden sich Bilder in Öl, Acryl und Aquarell. Auch die Motive könnten unterschiedlicher nicht sein: Ein Schaf oder Reh inmitten wunderbarer Natur, „Erinnerungen an Gärten“ oder „Schatten der Seele“. Ihre Oma ergänzt die Werke mit überwiegend floralen, leichten Bildern.

Malen ist ihr Leben

Gleich am Abend der Vernissage hat Adriana Vlcková eines ihrer Gemälde verkauft –ein komisches Gefühl, wie die junge Frau zugibt. Trotz ihres engen Terminplans malt oder zeichnet sie jeden Tag. „Das ist mein Leben“, sagt sie lächelnd.

 Horst Effenberger arbeitet seit rund einem halben Jahr kreativ am Gibacht und gestaltet Glasleuchten. Er unterstützte Ralph Wenzels Überlegungen, die Galerie wiederzubeleben, auch tatkräftig.Foto: ps
Horst Effenberger arbeitet seit rund einem halben Jahr kreativ am Gibacht und gestaltet Glasleuchten. Er unterstützte Ralph Wenzels Überlegungen, die Galerie wiederzubeleben, auch tatkräftig.Foto: ps

Das Leben am Gibacht ist ohne Glas undenkbar und so ist Ralph Wenzel froh, dass Horst Effenberger derzeit den kreativen Part spielt. Er verfeinert die von beiden entwickelten Glasleuchten

weiter, ohnehin jede ein Unikat. Mittlerweile gibt es sie kabellos und mit verschiedenen, heimischen Hölzern. Auch sie haben eine Ausstellungsfläche bekommen, wenngleich in Kürze ein Internetshop eröffnet.

Bleiben noch die Veranstaltungen, die in den Blütejahren des Hauses kulturelle Perlen der Region waren. Was Konzerte angeht, ist der Kalender schon ziemlich gut gefüllt – Ralph Wenzel mag die ein oder andere Überraschung noch für sich behalten. Dem 59-Jährigen schweben aber auch wieder Lesungen sowie Impulse zum grenzüberschreitenden Austausch vor. „Es soll wieder so werden, wie es in den Anfangsjahren gedacht war“. Der Weg dorthin jedenfalls hat bunt und vielversprechend begonnen.

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