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Wald-Verein

Die Aussicht reichte bis zu den Alpen

Eine schöne Spätsommer-Wanderung führte in den Böhmerwald.
Von Maria Frisch

Die Teilnehmer der Wanderung vor dem Aussichtsturm Polednik Foto: kfl
Die Teilnehmer der Wanderung vor dem Aussichtsturm Polednik Foto: kfl

Lohberg.Eine grandiose Rundum-Aussicht über den Böhmer- und Bayerwald bis hin zu den Alpen war den Wanderfreunden bei herrlichstem Wetter beschieden, die sich am Sonntag für die Spätsommerwanderung der Lohberger Waldvereinssektion entschieden hatten. „A scheijne Herd is des heid“ war Wanderführer Reinhard Kollmer beim Treffpunkt erfreut über die Resonanz. In Fahrgemeinschaften steuerten die Beteiligten Bayerisch-Eisenstein zu, wo sie über die Grenze Prasily ins Visier nahmen. Das war der Ausgangspunkt der diesjährigen Route. Den Rucksack auf dem Rücken, stiegen die Lohberger den geschotterten Weg hinauf zum Polednik (Mittagsberg) mit seiner Höhelage von 1315 m und einem 37 Meter hohen Aussichtsturm. Die Vielzahl von Schildern am Wegesrand, die vor dem Betreten des Waldes wegen der noch vorhandenen Minen und der weiterhin bestehenden Explosionsgefahr warnten, verdeutlichten die geschichtliche Vergangenheit dieses Weges als Teil der Eisernen Grenze zwischen Deutschland und Tschechien.

Nachdem die Gruppe die ersten Anstiege bis rund 1000 m zurückgelegt hatte, bot sich ihr ein geisterhafter Anblick. Dort oben hatte der Borkenkäfer und der Sturm Kyrill ganze Arbeit geleistet. Der grüne Wald, den die Gruppe zuvor noch genossen hatte, wurde abgelöst durch bizarre graue Baumgerippe, die in den seltsamsten Formen in den Himmel ragten, und eine Vielzahl von großen Wurzeltellern umgestürzter Stämme. Die restlichen gut dreihundert Höhenmeter waren für den einen oder anderen eine Herausforderung. Kurz vor 13 Uhr trafen die Lohberger am Aussichtsturm ein und ließen sich bei der Mittagsrast die Sonne „auf den Pelz scheinen“. Die Unternehmungslustigen erklommen die 227 Stufen – die letzten auf einer eisernen Leiter – zur Aussichtsplattform.

Im Innern erinnert eine Ausstellung an die Geschichte dieses Turmes. Seine Höhe war der ideale Standort für eine Militärstation, von der aus die Westgrenze elektronisch überwacht werden sollte. Daher unterlag der Polednik strengster Geheimhaltung. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 räumte das Militär das gesamte Gelände. Der Nationalpark Sumava kaufte das Gebiet 1997 und gestaltete den Abhörturm zu dem heutigen Aussichtsturm um. (kfl)

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